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Die Bauwagen-Siedlung Am Wienebütteler Weg gibt es seit sieben Jahren. Foto: phs
Die Bauwagen-Siedlung Am Wienebütteler Weg gibt es seit sieben Jahren. Foto: phs

Lieber Häuser als Bauwagen

Lüneburg. Ihr Siebenjähriges haben die Bewohner des Bauwagenplatzes „Fango“ gerade begangen. Die Stadt hat ihnen die Fläche am Wienebütteler Weg vorerst auf zehn Jahre verpachtet, um eine alternative Wohnform zu ermöglichen. Besucher, die sich über das Projekt und die Bewohner informieren möchten, sind den Fango-Leuten stets willkommen, nicht nur beim jährlichen Sommerfest. Die AfD möchte einiges zur Siedlung wissen, sie aber wählt den Weg einer Anfrage zur nächsten Ratssitzung am Donnerstag, 26. Oktober. Das Gremium tagt von 17 Uhr an im Huldigungsaal.

Die Fraktion stellt unter anderem folgende Fragen: Wem gehört das Gelände? Sollte es der Stadt gehören, wie hoch ist die Pacht? Gibt es eine ordnungsgemäße Wasser- und Abwasser- beziehungsweise Stromversorgung am öffentlichen Netz und wer zahlt die Kosten? AfD-Ratsherr Robin Gaberle begründet die Anfrage gegenüber der LZ: „Wir würden gerne wissen, ob staatliche Gelder für die Bauwagen-Siedlung ausgegeben werden?“ Vor dem Hintergrund, dass Wohnraum in Lüneburg knapp sei und vis-à-vis ein Neubaugebiet entstehen solle, stelle sich der Fraktion außerdem die Frage, „ob man den Platz nicht zur Wohnbebauung zur Verfügung stellen könnte?“

Kritische Stimmen von 2010 sind längst verstummt

Zur Vorgeschichte: Bis 2010 gab es zwei Bauwagen-Siedlungen, eine am Meisterweg und eine an der Uelzener Straße, die geräumt werden mussten. Die Bewohner der Platzes an der Uelzener Straße schlossen sich zum Verein Leben(s)wagen zusammen und wandten sich an die Stadt mit der Bitte um Unterstützung bei der Suche nach einem alternativen Standort. Nach mehreren Verhandlungen und Ortsterminen – es gab auch kritische Stimmen von Bürgern, die allerdings längst verstummt sind – offerierte die Stadt das Gelände am Wienebütteler Weg. Für die Erschließung des Platzes ging die Stadt von Kosten in Höhe von 50.000 Euro aus, die von den Bauwagen-Bewohnern getragen werden mussten.

Als jährliche Pacht war ein Betrag von 900 Euro vorgesehen. „Auf die Fläche umgerechnet entspricht diese Pacht auch der Pacht, die von Grabelandpächtern erhoben wird. Der Pachtzins beläuft sich auf zirka 0,11 Euro pro Quadratmeter jährlich“, ist im Auszug aus der Sitzung des Bauauschusses vom 20. September 2010 im öffentlich zugänglichen Ratsinformationssystem der Stadt nachzulesen. Oberbürgermeister Ulrich Mädge sprach sich dafür aus, dass man diese alternative Wohnform ausprobieren solle. Die Mitglieder des Bauausschuses votierten einstimmig für die Änderung des Flächennutzungsplanes.

25 Erwachsene und sechs Kinder leben in den Bauwagen

Derzeit leben 25 Erwachsene und sechs Kinder in den bunten Wagen, darunter Karsten Hilsen und Tim Christensen. Die 50.000 Euro habe man über ein Darlehen aufgenommen, um so alle Infrastruktureinrichtungen finanzieren zu können, sagt Hilsen. Inzwischen sei das Darlehen zurückgezahlt. Für Wasser, Abwasser und Strom aus dem Netz zahle die Gemeinschaft selbstverständlich selbst, „aber wir erzeugen auch Strom über eine Photovoltaikanlage“. Gemeinsames Ansinnen sei es, anders leben zu wollen, „es ist eine von vielen Lebensformen“. Hin und wieder bekämen sie zu spüren, dass es Vorurteile gegen sie gibt. Dass die AfD nun diese Anfrage stellt, lässt Hilsen jedoch schmunzeln: Denn einer, der früher der Bauwagen-Szene in Lüneburg angehört habe, gehöre jetzt der Partei an.

Die Bauwagen-Leute hoffen, dass ihr Pachtvertrag verlängert wird. Sie könnten sich auch vorstellen, das Gelände zu kaufen, eine Anfrage bei der Stadt hätten sie gestellt. Zur Frage der AfD, ob nicht aus der Fläche Bauland werden könnte, sagt Christensen: „Die Fläche wird doch schon als Wohnraum genutzt.“

Auf LZ-Anfrage macht die Stadt ihre grundsätzliche Position deutlich: „Innovative Wohnprojekte wie dieses gehören zu einer Stadt wie Lüneburg, da­rum gab es damals auch ein großes Engagement dafür in der Verwaltung, und wir freuen uns nach wie vor darüber.“ Alles laufe gut, die Pacht werde regelmäßig bezahlt, Vereinbarungen würden eingehalten.

Von Antje Schäfer