Dienstag , 25. September 2018
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Ende Februar diesen Jahres kehrten die ersten Störche aus dem Süden in die Region zurück - ein verregneter Sommer machte ihnen dann schwer zu schaffen.
Ende Februar diesen Jahres kehrten die ersten Störche aus dem Süden in die Region zurück - ein verregneter Sommer machte ihnen dann schwer zu schaffen.

Schwieriges Storchenjahr

Lüneburg. Für Naturfreunde war es ein Graus: Dutzende junger Weißstörche in der Region wurden im Frühsommer Opfer der lang anhaltenden Regenfälle, völlig durchn ässt erfroren sie, starben an Lungenentzündung. Dennoch sind Hubert und Gundhild Horn, Storchenbetreuer im linkselbischen Teil des Landkreises Lüneburg, und Helmut Eggers, ihr Kollege auf der anderen Seite der Elbe, mit dem Storchenjahr 2017 nicht völlig unzufrieden.

39 Brutpaare zählten die Horns in ihrem Zuständigkeitsbereich zwischen Hohnstorf, Bleckede und Adendorf – das waren zwei weniger als im Jahr davor. Diese Brutpaare zogen 56 Junge groß, drei mehr als 2016. Und das, obwohl 18 Junge starben, bevor sie flügge waren. Gundhild Horn: „Der stärkste Verlust in den letzten 25 Jahren. Einige Storchenpaare verloren alle Jungen.“

Anfang Juli hatte die Landeszeitung über eine Storchen-Rettungsaktion in Lüdersburg berichtet, als Hartmuth Rohstock und seine Enkelin Loovie mithilfe eines Kranwagens zwei Tieren das Leben retten konnten. „Die Tiere haben sich gut entwickelt, sind Mitte August in Richtung Süden abgeflogen“, berichtete Rohstock am Donnerstag.

Helmut Eggers zählte in Amt Neuhaus 49 Brutpaare, eines weniger als im Jahr zuvor. 36 von ihnen bekamen Nachwuchs, 88 flügge Jungvögel verließen das Nest. Das sei „nicht so berauschend, aber immerhin unterer Durchschnitt“, wertet Eggers.

Sieben Verluste von Jungvögeln hatte Eggers in seinem Bereich zu beklagen – alle Opfer eines Dauerregens, der Ende Juni ungewöhnlich starke und anhaltende Niederschläge brachte. Viel schlimmer sei es beispielsweise im angrenzenden Landkreis Ludwigslust zugegangen, weiß Eggers: „35 Prozent der Jungvögel starben allein an einem Wochenende, als es 36 Stunden lang ununterbrochen regnete.“ Noch schlimmere Verluste gab es im Norden Schleswig-Holsteins, von wo der dortige Nabu (Naturschutzbund Deutschland) einen Verlust von 50 Prozent der Jungvögel meldete.

Helmut Eggers kümmert sich schon seit 1971 um Störche in der Region um seinen Heimatort Lübtheen. Gemeinsam mit Steffen Hollerbach von der Stork Foundation, einer Stiftung, die sich für den Lebensraum des Storchs einsetzt, und einem Fernsehteam des NDR war er in diesem Sommer zwei Wochen lang in Richtung Südosteuropa unterwegs. Das Ziel: Erkenntnisse gewinnen über den Flug der sogenannten „Ostzieher“, die auf diesem Weg im Extremfall bis nach Südafrika ins Winterquartier fliegen. Mehrere mit Sender versehene Störche wurden dabei begleitet.

„Auf diesem Weg lauern für die Störche viele Gefahren“, das war die bittere Erkenntnis für Eggers und das Team. Vor allem ungeschützte Stromleitungen sorgen immer wieder für viele Opfer. Einmal habe man 36 tote Störche an einer Trasse gefunden, erzählt Eggers. „Es gibt in diesem Bereich noch viel zu tun.“

Die Sendung „NaturNah: Wenn Störche reisen“ wird am heutigen Donnerstag, 11.30 Uhr, im NDR Fernsehen gezeigt.

Von Ingo Petersen

Positive Bilanz auf Landesebene

Störche zieht es nach Spanien

Bestenfalls durchschnittlich fiel die Storchenbilanz im Landkreis Lüneburg aus – wesentlich erfreulicher war die Gesamtbilanz der Storchenbetreuer, die in der Landesarbeitsgruppe (LAG) Weißstorchschutz des Nabu Niedersachsen aktiv sind. Sie trafen sich jetzt zu ihrer Jahrestagung in Verden.

In Niedersachsen und Bremen ließen sich 2017 insgesamt 918 Weißstorchpaare nieder. Diese brachten 1484 Jungstörche zum Ausfliegen. „Damit wurde das gute Ergebnis aus dem Jahr 2016 (833 Paare mit 1338 flüggen Jungen) bei den Paaren erneut um zehn Prozent übertroffen. Die Zahl der flüggen Jungen lag nur wenig unter denen des Rekordjahres 2015 (1503) und ist das zweitbeste Resultat seit 46 Jahren“, erklärte LAG-Mitglied Hans-Jürgen Behrmann.

Hauptursache für den Zuwachs ist das veränderte Zugverhalten der gen Westen in ihre Winterquartiere fliegenden Störche. Immer mehr von ihnen bleiben bereits in Spanien, wo sie genügend Nahrung in Feuchtbiotopen, Reisfeldern und insbesondere auf Mülldeponien finden. Von dort kehren sie dann früher, in größerer Anzahl und in meist guter Verfassung zurück. Insgesamt sind allerdings 75 Prozent der Störche Ostzieher, auch in der Region Lüneburg sind sie in der Überzahl.