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Christian Thenhausen (l.) und Julian Thormählen in ihren Adendorfer Büroräumen. Noch arbeiten sie über der „Parkettwelt“, das soll sich bald ändern. Foto: lz/phs

Gründergeist: Per Ladekabel zum Millionenerfolg

Lüneburg . Angefangen hat alles mit vier Laptops im Kinderzimmer von Julian Thormählen. Da hatte der Lüneburger nichts als eine Vision. Heute führt er eine Firma mit Tochtergesellschaften in China und Hongkong, allein in Adendorf beschäftigt er 30 Mitarbeiter. Das Geschäft mit Handyladekabeln, die am Schlüsselbund baumeln, boomt. In diesem Jahr strebt der 25-Jährige einen Umsatz von rund 3,2 Millionen Euro an. Und bald soll eine Art Campus in Kirchgellersen entstehen: Dort möchte sich die Firma „Tradeconthor“ selbst niederlassen und auch anderen, die Lust zum Gründen haben, Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.

Auszeichnung für das beste Werbegeschenk erhalten

Julian Thormählen hat 2011 Abi-tur gemacht, sich dann für ein duales Studium entschieden. Die Lüneburger Berufsakademie und Roy Robson machten ihn zum Industriekaufmann. Weil er schon da „Bock hatte“, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, ging die Arbeit für ihn nach Feierabend weiter. „Ich habe Treppen geschliffen, um Geld zu verdienen“, erzählt er.
Viel Unterstützung haben Thormählen und seine drei Kommilitonen, mit denen er gemeinsam Tradeconthor gegründet hat, nicht erfahren. Deshalb stört er sich auch daran, dass Politiker und Unternehmer beispielsweise bei der „Lünale“ auf die Bühne treten und zum Gründen aufrufen. „So einfach ist das nicht, man ist da auf sich allein gestellt.“

Bei ihrem Start plünderten die vier Jungs ihre Sparschweine, knapp 12 500 Euro kamen zusammen. Sie verkauften Geschäftsanteile, konnten die Summe so auf 100 000 Euro aufstocken. Ausgereicht habe das nur, weil viele Angestellte anfangs mit kleineren Gehältern einverstanden gewesen seien, sagt Thormählen. „Sie hatten einfach große Lust, bei diesem Projekt dabei zu sein.“

Heute verkauft Tradeconthor 2-in-1-Ladekabel in der ganzen Welt, große Firmen wie Lufthansa, Zalando oder VW zählen zum Kundenstamm. Das Novum: Die Ladekabel enthalten sowohl einen Anschluss für ein iPhone als auch für ein Samsung-Gerät, sind also mit zwei verschiedenen Betriebssystemen kompatibel. Dafür hat das Unternehmen dieses Jahr den „Promotional Gift Award“ erhalten.

Christian Thenhausen (l.) und Julian Thormählen sind Produktentwickler und haben ein 2-in-1-Ladekabel kreiert, für das sie in diesem Jahr ausgezeichnet wurden. Foto: lz/phs

Der Weg zur Erfolgsgeschichte war lang. Anfangs hatten Thormählen und Christian Thenhausen, die sich in der Berufsakademie kennenlernten, noch wilde Ideen wie einen Taschenverleih. Danach planten sie, Werbung zwischen Freizeichentönen zu platzieren. Einen Dienstleister konnten sie schnell für sich gewinnen, doch die Startinvestition war nicht zu stemmen.
Dass sich heute ein anderes Start-up mit dieser Idee am Markt platziert hat, nimmt Thormählen gelassen. „Wir haben in der Zeit viel gelernt, beispielsweise, wie man sich richtig durchsetzt.“ Das seien Erfahrungen, die sie „auf der Straße“ gemacht hätten. „In der Universität konnte man uns mit dem Grundverständnis, mit Zahlen und kaufmännischen Abläufen weiterhelfen.“

Und schließlich kam den jungen Männern dann ja auch die Idee, mit der sie heute Geld verdienen. „Das war im Jahr 2013, als das iPhone 4 auf den Markt kam“, erinnert sich der Chef von Tradeconthor. Das Problem: Der Akku war ständig leer. Gemeinsam mit einem israelischen Start-up brachten die Lüneburger „Mobeego“ auf den Markt, eine auf Liciumtechnik basierende Batterie, eingehüllt in Pappe. In Amerika und Kanada schlug das mobile Ladegerät, das man nach der Nutzung wegwerfen konnte, ein, in Mitteleuropa nicht.

Produktentwicklung mit Schere und Tacker

So entschieden Julian Thormählen und seine Kollegen, ein eigenes Produkt zu entwickeln. Zunächst mit Schere und Tacker. „Einen Produktdesigner hatten wir da noch nicht.“ Der erste Prototyp wurde in China hergestellt, die erste Lieferung ging nach Oldenburg. Seitdem bestehen enge Geschäftsbeziehungen nach China, alle sieben bis acht Wochen fliegen die Jungunternehmer rüber.

Erst neulich war Thormählen in Shanghai, dort hat er ein Bewerbungsgespräch mit einer Chinesin geführt. Sie fängt im Dezember bei ihm an.

Von Anna Paarmann