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Für Hauseigentümer in der Stadt Lüneburg ist der direkte Anschluss ans Glasfasernetz eher die Ausnahme. Foto: lz/dth

Die Breitbandverlierer

Lüneburg/Bardowick. Dirk Sure kann es nicht fassen: „Überall um uns herum sollen Glasfaserleitungen bis zu den Häusern verlegt werden. Und nachher sind wir es, die hinterhinken.“ Der LZ-Leser wohnt im Flecken Bardowick und damit im Bereich des Lüneburger Telefonortsnetzes mit der Vorwahl 04131. Dieser Bereich gilt in Sachen schnelle Internetanschlüsse offiziell als von privaten Anbietern versorgt.

Spinnweben und ein bisschen Kupferkabel

Und so konzentrieren sich die kommunalen Breitbandinitiativen auf den Ausbau schneller Internetanschlüsse im ländlichen Raum. Durchweg mit Glasfaserleitungen. So könnte bereits Ende 2018 die Mehrzahl der Dörfer im Kreis über schnellere und zukunftsträchtigere Verbindungen ins weltweite Datennetz verfügen als manch Lüneburger Stadtteil. Zumal sich nun auch für die 04131-Gemeinden Bardowick, Vögelsen und Reppenstedt eine Lösung abzeichnet.

„Soll ich ihnen mal den Hausanschluss der Zukunft zeigen?“, fragt Telekom-Kunde Sure ironisch und öffnet die graue Plastikverschalung an der Ecke seines Bardowicker Siedlerhauses „Sehen Sie? Spinnweben und ein bisschen Kupferkabel.“ Tatsächlich ist in Ausbaugebieten der Telekom oftmals die sogenannte letzte Meile vom Kabelverzweiger an der Straße bis zum Hausanschluss aus Kupfer.

Telekom setzt auf Vectoring-Technik

Das kann ein Nadelöhr für den Breitbandanschluss sein. Gleichwohl betont Telekom-Sprecherin Stefanie Halle: „Die Bandbreite der Bereiche im Ortsnetz 04131 beträgt bis zu 100 MBit/s.“ Ob diese Bandbreite auch im Haushalt ankommt, hängt vom Einzelfall ab. Beim Ausbau setzt der Konzern zunächst oft auf die Vectoring-Technik, die unter anderem Kupferleitungen nutzt.
Doch auch bei der Stadt Lüneburg ist man überzeugt: „Es kann unseres Erachtens nicht sein, dass Kupferstädte und -gemeinden auf dem bisherigen Stand zurückbleiben. Im Glasfaser liegt die Zukunft“, sagt Stadtsprecherin Suzanne Moenck.

Telekom-Sprecherin Halle hält dagegen: „Es ist unmöglich, überall schon heute Glasfaser bis in die Häuser zu verlegen. Dafür gibt es weder die Tiefbaukapazitäten noch finanzielle Mittel.“ Doch selbst wenn die Kommune Mittel und Kapazitäten hätte, dürfte sie nicht. Moenck: „Wir gehen davon aus, dass wir in Lüneburg insgesamt oberhalb der Schallgrenze liegen, die für eine öffentliche Förderung definiert ist.“

Modernes Netz in Bardowick, Reppenstedt und Vögelsen?

Zwar betont Halle, dass sich die Technik ständig weiterentwickle und ausgebaut werde. Doch hat auch Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt wenig Vertrauen, dass es der Markt alleine regelt: „Ich finde, es ist eine staatliche Aufgabe, alle Haushalte mit schnellem Internet über Glasfaser zu versorgen.

Nach aktuellem Recht dürfen wir als Kommune aber nur bei den so genannten weißen Flecken tätig werden.“ Das sei in Amt Neuhaus und im Vorwahlbereich 04131 nicht der Fall. „Dort sind bereits Telekommunikationsunternehmen wirtschaftlich tätig und bieten jetzt oder innerhalb der nächsten drei Jahre eine Versorgung mit der vorgegebenen Download-Rate von mindestens 30 Mbit pro Sekunde an“, sagt Nahrstedt.

Privatinvestor als Alternative? 

Zumindest für Bardowick, Reppenstedt und Vögelsen gibt es wohl eine Alternative. Zu gerne hätten die Samtgemeinden Bardowick und Gellersen jene Kommunen bereits von Anfang an in ihre derzeitige Glasfaser-Offensive eingebunden. Am Donnerstagabend trafen sich die Verwaltungsspitzen aus Bardowick und Gellersen mit IT-Experten in Hamburg, um eine Lösung auszuloten.

Dem Vernehmen nach könnte der Netzbetreiber NGN Telecom, der die kommunale Breitbandoffensive begleitet, in den von der Telekom versorgten Bereich vorstoßen und ein eigenes Glasfasernetz aufbauen. Privatwirtschaftlich ginge das. Ein privater Investor sei in Sicht, hieß es aus dem Teilnehmerkreis.

Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann: „Wir empfehlen unseren Bürgern im Vorwahlbereich 04131, die auch einen direkten Glasfaseranschluss haben möchten, sich bei uns zu melden und vormerken zu lassen.“ Sollte alles glatt laufen, könnte die Vorvermarktung bereits in diesem Jahr anlaufen.

Von Dennis Thomas

2 Kommentare

  1. Wir wohnen in Bardowick, leider wohl zu sehr am Rand, obwohl gegenüber und nebenan Gewerbe ansässig ist. Bisher endet der Bereich des Netzausbaus beim Nachbargrundstück und wir müssen mit tatsächlichen 16 MBit (statt der jeweils angekündigten 50 MBit) zufrieden sein. Mangels Ausbau des Netzes wird ein Anschluss bis zu uns abgelehnt. Peinlich und und bei Hausverkauf schwer zu vermitteln…

  2. Wann geht die Vermarktung denn im Landkreis Lüneburg (Dahlenburg) los, weiß man da schon was? Warte sehnsüchtig auf den Brief der Telekom… 🙂