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Maibrit Gründel arbeitet derzeit als Lehrerin in Darwin (Australien). Um bei der Landtagwahl ihre Stimme abgeben zu können, mussten die Unterlagen per Express hin und wieder zurückgeschickt werden. (Foto: nh)

Briefwahl im Ausland: Teure Stimmabgabe

Lüneburg. Geflucht haben werden viele Niedersachsen, als der Termin für die vorgezogene Landtagswahl bekannt gegeben wurde. Ausgerechnet auf das letzte Wochenende der Herbstferien hatte die rot-grüne Landesregierung den Wahltermin gelegt – nur drei Wochen nach der Bundestagswahl. Zahlreiche Familien waren zu diesem Zeitpunkt noch im Urlaub, und auch der Druck der Wahlunterlagen und Stimmzettel gestaltete sich für die Verwaltungen schwierig (LZ berichtete).

Eine Herausforderung war die Terminwahl auch für Maibrit Gründel. Die Tochter des ehemaligen Radbrucher Bürgermeisters Achim Gründel (SPD) arbeitet nach dem Studium derzeit für ein Jahr als Lehrerin in Darwin im Norden Australiens. Mehr als 20 Flugstunden von Deutschland entfernt, verfolgt sie das Geschehen in ihrem Heimatland dennoch sehr genau. Deshalb wollte die 27-Jährige auf ihr Wahlrecht auf gar keinen Fall verzichten. Die Briefwahl macht es möglich. Bei der Bundestagswahl im September war die Stimmabgabe auch kein Problem, vier Wochen Zeit reichten. Die Samtgemeinde Bardowick schickte die Unterlagen nach Darwin, von dort war der Wahlbrief rechtzeitig zurück.

120 Euro kostete der Aufwand

Eng wurde es jedoch bei der Landtagswahl – und vor allem teuer. Erst zwei Wochen vor dem Urnengang lagen die gedruckten Stimmzettel bei der Samtgemeinde Bardowick vor. Per Express-Versand schickte die Verwaltung die Unterlagen am Freitag, 29. September, an Maibrit Gründel. Eine Woche später kam die Sendung in Darwin an. Per Express ging der Wahlbrief postwendend zurück – und traf tatsächlich rechtzeitig am Sonnabend, 14. Oktober, wieder bei der Samtgemeinde Bardowick ein. Besonders danken möchte Vater Achim Gründel der Verwaltungsangestellten Larissa Cohrs im Bardowicker Rathaus. „Sie hat die ungewöhnliche Express-Aktion überhaupt erst möglich gemacht“, sagt der Sozialdemokrat.

Rund 120 Euro hat die Landtagswahl seine Tochter und ihn gekostet. „Diesen Aufwand werden wir nicht ständig betreiben“, sagt Gründel mit bissigem Humor und ergänzt: „Die Festsetzung des Wahltermins ging völlig an der Realität vorbei, hat viele Wähler, die nicht so einen Aufwand treiben wollten wie wir, faktisch von der Wahl ausgeschlossen.“ Deshalb hat Gründel noch einen Tipp für seine Parteifreunde in Hannover und alle sonstigen politisch Verantwortlichen parat: „Bei der nächsten spontanen Festlegung eines Wahltermins bitte etwas mehr nachdenken.“

Von Malte Lühr