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Auf diesem Acker bei Holzen sind die Zuckerrüben geerntet, andere Felder sind wegen Nässe unbefahrbar. Foto: lz/phs

Die nächste Ernte-Krise

Reinstorf. Als Mitarbeiter beim Lüneburger Maschinenring kennt sich Marko Niederhoff mit schwierigen Ernten aus. „Doch das, was in diesem Jahr auf den Feldern l os ist, habe ich so noch nie erlebt“, sagt er. Erst brachte das Wetter die Bauern bei der Getreideernte an den Rand der Verzweiflung, nun vermiest der Niederschlag ihnen die Zuckerrüben- und Kartoffelernte. Wegen des vielen Regens ist es einfach zu nass, viele Bauern bekommen ihre Feldfrüchte kaum aus dem Boden. „Noch ist ungewiss, ob wir überhaupt alle Rüben ernten können“, berichtet Niederhoff. Nicht weniger dramatisch ist es bei den Kartoffeln. Und auch beim Mais wird die Ernte in diesem Jahr zur Herausforderung.

Das Problem: Viele Felder sind nach dem anhaltenden Niederschlag der vergangenen Wochen so aufgeweicht, „dass wir sie mit den Erntemaschinen gar nicht befahren können“, sagt Niederhoff. „Wo wir ernten können, gibt es Probleme mit der Qualität.“ Knapp sei es in dieser Woche noch gelungen, die von der Zuckerfabrik in Uelzen geforderte Rübenmenge zu liefern. „Ob uns das in der nächsten Woche noch gelingt, darüber entscheidet das Wetter.“ Insgesamt sollen bis Mitte Januar aus dem Kreisgebiet 254 000 Tonnen Zuckerrüben nach Uelzen geliefert werden. „Geschafft haben wir seit Mitte September keine 50 000 Tonnen“, sagt Niederhoff, der die gesamte Rübenernte in der Region koordiniert.

Die Zuckerfabrik hat auf die Situation bereits reagiert und die sogenannte Schmutzfrachtgrenze für Rüben in dieser Woche ausgesetzt. „Normalerweise darf nicht mehr als 15 Prozent Erde an den Rüben haften“, erklärt Niederhoff, „das ist wegen der nassen Böden derzeit aber nicht einzuhalten.“ Denkbar sei auch, dass die Kampagnen- und damit die Erntezeit verlängert wird. „Eigentlich soll Mitte Januar Schluss sein. Fragt sich allerdings, was ist, wenn dann noch immer Rüben in der Erde sind.“ Wie ernst es am Ende tatsächlich wird, „das hängt nun alles am Wetter“, sagt Niederhoff.

Angesagt zumindest ist besseres Wetter. Eine Hoffnung auch für die Kartoffelbauern in der Region. Sie kämpfen derzeit nicht nur mit der Unbefahrbarkeit der Felder, sondern auch mit der Sorge um die Lagerfähigkeit der Knollen. „Damit die Kartoffeln im Lager nicht faulen, müssen sie eigentlich innerhalb von 24 Stunden nach der Ernte trocken sein“, sagt Eckhard Eilmann von der Südergellerser Firma Lünekartoffel. „Doch das ist unter den aktuellen Bedingungen kaum zu schaffen.“ Hinzu kommt, dass ein Großteil der Verarbeitungs- und Stärkekartoffeln noch in der Erde stecken. „Und auch da drohen sie zu verfaulen.“

Während die Zuckerrüben noch leben, ist das Kartoffelkraut bereits abgestorben. „Das heißt, die Kartoffeln nehmen im Gegensatz zur Zuckerrübe kein Wasser mehr auf, damit trocknen die Felder langsamer ab, die Kartoffeln drohen in der Erde schneller zu verfaulen.“ Was es bräuchte, um zu retten, was noch zu retten ist, wäre eine sonnige und trockene Phase. „Und zwar eine, die deutlich länger dauert, als nur eine Woche“, sagt Eckhard Eilmann. Wie hoch die Einbußen ausfallen werden, „das lässt sich derzeit noch nicht einmal schätzen“. Alles sei abhängig vom Wetter in den kommenden Wochen.

Anna Sprockhoff