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Die Parteien überbieten sich mit Vorschlägen zum Wolfsmanagement. Kritik kommt von der Jägerschaft Lüneburg. Foto: nabu

Parteien und Wolfsmanagment — von Populismus bis Symbolpolitik

Lüneburg/Hannover. Der Wolf ist längst zum Wahlkampfthema geworden: Als „blanken Populismus“ bezeichnet die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers die F orderung von CDU und FDP, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Stattdessen lobt sie eine Einigung zwischen Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die angeblich den „Abschuss von Problemwölfen und ganzen Rudeln“ erlaube. Zu der Einigung von Weil und Hendricks sagt nun auf LZ-Nachfrage Christian Voigt, Vorsitzender der Jägerschaft Lüneburg. „Was die verzapft haben, ist auch eine reine Wahlkampfveranstaltung.“

Aufnahme ins Jagdrecht reine Symbolpolitik

Genauso hält Voigt die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht für „reine Symbolpolitik“, denn an dem hohen Schutzniveau des Wolfes würde das nichts ändern. Voigt sagt: „Wir brauchen einen Plan, wie wir mit der wachsenden Wolfspopulation umgehen wollen und dürfen nicht immer nur reagieren.“

Tatsächlich geht die von Weil und Hendricks beschlossene Erklärung „zum Konflikt zwischen Wolfsschutz und Weidetierhaltung“ kaum über den aktuellen Stand hinaus. Dennoch sah sich Umweltminister Stefan Wenzel kürzlich gemüßigt, bei Facebook eine Erläuterung zu dem Beschluss zu veröffentlichen. So schreibt der Grüne beispielsweise zur Einigung: „Es wird klargestellt, dass die Sicherheit des Menschen absolute Priorität hat und dafür ein sich auffällig verhaltender Wolf nötigenfalls auch getötet wird.“ Und später fügte er an: „Es wird auch betont, dass die Tötung von Wölfen im Einzelfall auch dann erfolgen kann, wenn sie erhebliche Schäden bei Weidetieren verursachen. Dazu ist immer eine genaue Betrachtung des Einzelfalls erforderlich.“

Wahlkampf wirft anderes Licht auf Wolfsmanagement

In der gemeinsamen Erklärung von Wenzel und Hendricks heißt es außerdem mit Blick auf den Schutz von Weidetieren, dass in „letzter Konsequenz als Einzelmaßnahme auch die Entnahme eines Rudels“ gehöre, „wenn die gemeinschaftlich jagenden Individuen gelernt haben, sämtliche der empfohlenen und zumutbaren Schutzmaßnahmen zu überwinden“. Zudem müssten die übrigen Ausnahmenvoraussetzungen erfüllt sein aus der Fauna-Flora-Richtlinie sowie dem Bundesnaturschutzgesetz. „Doch das ist jetzt schon die Gesetzeslage“, sagt dazu Lüneburgs Jägerschaftsvorsitzender Voigt.

Voigt weiter: „Langsam bekommen die Politiker auch im Wahlkampf mit, dass sich der Wolf anders verhält, als es in den Lehrbüchern steht.“ Angesichts der schnell steigenden Wolfsbestände „kommen wir gar nicht umhin, dass wir irgendwann anfangen müssen, die Wolfsbestände zu regulieren“. Doch Voigt betont: „Wir wollen auch als Jägerschaft nicht den Eindruck erwecken, den Wolf vernichten oder aus Jagdfreude nachstellen zu wollen. Aber wenn es von politischer Seite einen vernünftigen Plan gäbe, wie es in Schweden der Fall ist, wären die Jäger bestimmt bereit, ihren Beitrag zu leisten.“ Dazu wären kontrollierte Abschüsse von Wölfen notwendig, die wiederholt Nutztiere gerissen haben, auch zum Schutz von Anwohnern. Denn: „Kein Tier, das an der Spitze der Nahrungskette steht und keine natürlichen Feinde hat, hat Scheu vor dem Menschen.“

Unterdessen hat die Niedersächsische Landesregierung angekündigt, in Kürze ein neues Wolfskonzept vorstellen zu wollen. Neben den geplanten fachlichen Maßnahmen soll dort auch Erwähnung finden, welche Belastungen mit dem Wolf verbunden sind – und welche Möglichkeiten, Mittel und Rechtsgrundlagen vorhanden sind, um effektiv handeln zu können, heißt es.

Von Dennis Thomas

2 Kommentare

  1. tja, wenn man eier hätte, müßten man(n) nicht vor dem wolf den schwanz einziehen. schmunzeln.

  2. Hendrik Müller

    Hallo Herr Thomas,

    zu Ihrer Formulierung in Absatz drei: „Dennoch sah sich Umweltminister Stefan Wenzel kürzlich gemüßigt, …“

    Das Verb „müßigen“ (Partizip Perfekt: „gemüßigt“) gibt es nicht.

    Sie dachten vermutlich an das ebenfalls schwache Verb „bemüßigen“ (= sich einer Sache – eigentlich unnötigerweise – bedienen), das hauptsächlich nur noch in Ihrer Wendung vorkommt: „sich bemüßigt sehen/fühlen/finden“ (gehoben, oft ironisch: sich veranlasst, genötigt fühlen, etwas [eigentlich Überflüssiges, Unnötiges] zu tun: „Ich fühlte mich bemüßigt, eine Rede zu halten“).

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