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Die Bahn will nach den Schäden des Sturmtiefs Xavier zuerst selbst Trassenvarianten im Kreis Lüneburg ausloten. Mit den lokalen Akteuren sind Einzelgespräche vorgesehen. Foto: lz/t&w

Nach dem Orkan: Bahn verschiebt runden Tisch

Lüneburg. Drängende Fragen zum geplanten Neu- und Ausbau des Schienennetzes in der Region Lüneburg bleiben weiter ungeklärt: Der zweite Runde Tisch wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Ursprünglich war die Diskussionsrunde für Kommunen, Verbände und Bürgerinitiativen von der Bahn für den Oktober angekündigt worden. Auch bei der Hansestadt Lüneburg hieß es auf LZ-Nachfrage: „Wir warten darauf, dass die Bahn die Einladungen verschickt.“ Darauf können sie lange warten. Gegenüber der LZ sagte jetzt der Bahnsprecher für Großprojekte: „Wir werden in diesem Jahr voraussichtlich keinen Termin mehr machen.“

Welche Lösungsansätze sind möglich?

„Die haben uns gesagt, kommt wieder, wenn ihr Striche auf dem Papier habt“, sagte der Bahnvertreter gegenüber der LZ, der namentlich nicht genannt werden möchte, um den Eindruck zu vermeiden, dass die Bahn mit mehreren Stimmen spreche. „Wir müssen noch Grundsatzarbeit leisten, was wir verkehrlich erreichen wollen, und darüber nachdenken, mit welchen Lösungsansätzen das möglich ist.“

Die Grafik zeigt die Strecken des Ausbauprojektes Hamburg/Bremen-Hannover, mit dem die Deutsche Bahn das Schienennetz im Norden zukunftsfähig machen will. Es geht um eine bessere Anbindung der norddeutschen Seehäfen ans Hinterland.

Keine Fortschritte erkennbar

Auch über ein halbes Jahr nach dem ersten Runden Tisch in Deutsch Evern sagt der Bahnsprecher nun: „Da sind wir noch nicht so richtig weit, wie es von den Kommunen erwartet wird.“ Ansonsten bliebe es dabei: „Wir werden in unseren Planungen die Forderungen aus der Region spiegeln. Das muss dann aber später auch im politischen Prozess durchgesetzt werden.“

Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer zeigt Verständnis: „Um überhaupt eine zielführende Diskussion am Runden Tisch Alpha E führen zu können, benötigen wir eine Diskussionsgrundlage. Diese schafft die Deutsche Bahn, indem sie konkrete Planungen erarbeitet und diese den Akteuren vorlegt. Diese Planungen warten wir nun ab. Denn erst auf dieser Grundlage können wir als Beteiligte auch konkrete Forderungen stellen.“ Peter Rowohlt, Bürgermeister der Samtgemeinde Ilmenau, sagt: „Ich bin gespannt, dann sollen sie mal kommen.“

Aber: „Das stellt die bisherigen Planungen für den zweiten Workshop völlig auf den Kopf.“ Denn eigentlich sollte es in der zweiten Runde, so war es im Frühjahr angekündigt, auch um das Selbtverständnis des Runden Tisches gehen, was er leisten kann und soll. Gellersens Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers sieht die Entwicklung „sehr, sehr kritisch“. Denn: „Ohne den gemeinsamen Austausch in großer Runde wird ein Schulterschluss in der Region erschwert. Das sieht mir eher nach dem Prinzip aus: Teile und herrsche.“

Von Dennis Thomas

Hintergrund: Ausbau der Bestandsstrecke mit möglichen Ortsumfahrungen

Zum ersten Runden Tisch in der Region hatten die Vertreter von der DB Netz AG im März nach Deutsch Evern eingeladen. Rund 40 Vetreter von Kommunen, Verbänden und Bürgerinitiativen hatten unter Ausschluss der Öffentlichkeit daran teilgenommen. Konkrete Vorstellungen, wie der Ausbau des Schienennetzes aussehen soll, wurden nicht präsentiert.

Im Raum steht der Ausbau nach der Variante Alpha-E, zu der auch der Bau eines dritten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen gehören würde. Nicht nur zum Unmut vieler Deutsch Everner, die bereits unter den Auswirkungen der Bestandsstrecke leiden. Seit dem Beschluss über den Bundesverkehrswegeplan 2030 durch den Bundestag ist aber auch die Tür offen für alternative Ortsumfahrungen von Lüneburg, Deutsch Evern und Bad Bevensen.

Der Ausbau der Bestandsstrecke hängt zudem eng mit Forderungen nach einem erhöhten Lärmschutz zusammen. Stadt und Kreis Lüneburg hatten zudem wiederholt gefordert, den Untersuchungsraum zu vergrößern und ein Raumordnungsverfahren durchzuführen.