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Die Reste des Imbissgebäudes stehen seit drei Jahren. Kein schönes Entrée zur Innenstadt. Foto: t&w

Fronten an der Ruine bleiben verhärtet

Lüneburg. Die Eskalation an den Trümmern ist vorerst vertagt, die Stadt hat ihrer Ankündigung keine Taten folgen lassen. Sie hatte gedroht, die Imbiss-Ruine am Handwerkerplatz auf Kosten der Mieterin räumen zu lassen, wenn jene Mieterin der Fläche nicht einlenke und klar Schiff mache. Das gesetzte Ultimatum ist längst um, passiert ist nichts. Nun sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck für die Stadt plötzlich: „Wir warten den Ausgang des Rechtsstreites ab, so lange unternehmen wir nichts.“

Brandstifter gefasst und verurteilt

Hintergrund ist ein Streit zwischen der Stadt und Hatice Coskun, die dort den Imbiss an der Ecke Rote Straße/Lindenstraße zunächst selbst betrieben und später vermiete hatte. Im August 2014 zerstörte ein Feuer das Gebäude, der Brandstifter wurde später gefasst und verurteilt. Wie es dort, wo nun nur noch Überreste stehen, weitergeht, ist seither ein Streitpunkt zwischen Verwaltung und Mieterin. Die Stadt möchte das Areal einladender gestalten, um es als Eingang zur Innenstadt aufzuwerten.

Eine Dönerbude passt da nicht. Doch es gibt einen laufenden Mietvertrag, aus dem Hatice Coskun nicht so einfach aussteigen möchte. Ihren Antrag für den Wiederaufbau hat die Verwaltung abgelehnt. Diese Ablehnung wird nun ebenso wie die Beseitigungsverfügung der Stadt für die Ruine das Verwaltungsgericht beschäftigen, ein Termin steht allerdings noch nicht fest.

Die Sache ist verfahren

Es geht bei dem Streit auch um Geld. Um Mietzahlungen, die eingestellt wurden, um Einnahmeausfälle, weil der Imbiss-Betrieb ruht. Geht es womöglich auch um eine Abfindung? Rechtsanwalt Jens-Uwe Thümer, der Hatice Coskun vertritt, sagt: „Mit ein paar Tausend Euro von der Stadt wäre meiner Mandantin nicht geholfen, wenn die Versicherung bei einem Wiederaufbau in gleicher Größe sechsstellig zahlt.“

Was ihn wundert: In Gesprächen habe die Stadt mal angedeutet, dass sie ein Ersatzobjekt anbieten könnte. Für seine Mandantin wäre das eine Option gewesen, zum Beispiel hätte sie gern den Pavillon am Schrangenplatz übernehmen wollen. Doch die Stadt hat diese Option aus der Hand gegeben und jüngst erst den Pachtvertrag dafür mit der Wirtefamilie Dovas um fünf Jahre verlängert.

Die Sache ist verfahren. Suzanne Moenck sagt: „Wir haben alles versucht.“ Thümer entgegnet: „Das Gericht hatte ein Mediationsverfahren angeregt, aber die Stadt hat das abgelehnt.“ Nun werden also die Richter entscheiden, was aus den Trümmern wird. ahe

14 Kommentare

  1. Das Gebaren der Stadt im Bezug auf gastwirtschaftliche Nutzungen in der City (siehe auch Würstchenbudenstreit) ist ungeheuerlich und führt im Ergebnis nur zu Chaos. Das übrigens auch sichtbar ist anhand der Ruine und für mich als Lüneburgerin beschämend.
    Wie kann man auf die Idee kommen, seine mietvertraglichen Pflichten einfach nicht mehr zu bedienen und der Mieterin damit die Existenzgrundlage zu entziehen, statt schnell und unbürokratisch zu helfen?
    Wäre die Hütte nicht abgebrannt, hätte sie doch auch dort gestanden und gelaufen bis der Mietvertrag beendet wäre. Hier wird wieder nur der stadteigene Profit gesehen und eine „günstige“ Gelegenheit genutzt, weil ein anderer Nutzer bei anderer Verwendung mehr zahlen müsste.

    • Wollen Sie andeuten, irgendwelche Strategen aus der Verwaltungsspitze hätten hier einen warmen Abriss organisiert, um nach dem aufwertenden Umbau zum trimodalen Sparkassenare(n)al Lüneburger Rand höheren Mietzins über Michael Zeinert, Peter Luths und Eberhard Manzke zu generieren?

      Das sind aber rabenschwarze Gedanken. Pfui!

  2. Vielleicht wäre ja ein Tausch möglich? Herr Zeinert und sein Mitmach-Team von der IHK könnten doch, ihrer gerade rapide schwindenden Bedeutung entsprechend, das Areal schräg gegenüber der Handwerkskammer für ihre zunehmend bescheideneren Aufgaben renovieren, um die exponierte Ecke Rote Straße/Lindenstraße „als Eingang zur Innenstadt (im Sinne Ulrich Mädges) aufzuwerten“, während Hatice Coskun ihren Imbiss-Betrieb Am Sande 1 wieder aufmacht, in einem Gebäude also, welches direkt neben MacDonald’s den auftrumpfenden repräsentativen Bedürfnissen einer Branche Ausdruck verleiht, deren Angehörige unter den Zwangsmitgliedern im Kammerbezirk Lüneburg-Wolfsburg (Braunschweig kümmert bekanntlich im selbstverschuldeten Abseits vor sich hin) längst die absolute und stetig weiter anwachsende Majorität ausmachen.

    • Klasse Vorschlag! Das obere Stockwerk des runderneuerten Pavillons am Handwerkerplatz könnte dann vielleicht die Lüneburger Dependance der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU unter Peter Luths abgeben. Das würde die Kommunikationswege zwischen den A39-Visionären erheblich verkürzen. Und wo die Herren mittags oder abends gemeinsam zum Döner-Essen hingehen, dürfte ebenfalls feststehen.

  3. Bei vernünftiger Unterkellerung des schmucken Ensembles, springt vielleicht noch ein mehrstöckiger Tiefgaragen-Betrieb für die Firma Manzke mit raus.

  4. Stimmt, sehr gute Kommentare! Karlheinz Fahrenwaldt, was sagt der Meister satirischer Themenplakate zum Beschlusskomplex sozialer Imbissbau am wunderschönen Handwerkerplatz unweit des Waldwohnparks am Wasserturm?

  5. Die Imbiss-Ruine am Tor zum Sande hat (im Verein mit dem niederdrückenden Monumentalmassiv des echt deutschtümelnden Protzpalastes am Bockelsberg und dem nächsten heraufziehenden Finanzierungsdesaster an der Lüner Rennbahn) bereits mehr zur „Imagebildung“ Lüneburgs beigetragen als der rote Zweireiher von Karlheinz Fahrenwaldt oder die schief hängende Schwarzweißfotografie über dem Sofa von Fronke Gerken.

    • Sie meinen zum Negativimage unserer Stadt.

      Wohl wahr.

      Allerdings finde ich es unfair, das Sakko des Kreistagsdeputierten Fahrenwaldt in diese Parade großer, rufschädigender städtischer Skandale mit aufzunehmen.

  6. Die naturbelassene Imbiss-Ruine am Tor zum Sande könnte ich mir auch sehr gut als Gegenstück zum Lauenburger Künstlerhaus vorstellen, in welchem künftige Stipendiaten-Generationen mit internationalem Touch unseren Oberbürgermeister Mädge sicher zu kennerschaftlichen Urteilen wie dem folgenden anregen: „Hier an der Ecke Rote Straße/Lindenstraße ist immer alles im Verkehrsfluss. Kunst soll ja auch immer ein bißchen polarisieren. Ich rate zum Gang in den Tiefgaragenkeller unterhalb unseres neuen Künstlerhauses. Die steile Treppe aus der Galerie hinab, große Besucher müssen den Kopf einziehen, wartet eine schaurige Art moderner Kunst. Daniil Galkin hat in einem Bodenloch unter einer Glasplatte tote Ratten drapiert. Ergänzt hat der Künstler das Projekt der an den Schwänzen verknoteten Ratten um eine Videoarbeit. Auch die Krähenfüße, die im Erdgeschoss gezeigt werden und etwa an einem Zirkel hängen, sind eher speziell.“

    Vgl.: https://www.landeszeitung.de/blog/kultur-lokales/776972-tote-ratten-im-kuenstlerhaus

  7. Tolle Kommentare. Ich halte mir immer noch den Bauch vor Lachen….

  8. Die lustigste Ecke Lüneburgs zur Zeit 😉

  9. Die Imbissgechichte ist genauso absurd wie die Wurstbräterstory.

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