Aktuell
Home | Lokales | Über die Geschichte stolpern
Sie erinnern an Menschen, die in der NS-Zeit in Lüneburg verfolgt, vertrieben und deportiert wurden: Käte Gudemann (l.) und Maren Hansen haben das Stolperstein-Heft mit anderen erarbeitet. Foto: lz/ca

Über die Geschichte stolpern

Lüneburg. Das Erinnern ist lange Zeit nicht so leicht gefallen. Dass die Nationalsozialisten mit der Welt einen Krieg begonnen hatten, dass sie im eigenen Land Menschen wegen ihres Glaubens verfolgten und ermordeten und dass daran auch die eigenen Väter und Großväter, Mütter und Großmütter beteiligt waren, wurde auch in Lüneburg von vielen verdrängt. Doch dann, in den Achtzigern, gab es Initiativen wie die Geschichtswerkstatt, die eben fragten, wie es sein konnte, dass ehemalige NS-Funktionäre wieder im Stadtrat saßen, und die sich mit Tätern und Opfern beschäftigten.

Die Geschichtswerkstatt und andere setzten Kontra- und Erinnerungspunkte. Ein sichtbares Zeichen sind 51 Stolpersteine, die in Lüneburg an das Schicksal von Menschen erinnern, die in Lüneburg zwischen 1933 und 1945 vertrieben, verfolgt oder gar ermordet wurden. Es waren noch mehr Opfer, es sollen noch weitere Stolpersteine verlegt werden. Die Geschichtswerkstatt hat nun ein kleines Buch veröffentlicht, das den Lebenslauf vor allem jüdischer Familien nachzeichnet.

Maren Hansen, Käte Gudemann und Karl Hellmann haben am Heft mitgearbeitet, Evelyn Kuttig hat das Layout erledigt. Wer will, kann damit einen Stadtrundgang beginnen, der zeigt, wie Bürger zu Unpersonen wurden, die einst ganz normale Nachbarn waren, mit denen man im Sportverein und bei der Feuerwehr war, bei denen man einkaufte oder mit ihnen Geschäfte machte, mit denen man feierte und sicher auch mal im Streit lag.

Der Künstler Gunter Demnig begann 1992 mit dem Projekt der Messing-Beton-Quadrate, die ins Pflaster eingelegt und mit Namen und Schicksal eines Menschen beschriftet werden. Kleine Denkmale, über die man im Alltag eben stolpert. Rund 61 000 Stolpersteine hat Demnig in mehr als 20 Ländern verlegt. Lokale Interessenten fragen an, gegen einen Kostenbeitrag von 120 Euro setzt er dann die Steine.

Für Maren Hansen und Käte Gudemann ist das nur ein Teil ihres Projekts. Die Geschichtswerkstatt mit ihrem halben Dutzend Aktiven bietet regelmäßig Stadtrundgänge an, die den Blick weg von der Lüneburger Backstein-Schönheit auf sehr dunkle Jahre der Geschichte lenken. Im Büro im Gewerkschaftshaus an der Heiligengeiststraße 28 steht eine Bücherei mit mehr als 1300 Bänden zur Verfügung. „Da geht es eben auch um die lokale Geschichte“, sagt Maren Hansen. „Schüler können sich hier beispielsweise für Referate informieren.“ Dazu gibt es regelmäßig Treffen, zu denen Besucher willkommen sind. Mittwochs ist von 15.30 bis 18 Uhr geöffnet, freitags von 10 bis 12 Uhr. Zu erreichen sind sie unter (04131) 401936.

Das Heft, das in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen ist, ist unter anderem im Buchhandel und in der Touristen-Information im Rathaus zum Preis von sechs Euro erhältlich. ca