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Noch im Ungleichgewicht: In der mittleren Führungsebene bei der Stadt dominieren Männer. Foto: lz/ck

Lüneburg auf dem Weg zur Gleichstellung

Lüneburg. Rein quantitativ haben Frauen in der Lüneburger Stadtverwaltung die Nase vorne. Rund 60 Prozent der 1223 Beschäftigten sind weiblich. Das geht aus dem Gleichstellungsplan hervor, den die Verwaltung unter Beteiligung der Gleichstellungsbeauftragten Christine Ullmann erstellt hat. Doch in der mittleren Führungsebene sind sie erheblich unterrepräsentiert, wohingegen Männer im Ausbildungsbereich in der Unterzahl sind. Auf Basis des Plans und mittels des Personalentwicklungskonzepts der Stadt soll die Gleichstellung in beiden Bereichen befördert werden.

Öffentliche Verwaltungen müssen Gleichstellungspläne erstellen

Seit Inkrafttreten des Niedersächsischen Gleichstellungsgesetzes (NGG) im Jahr 2011 müssen öffentliche Verwaltungen Gleichstellungspläne erstellen. Analysiert wird die Beschäftigtenstruktur. Ziel ist es, mögliche „Unterrepräsentanzen“ von Frauen oder Männern in bestimmten Vergütungs- oder Besoldungsgruppen abzubauen und die Vereinbarkeit von Beuf und Familie zu verbessern. Stefanie Gödecke, Bereichsleiterin Personalservice in Lüneburg, erläuterte im Gleichstellungsausschuss Eckpfleiler des Plans, der bis 2020 gilt.

Von einer Unterrepräsentanz spreche man, wenn der Frauen- oder Männeranteil weniger als 45 Prozent beträgt. Im Ausbildungsbereich gilt das für die Männer. Bei den Verwaltungs­fachangestellten sind sie mit einem Drittel vertreten, Frauen mit zwei Dritteln, 80 Prozent der Stadtinspektoranwärter sind weiblich. „Auch bei den Einstiegsbesoldungsgruppen gibt es mehr Frauen als Männer.“ Berufsspezifische Unterrepräsentanzen von Männern gibt es zudem bei Erziehern, Sozialarbeitern und bei Reinigungskräften. Hingegen sind Straßenreiniger, Hausmeister oder Handwerker fast ausschließlich Männer.

Wenig Frauen in mittlerer Führungsebene

An der Verwaltungsspitze arbeiten drei Dezernentinnen, ein Dezernent und der Oberbürgermeister – macht ein Verhältnis von 60 zu 40 Prozent zugunsten der Frauen. „Deutlich unterrepräsentiert sind Frauen allerdings in der mittleren Führungsebene. Sie besetzen nur 33,3 Prozent der sechs Fachbereichsleiterstellen, bei den 27 Stellen Bereichsleiter sind es nur 18,5 Prozent“, erläuterte Stefanie Gödecke.

Mit Blick auf den Gleichstellungsplan von 2011 sei aber schon eine positive Veränderung eingetreten, und da der Nachwuchs überwiegend weiblich sei und viele bei der Stadt bleiben würden, „ist davon auszugehen, dass verstärkt Frauen in Führungspositionen kommen.“ Schwieriger sei es hingegen, junge Männer in die Ausbildung zu bekommen – allein schon, weil das Interesse an einem Job in der Verwaltung bei Frauen größer sei. Im Zeichen der Gleichstellung gelte es verstärkt, bei Auswahlverfahren auf Männer zu achten, sprich: bei gleicher Eignung geht die Stelle an das „unterrepräsentierte Geschlecht“.

Flexible Arbeitszeiten, individuelle Arbeitszeitmodelle und Telearbeit

Gleichstellung sei der Stadt wichtig, unterstrich Gödecke, auch weil sie „zur Sicherung des Personalbestands unverzichtbar ist“. Bei Ausschreibungen werde darauf hingewiesen, dass jede Stelle grundsätzlich teilzeitgeeignet sei. Die Stadt biete zudem ein umfassendes Fortbildungsprogramm für alle Mitarbeiter, auch für beurlaubte Beschäftigte. Zudem gebe es ein flexibles und familienkompatibles Konzept für Führungskräfte und solche, die auf dem Weg dorthin sind.

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, setzt die Stadt auf flexible Arbeitszeiten, individuelle Arbeitszeitmodelle und Telearbeit. Um speziell den Beruf des Erziehers – dort gibt es einen großen Fachkräftebedarf – Frauen wie Männern gleichermaßen schmackhaft zu machen, setzt die Stadt auf ein neues Modell. Dabei handelt es sich um eine duale Ausbildung, die im zweiten Teil ermöglicht, in Teilzeit zu arbeiten.

Von Antje Schäfer

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