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Kirsten Rinke (l.) und Andrea Homburg sind seit drei Jahren ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen. (Foto: fk)

Begleitung auf dem letzten Weg

Lüneburg. Für Andrea Homburg und Kirsten Rinke gehört der Tod zum Leben dazu. Jedenfalls viel bewusster als bei vielen anderen. Die beiden Frauen sind als ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen im ambulanten Dienst des Freundeskreises Hospiz Lüneburg tätig. Seit 2014 besuchen sie in ihrer Freizeit todkranke Menschen, meistens einmal die Woche für ein paar Stunden.

„Unser Motto ist, dass wir Zeit schenken“, sagt Andrea Homburg. Manchmal lese sie den Menschen, die sie begleitet, etwas vor. Einmal habe sie auch mit einer Dame musiziert: „Sie hat Klarinette gespielt, ich Geige. Ihr größter Wunsch war es, nochmal Musik zu machen, bevor sie stirbt. Das haben wir ein halbes Jahr lang regelmäßig gemacht.“ Dann habe die Kraft der Frau nachgelassen, aber ihren Wunsch habe sie sich noch erfüllt, sagt die pensionierte Lehrerin.

„Ich gehe oft mit einem  beseelten Gefühl nach Hause“

Als emotionale Belastung empfinden sie das Ehrenamt trotzdem nicht, da sind sich die Frauen einig. „Ich gehe oft mit einem beseelten Gefühl nach Hause“, sagt Kirsten Rinke. Bei ihrer ersten Begleitung habe sie eine Frau zwei Jahre lang bis zu ihrem Tod betreut. Die Frau hatte keine Angehörigen, die sich um sie gekümmert haben. „Wir haben uns gegenseitig so viel gegeben und eine tolle Beziehung aufgebaut“, sagt Rinke rückblickend. „Sie hat immer so gestrahlt, wenn ich zu ihr gekommen bin.“ Dennoch müsse man stets eine gewisse ­Distanz bewahren, um sich selbst zu schützen.

Auf das Ehrenamt vorbereitet wurden die beiden Frauen in einer neunmonatigen Schulung, ein Schwerpunkt lag dabei auf der Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmung. Die Teilnehmer erfahren einerseits viel über sich selbst in der Auseinandersetzung mit Sterben und Tod, andererseits aber auch Wissen über Krankheitsbilder und den Umgang damit. „Die Teilnehmer lernen, dass Sterben ein Reifeprozess ist, der sie selbst miteinschließt: Abstand halten, Innehalten und Aushalten.

Geschenk für den letzten Schritt

Dabei wird auf das Verhältnis von Nähe und Distanz besonders geachtet, um eine Haltung zu entwickeln, die die Begleiter befähigt, andere zu halten“, erklärt Hannah Köppen, die hauptamtlich als Koordinatorin beim Freundeskreis Hospiz arbeitet und die Schulung leitet. Zu ihren Aufgaben zählt auch, Ehrenamtliche und Kranke so einander zuzuteilen, dass die Chemie stimmt.

Kirsten Rinke, die als freie Journalistin arbeitet, war vor ihrem Ehrenamt beim Tod ihres Vaters dabei. Sie hat ihn dabei begleitet und seine Hand gehalten. Für sie war es dadurch eine schöne Begegnung mit dem Tod. Als sie dann ein Interview mit einer Hospizbegleiterin über das Sterben geführt hat, war sie so fasziniert von der Glückseligkeit der Frau, dass sie sich auch dazu entschieden hat, das Ehrenamt auszuüben. Sie habe schon immer gern anderen Menschen geholfen. „Ich dachte, vielleicht kann ich den Menschen beim letzten Schritt ein kleines bisschen was schenken.“

Aber nicht nur deshalb unterscheide sich das Ehrenamt von anderen Ehrenämtern, meint Andrea Homburg: „Ich glaube, der große Unterschied ist, dass das Sterben ein Tabuthema ist.“ Dazu komme, dass man sich bei einer Hospizbegleitung auch immer mit dem eigenen Leben auseinandersetzt. „Dinge, die vorher ganz groß waren, werden kleiner. Die Prioritäten verschieben sich“, sagt Kirsten Rinke.

Wann beginnt der Sterbeprozess?

Der „Freundeskreis Hospiz Lüneburg“ möchte Mut machen zum beherzten mitmenschlichen Handeln und bietet am Sonnabend, 28. Oktober, von 16 bis 20 Uhr einen Kursus an, in dem in einer offenen Atmosphäre ein Basiswissen über das immer noch tabubelegte Thema „Sterben und Tod“ vermittelt wird. Dabei geht es um Fragen wie: Wann beginnt der Sterbeprozess?

Wie erkenne ich ihn? Außerdem werden Möglichkeiten einer palliativen Versorgung und das regionale Palliativangebot thematisiert, ebenso die Vorsorge, existenzielle Nöte, Ernährung am Lebensende, Abschiedsrituale und Bestattungsformen. Die Kursleitung hat Hannah Köppen, Koordinatorin und Fachkraft für Palliativ Care beim Freundeskreis Hospiz. Der kostenfreie Kursus findet in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte, Bei der St. Johanniskirche 3, statt. Anmeldungen: (04131)  44211. lz

Von Franziska Krämer