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Projektleiter Dieter Reckermann stand Rede und Antwort zum Brunnenprojekt. Foto: t&w

Der dritte „Vio“-Brunnen

Lüneburg/Vögelsen. Die Baustelle für den geplanten „Vio“-Brunnen zwischen Vögelsen und Mechtersen wird jetzt eingerichtet. Rund 1000 Quadratme ter Grund hat der Getränkekonzern „Coca-Cola“ auf einem Acker am Waldrand gekauft, um dort in den nächsten Monaten eine Probebohrung unter realen Bedingungen durchzuführen. Geprüft wird, ob die Stelle geeignet ist, um dort jährlich bis zu 350 000 Kubikmeter ursprünglich reinen Grundwassers zu fördern, das laut Projektleiter Dieter Reckermann gut 3000 bis 5000 Jahre alt ist. Über das Projekt informierte das Unternehmen am Dienstagabend im Kultursaal des Guts Wienebüttel. Der war mit rund 40 Interessierten im Gegensatz zur Infoveranstaltung im Februar spärlich besucht. Kritische Nachfragen gab es dennoch.

Produktionsmenge soll verdoppelt werden

Rede und Antwort standen Projektleiter Dieter Reckermann und Thorsten Kiehn, Betriebsleiter in Lüneburg. Zunächst stellte Kiehn die Bedeutung des geplanten dritten Brunnens für die Abfülllinie des Mineralwassers „Vio“ dar. Würde das Unternehmen die beantragte Menge tatsächlich ausschöpfen können, wäre damit eine Verdoppelung der Produktion möglich neben den Brunnen in der Goseburg sowie im Lüner Holz.

An dem neuen Standort würde der Konzern den sogenannten Grundwasserkörper „Ilmenau Lockergestein links“ anzapfen. Laut Kiehn seien in dem Gebiet bereits 22,7 Millionen Kubikmeter Grundwasser zur Entnahme genehmigt. Dabei würden allein 12,3 Millionen für Trinkwasser, Feldberegnung und Brauchwasser entnommen. Dagegen sei die von „Coca-Cola“ gewünschte Menge von 350 000 Kubikmetern verschwindend gering. Zudem würden jährlich 274 Millionen Kubikmeter Grundwasser beispielsweise durch Niederschlag neu gebildet.

Eine Zuhörerin ermahnte die Referenten, sie nicht an der Nase herumzuführen. Tatsächlich bräuchte Regenwasser wahrscheinlich Jahrhunderte, bis es durch die obere Tonschicht in die unteren Grundwasserstockwerke durch­gesickert sei, wie dann auch Reckermann einräumte. Und gerade an dem Wasser in rund 200 Metern Tiefe ist der Konzern interessiert.

Helmut Meier aus Vögelsen hielt dem Projektleiter vor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Zudem sprach Meier den zu erwartenden Druckverlust im unteren Grundwasserstockwerk an.

Reckermann nannte es eine „Druckdelle“, die im Zuge der Förderung unter dem Tondeckel entstünde. Meier sorgte sich über mögliche Wechselwirkungen zum oberflächennahen Grundwasser: Wenn sich der Druckverlust nach oben fortsetzte, würde sich das negativ auf Moore auswirken – bis zum Trockenfallen von Brunnen für die Feldberegnung. Dazu Reckermann: „Deshalb machen wir den Pumpversuch. Wenn es da eine Korrespondenz gibt, werden wir keine Erlaubnis bekommen.“

Forderung nach unabhängigen Gutachtern

Auch Dietrich Hartwich vom Verein „Stiftung Mechtersen“ hakte immer wieder nach. In Richtung des Kreisvertreters Lutz Wolken (Fachdienst Umwelt) sagte er: „Ich hätte ein besseres Gefühl, wenn der Landkreis unabhängige Experten bestellen würde und sich das Geld per Gebührenbescheid bei Coca-Cola wiederholt.“ Dem entgegnete Wolken: „Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Ingenieure, die für Coca-Cola arbeiten, eine Untersuchung vorlegen, die auch nachprüfbar ist.“ Er wies zudem darauf hin, dass ein vom Konzern beauftragtes Gutachterbüro auch am Förderantrag für den Wasserbeschaffungsverband Lüneburg-Süd mitgewirkt habe.

Von Dennis Thomas

Bohrung am Waldrand

Karte: Google, Montage: hm

Vorgesehen ist die Probebohrung am Ende eines Ackers auf halbem Weg zwischen Vögelsen und Mechtersen, gut 800 Meter südlich der Kreisstraße 21, rund 500 Meter von der Wohnbebauung in Vögelsen entfernt. Vor Ort werden am Dienstag und Mittwoch, 24. und 25. Oktober, zwischen 16.30 und 18 Uhr Bürgersprechstunden angeboten.

2 Kommentare

  1. diebstahl ist diebstahl,auch wenn er lebensmittel klaut. trinkwasser ist ein lebensmittel und gehört allen. und wenn bestellte gutachten als folge mangels eigenem wissen ökokatastrophen heraufbeschwören, sollten die gutachter nicht nur haften, sondern auch scharf bestraft werden. nur so kann man deren unfug eingrenzen. was die bestellten gutachten von monsanto zum beispiel schon alles angerichtet haben, kann man in der natur und auf den Äckern bewundern.

  2. Wenn es tatsächlich zu einer Druckdelle kommt, heißt das nichts anderes, als dass aus dem Trinkwasser-führenden Leiter mehr Wasser entnommen wird als von oben nachströmt. Damit ist eine Grenze überschritten, das Lüneburger Trunkwasser wird den Gewinninteressen Coca-Colas geopfert. Und wenn das dann auch irgendwann einmal der Lüneburger Politik auffällt und Coca Cola seine Förderung zurückfahren soll, werden auf die Stadt hohe Regressforderungen seitens des Konzerns zukommen.