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Prof. Dr. Andreas Heinecke und Hilke Lamschus vor dem Monitor, der Besuchern die Nutzung der neuen App im Salzmuseum ermöglicht. Foto. lz/t&w

„App“ ins mittelalterliche Lüneburg

Lüneburg. Kennen Sie St. Johannis, St. Michaelis und St. Nicolai, die drei Lüneburger Hauptkirchen? Klar. Aber St. Cyriakus? Noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts stand die Kirche neben dem Kalkberg, wissenschaftlichen Quellen zufolge wurde sie 1651 abgerissen, danach geriet sie in Vergessenheit. Nun aber taucht sie plötzlich wieder auf, wenn auch nur auf dem Smartphone. Möglich macht es die „App nach 1600“, ein neu entwickeltes Smartphone-Programm des Lüneburger Salzmuseums, das einen virtuellen Spaziergang durchs mittelalterliche Lüneburg ermöglicht und bedeutende Gebäude und Plätze der Stadt im Früher/Heute-Vergleich zeigt. Bisher gibt es sie allerdings nur für Android-Handys.

Gespannt schaut Prof. Dr. Andreas Heinecke auf das Display, noch ein Klick, dann öffnet sich das Programm und gibt den Blick frei auf ein Lüneburg, das längst vergangen ist. „Es zeigt die Stadt um 1600“, sagt Heinecke. Mehrere Monate hat der Informatik-Professor, der an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Informatik und Kommunikation lehrt, gemeinsam mit einem seiner Bachelor-Studenten an der App gearbeitet, „heute ist sie fertig geworden“.

Mehr als 350 Orte mit Bildern und Grafiken anwählbar

Zu sehen sind die kompletten Straßenzüge, Plätze und Wege ebenso wie die einzelnen Gebäude, so wie Lüneburg damals aussah. Weil die App mit dem Ortungssystem GPS verbunden ist, erfährt der Nutzer nicht nur, wo er sich in der mittelalterlichen Stadt gerade befindet, sondern auch, wie es dort vor rund 500 Jahren aussah. Dazu muss nur auf eines der in einem Umfeldkreis aufpoppenden Symbole getippt werden, die ausführlich in Schrift und Bild über das Objekt informieren. Wer möchte, kann sich die Texte sogar vorlesen lassen. Wandert der Betrachter weiter, erhält er die nächsten Informationen. „Man kann so durch die ganze Stadt schlendern und sich überraschen lassen oder auch gezielt auf dem Display Straßen oder Orte ansteuern“, erläutert Heinecke, der mit dem Salzmuseum schon seit vielen Jahren verbunden ist. Denn der gebürtige Lüneburger ist 2. Vorsitzender des Förderkreises Industiedenkmal Saline Lüneburg, der auch die Anschaffung eines Monitors zur App für die Besucher im Salzmuseum ermöglicht hat.

„Spannend ist es zu sehen, wie sich Lüneburg in dieser Zeit verändert hat“, sagt Museumskuratorin Hilke Lamschus. Denn mit einem einfachen Klick lässt sich zwischen Gestern und Heute wechseln, ein Effekt, der immer wieder Erstaunen beim Betrachter auslöst. „Wer sich beispielsweise gerade in der Wallstraße befindet und in den Früher-Modus schaltet, steht plötzlich auf dem alten Lüneburger Wall“, sagt Heinecke.

Rund 350 Einträge bietet die „App nach Lüneburg“, mehr als 450 Fotos und Grafiken zeigen, wie es damals war. Ausgewählt wurden sie von Mitarbeitern des Salzmuseums, die auch die Texte dazu verfasst haben.

App begleitet Nutzer beim Rundgang durch die Stadt

Die historische Darstellung Lüneburgs entspricht dabei dem dreidimensionalen Stadtmodell, das im Salzmuseum steht. Integriert wurden zudem Informationen aus der „App nach Lüneburg“, die 2012 anlässlich des Hansetags vom Salzmuseum entwickelt wurde, sowie Elemente eines bereits 1994 entwickelten Informationssystems über das historische Lüneburg.
Im kommenden Frühjahr soll auch für Apple-Geräte eine iOS-Version folgen, parallel wird an einer englischsprachigen App gearbeitet.

Für Hilke Lamschus ist die neue App nicht nur eine „tolle Werbung fürs Salzmuseum, sie ist auch für den Tourismus unserer Stadt wichtig“.

Von Ulf Stüwe