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Ein Fahrrad steht auf dem taktilen Leitsystem und behindert Sascha Paul bei seinem Gang mit dem Langstock. Foto: lz/be

Wo am Bahnhof die Stolperfallen lauern

Lüneburg. Taktile Leitsysteme bieten Blinden und Menschen mit Sehbehinderung Orientierung und Führung. „Der Leitstreifen entlang des Bahnhofsgebäudes ist aber v erdreckt. Dadurch ist er wenig kontrastreich, was wichtig für uns Sehbehinderte ist“, sagt Constanze Paul. Zur Stolperfalle für ihren Mann Sascha, der erblindet ist, wird es, dass auf dem Streifen ein Fahrrad mit einem Reifen parkt.

Blinden- und Sehrbehundertenverein weist auf Mängel hin

Sascha Paul, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenverbands Niedersachsen, Regionalverein Nord-Ost, Vertreter der Lüneburger Gruppe und Jörg Kohlstedt, Vorsitzender des Behindertenbeirats, trafen sich jetzt anlässlich der Woche des Sehens am Bahnhof, um auf Gefahren und Mängel hinzuweisen.

Zweiter Kritikpunkt: Sozusagen im Niemandsland endet der Leitstreifen, der sich zwischen Bahnhofsgebäude und Zentralem Omnibus-Bahnhof (ZOB) befindet. Abrupt hört er auf, führt nicht weiter zum Leitsystem am Bahnsteig 1 und am Fahrstuhl. Die Pfeiler am Bahnsteig sind für Sehbehinderte schwer erkennbar, sie müssten farblich markiert werden – am besten in Signalfarben. Reflektierende Streifen, die auch tastbar sind, müssten an der Glastür zum WC angebracht werden, „sonst denkt man, es ist eine Telefonzelle“, sagt Erna Heinbockel.

Beim Geländer entlang der Treppe, die zur Unterführung zu den anderen Bahnsteigen führt, fehle oben unter dem Lauf eine Brailleschrift beziehungsweise erhabene Profilschrift mit Informationen – ein weiterer Kritikpunkt. Unten ist sie an beiden Geländern angebracht mit der Information: links Ausgang, rechts Gleis 1. Allerdings ist sie beim rechten Geländer verkehrt geklebt, so dass Blinde sozusagen die Hand verenken müssen.

Kritik zeigt erste Wirkung

In der Bahnhofshalle „fehlen Leitstreifen“, bemängelt Sascha Paul. Auch hier lauern Stolperfallen. Die Ankunfts- und Abfahrtpläne stehen auf Trägern. Paul fährt mit dem Langstock darunter und knallt auch schon gegen die Tafeln. „Die müssten Querriegel höchsten 15 Zentimeter über dem Boden haben, damit der Stock rechtzeitig abbremst“, erläutert er. Gleiches gelte für die Bänke. Vor der gläsernen Bahnhofstür fehle zudem ein taktiles Sytem, das über die Treppe leite und über den Bahnhofsvorplatz zum Westbahnhof führt. Die Brailleschrift am Handlauf der Treppe informiert zwar, „dass es links zu den Bussen und Taxis geht, nicht aber, dass gegenüber der Westbahnhof ist“.

Kohlstedt nahm die Kritikpunkte auf, will sich nun mit Bahn und Stadt in Verbindung setzen, damit Mängel behoben werden. Auf LZ-Anfrage sagt Stadtpressesprecher Daniel Gritz, dass es verschiedene Zuständigkeiten gebe. Alles, was das Bahnhofsgebäude, die Bahngleise und die Treppe betreffe, sei Aufgabe der Bahn. Vom ZOB bis zum Hauptgebäude sei die Stadt zuständig, die dort auch die taktilen Elemente verlegt habe. „Die werden wir nun von der AGL reinigen lassen.“ Außerdem will die Stadt taktile Leitstreifen von der Treppe des Hauptgebäudes über den Bahnhofsvorplatz erstmal bis zur Busspur vor dem Westbahnhof verlegen, 20 000 Euro stehen dafür im Etat. Eine Fortführung ist geplant, wenn die Bahn den Bahnsteig am Westbahnhof umgebaut hat.

Als problematisch für Sehbehinderte und Rollstuhlfahrer erweisen sich immer wieder die wild geparkten Räder auf dem Bahnhofsvorplatz. Die Stadt startet nun einen Versuch, um für Menschen mit Behinderung mehr Raum zum Durchgehen zu schaffen. Fürs Erste sollen zwei Bäume mit Bänken umgeben werden, damit dort keine Räder mehr abgestellt werden können. Sollte sich das als erfolgreich erweisen, könnte das Projekt ausgeweitet werden. as

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