Dienstag , 18. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Rasti ist ein Überflieger
Rasti Laurin Konkel ist Mitglied im Luftsportverein Lüneburg und bester Nachwuchssegelflieger in Niedersachsen. (Foto: t&w)

Rasti ist ein Überflieger

Lüneburg. Fliegen, so ganz ohne Motor, das hat auf ihn bereits als kleinen Steppke große Faszination ausgeübt. Mit 13 Jahren schließlich erhie lt der Bardowicker Rasti Laurin Konkel die Sonderberechtigung für den Beginn der Ausbildung auf Segelflugzeugen. Zwei Jahre später hält er nun einen Pokal in der Hand. Beim Landesvergleichsfliegen des Landesverbands Niedersachsen der deutschen Aeroclubs belegte er den ersten Platz und sicherte sich damit die Teilnahme am Bundeswettbewerb. Beim Messen der besten 44 jungen Segelflieger aus ganz Deutschland belegte er einen beachtlichen 13. Platz.

„Der Lüneburger Flugplatz ist mein zweites Zuhause. Ich bin fast jedes Wochenende hier“, sagt Rasti. Er sitzt in der Werkstatt des Luftsportvereins Lüneburg (LVL), der den Fluplatz betreibt und wartet. 120 aktive Mitglieder hat der Verein, darunter 30 junge Leute sowie 42 Fördermitglieder. „20 der 14- bis Anfang 20-Jährigen sind zurzeit in der Segelflugausbildung“, berichtet der Vorsitzende Richard Meier. Über den Segelflug rekrutiere der LVL junge Leute, „wir freuen uns, wenn sie bei Wettbewerben erfolgreich sind. Das ist es auch, was uns Ehrenamtliche antreibt“.

Rasti hat das zielgenaue Landen drauf

Die Begeisterung fürs Fliegen liegt bei dem 15-Jährigen in der Familie. Schon als Dreijähriger habe er seinen Vater auf den Flugplatz begleitet, mit acht Jahren leidenschaftlich Modellflugzeuge gebastelt. Mit 13 dann endlich die Sonderberechtigung für Segelflugzeugausbildung, die man eigentlich erst mit 14 beginnen darf. „Das setzt voraus, dass derjenige körperlich und geistig so weit ist. Rasti hat das gepeilt“, sagt Meier trocken. Mit Vollendung des 14. Lebensjahres schloss der Jugendliche den ersten Ausbildungsteil – zu dem Starten, Fliegen, Landen gehören – mit einem Alleinflug ab. Danach hieß es Strecke fliegen. „Dazu gehört Thermikfliegen, Navigieren und Landen auf einem Außengelände wie zum Beispiel einer Wiese oder Acker“, berichtet Rasti. In den Wintermonaten hat er außerdem 60 Stunden Theorieunterricht in Fächern wie Technik, Navigation, Wetterkunde absolviert. Die Prüfung nimmt schließlich die Landesluftfahrtbehörde ab. „Den Flugschein erhält man frühestens mit 16 Jahren und darf dann erst eigenverantwortlich fliegen“, macht Meier deutlich.

Zu dem Landeswettbewerb sei er gefahren, „um Erfahrungen zu sammeln, nicht unbedingt um zu gewinnen“, sagt Rasti und schiebt dabei den Strohhut – sein Markenzeichen und Sonnenschutz beim Fliegen – in den Nacken. Bei der ersten Landung habe er ein bisschen gepatzt, sei zu tief angeflogen. Sein Gefühl: Das kostet Punkte. Kam aber nicht so. „Denn Rasti hat das zielgenaue Landen richtig gut drauf“, lobt Meier den besten Nachwuchssegelflieger Niedersachsens.

Berufswunsch: Vielleicht Jet-Pilot

Mit dem vereinseigenen Segelflugzeug auf dem Anhänger ging‘s dann Ende September nach Oppenheim in der Nähe von Mainz. Die Nacht vor dem Bundeswettkampfstart schlief Rasti schlecht. „Zum einen hatte ich ziemlich Respekt vor meinen Konkurrenten, und dann war da auch so ein Mix aus Ehrgeiz und Leistungsdruck.“ Rasti kassierte mehr Fehlerpunkte, landete auf dem 13. Platz. Selbstkritisch sagt er: „Ich denke, da wäre mehr Potenzial drin gewesen.“

Meier kann ein bisschen die Enttäuschung verstehen, gibt aber zu bedenken, dass Rasti einer der jüngeren Teilnehmer gewesen sei. Und im Übrigen gehe es bei Segelflugsport doch um Freude am Fliegen sowie darum, sich in der Gemeinschaft für den Verein zu engagieren. Dazu gehören Baustunden zur Instandhaltung der Flugzeuge oder Autos, mit denen die Flieger hochgezogen werden, aber auch Arbeiten auf dem von der Stadt gepachteten Gelände. „Handwerklich habe ich hier schon viel gelernt“, meint der Herderschüler. Auf die Frage, ob er seine Fliegerleidenschaft wie andere junge LVL-Mitglieder mal zum Beruf machen will, reagiert er verhalten. „Vielleicht Jet-Pilot bei der Bundeswehr…“ – aber bis zum Abi bleibt ja noch Zeit.

Von Antje Schäfer