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Frieda Giest (v.l.), Julie Jentzen, Finnja Bronold und Meret Exner haben es mit ihren Ideen für den Blauen Engel in die nächste Runde geschafft. Foto: lz/phs

Studenten wollen Bekanntheit des Blauen Engels fördern

Lüneburg. Das älteste Umweltzeichen der Welt feiert nächstes Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Der Blaue Engel prangt seit 1978 auf Produkten und Dienstleistungen, die als besonders umweltschonend gelten. Doch junge Menschen wissen meist nichts mehr mit diesem Siegel anzufangen, das zeigt eine Untersuchung des Instituts für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt.

Um die Bekanntheit bei den unter 30-Jährigen zu steigern, hat das Umweltbundesamt ein Projekt ausgeschrieben: 182 Studenten der Leuphana haben im vergangenen Semester in Arbeitsgruppen Kampagnen entwickelt. Die besten Strategien hat jetzt eine Jury ausgezeichnet, eine von ihnen soll 2018 anlässlich des Geburtstags des Blauen Engels national umgesetzt werden.

Ein Ideenwettbewerb in zwei Phasen

Insgesamt 34 Exposés haben die angehenden Umweltwissenschaftler bei ihren Professoren eingereicht, dabei durften erstmals Studenten im Pflichtmodul Nachhaltigkeitskommunikation mit einem realen Auftraggeber zusammenarbeiten. Prof. Dr. Daniel Fischer sieht darin einen großen Gewinn. „Sie arbeiten nicht für die Ablage, können sich mit einem echten Problem beschäftigen. Und dem Umweltbundesamt stirbt nun mal eine Zielgruppe quasi weg.“

Das Projekt ist als Ideenwettbewerb in zwei Phasen angelegt: Eine Auswahl der Maßnahmen, die in Lüneburg entwickelt wurden, soll nun an den Studiengang Gestaltung und Kommunikation in Mainz weitergegeben werden. Fischer: „Die Studenten sollen sich von den Ideen inspirieren lassen, sie in eine gestalterische Form bringen.“ Und eine Strategie soll 2018 dann auch tatsächlich getestet werden.

Studenten holen sich Prominente ins Boot

Die Leuphana-Studenten haben sich mächtig ins Zeug gelegt, monatelang an ihren Kampagnen gefeilt. Die Ideen sind vielfältig: So sollen Kinder als Maskottchen einen blauen Engel und einen roten Teufel an die Seite bekommen. Auch gab es Überlegungen, sie durch Comics in Schulbüchern über das Umweltzeichen aufzuklären.

Auf Platz 1 hat es die Idee von Finnja Bronold und ihren Kommilitonen geschafft. Sie haben gleich zwei Maßnahmen ausgearbeitet und möchten damit insbesondere die Idee der Umweltbotschafter „renovieren“. So gibt es bereits Prominente wie Sängerin Frida Gold, Reporter Willi Weitzel oder die zweifache Olympiasiegerin Katarina Witt, die für den Blauen Engel werben. Die 20-jährige Studentin glaubt, dass die bisherigen Botschafter nicht unbedingt bekannt unter den Jugendlichen sind. „Aus unserer Sicht wäre es gut, jüngere Leute dafür zu gewinnen.“

Verbreitung über Social Media

Auch möchte Bronold vier Videos mit bekannten Persönlichkeiten drehen und sie über die sozialen Netzwerke verbreiten. Für einen Aufschlag würde sie gern LeFloid, ein unter Jugendlichen bekannter Video-Blogger, gewinnen. „Für die Verbreitung könnte man deren Kanäle nutzen und so natürlich viele Leute erreichen.“ Denn besonders aktiv ist der Blaue Engel im Netz nicht. Bei YouTube hat der Kanal fünf Abonnenten, Videos haben weniger als 300 Klicks.

Deshalb wollen auch Meret Exner (20), Frieda Giest (22) und Julie Jentzen (20) genau diese Formate füllen. Ihre Aufgabe war es, sich mit 14- bis 17-Jährigen im außerschulischen Bereich auseinanderzusetzen. Gern würde das Trio Jella Haase für ihre Idee gewinnen, die 24-Jährige ist durch ihre Rolle in „Fack Ju Göhte“ bekannt geworden. Sie soll sich selbst filmen und eine Art Video-Tagebuch führen. Meret Exner: „Wir wollen die Überforderung aufgreifen, die sich häufig bei jungen Menschen einstellt, wenn sie mit Umweltproblematiken konfrontiert werden.“

Von Anna Paarmann

Orientierungsmarke: Auf Lampen und Toilettenpapier

Mehr als 12 000 umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen von insgesamt rund 1500 Unternehmen sind mit dem Blauen Engel ausgezeichnet. Er gilt in Deutschland als zentrale Orientierungsmarke.

Bekannt ist das Symbol beispielsweise auf Drucker- oder Toilettenpapier, es ist aber auch auf Lampen, Mobiltelefonen, Matratzen, Waschmitteln, Staubsaugern, Lacken, Tapeten, Gartengeräten und vielem mehr zu finden. Um mit dem Blauen Engel gekennzeichnet zu werden, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden.

Diese überprüft das Umweltbundesamt alle drei bis vier Jahre.