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Meike Bergmann und Henrik Siepelmeyer freuen sich über den guten Start der „plietschen“ Abfüllstation im Supermarkt.

Unverpackt im Supermarkt

Lüneburg. Dicht an dicht hängen die transparenten Spender an der Wand. Mit leichtem Griff lassen sich Kürbiskerne, Kochdinkel, Leinsamen, Flocken oder Müsli ganz nach Bedarf abfüllen. Beutel drunterhängen, Hebel drücken, fertig. Doch was bei der neuen Abfüllstation von Edeka Bergmann an der Saline unspektakulär daherkommt und ein wenig an die gute alte Zeit erinnert, hat das Zeug, das Einkaufsverhalten grundsätzlich zu verändern. Denn die hier angebotenen Waren dürfen sich nicht nur alle „Bio“ nennen, sie sind auch „plietsch“ und kommen ganz ohne Einweg-Verpackung aus. Das Angebot liegt voll im Trend, bundesweit gibt es immer mehr verpackungsfreie Läden.

„Wir wollen nachhaltiges Einkaufen einfacher machen, und dabei sind wir auf ‚plietsch‘ gestoßen“, sagt Edeka-Kauffrau Meike Bergmann. Seit Jahren schon setze sie sich in ihrem Geschäft dafür ein, den Verpackungsmüll möglichst gering zu halten, 2016 wurden Plastiktüten abgeschafft. Doch Waren gänzlich unverpackt anbieten zu können, „das ist neu“. So neu, dass sie neben vielen kleinen Läden mit ihrem Edeka-Markt bislang deutschlandweit der einzige Vollsortimenter mit einem solchen Angebot ist.

Der Nachhaltigkeitsgedanke ist den Initiatoren wichtig

„Plietsch“, was im Niederdeutschen so viel wie pfiffig oder schlau bedeutet, ist nicht nur eine Idee, es ist ein ganzes Konzept. „Vom Anbau über den Transport bis zum Verkauf soll sich der Nachhaltigkeitsgedanke im angebotenen Produkt wiederfinden“, sagt Henrik Siepelmeyer. Er und seine Partnerinnen Lisa Heldt und Celine Ebeloe – die drei studieren in Lüneburg und beschäftigen sich schon länger mit Nachhaltigkeitsthemen – hatten die Idee und das „plietsch“-Konzept entwickelt (LZ berichtete). Bei einer Leuphana-Veranstaltung im vergangenen Jahr trafen sie mit Meike Bergmann zusammen, schnell einigte man sich, bei diesem Thema zu kooperieren.

„Wir möchten den Kunden die Angst nehmen, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen“, sagt Henrik Siepelmeyer. Deshalb standen sie auch den Kunden in den ersten Tagen an der Abfüllstation mit Rat und Tat zur Seite. Rund 70 Prozent der Produkte stammen aus Deutschland, „viele sogar aus der Region“, verdeutlicht der 24-Jährige. Für den Transport gibt es im Laden Stoffbeutel oder auch Mehrwegdosen, „man kann aber auch seinen Einkaufskorb oder ein Marmeladenglas von zu Hause mitbringen“. Die Behälter werden vor dem Befüllen leer gewogen. Danach wird nur noch das an der Kasse gezahlt, was auch mitgenommen wird.

Kunden nehmen das neue Angebot gut an

Von den Kunden wurde das neue Einkaufen gut angenommen, hat Meike Bergmann beobachtet, „aber es gab zu Anfang auch viele Fragen“.  Zum interessierten Publikum gehören Jung und Alt. Besonders aber werde die neue Abfüllstation, an der auch Gemüse angeboten wird, von Familien genutzt, berichtet die Kauffrau. Wichtig ist ihr aber auch: „Wir möchten Kunden, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, ein Angebot machen. Wie der Kunde einkaufen möchte, entscheidet er aber natürlich selbst.“

Von Ulf Stüwe

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3 Kommentare

  1. Wie geht das mit frischer Rinderleber für Borschtsch mit Pastete, Schmorzwiebeln und Kartoffelpüree? Lässt die sich auch mit leichtem Griff aus den transparenten Spendern an der Wand in den mitgebrachten Jutebeutel abfüllen?

    • Nein, wie denn auch?

      Aber Kartoffeln und Zwiebeln gibt’s auch so schon lose.
      Das Fleisch könnte man sich auch in mitgebrachte Verpackungen geben lassen. Ist aber rechtlich eine Grauzone.