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Immer auf dem neuesten Stand: Vianne und weitere Akteure des TheaterJugendClubs am Theater Lüneburg lieferten zum Auftakt eine Performance im Kunstsaal. Am Mittwoch, 25. Oktober, bieten die Schauspieler unter Leitung von Katja Meier 30-minütige „Theaterschnitzeljagden“ durch die Stadt an, Treffen zum Start sind um 16, 17 und 18 Uhr an der Theaterkasse. Foto: lz/t&w

1. Lüneburger Wandelwoche läuft

Lüneburg. Mit einem „kribbeligen Gefühl“, wie er sagte, eröffnete Norbert Bernholt von der Akademie Solidarische Ökonomie gestern die 1. Lün eburger Wandelwoche, immerhin ist es ja eine Premiere. Und gleich der Auftakt war ein Erfolg: Rund 150 Interessierte kamen in den Kunstsaal.

Bis einschließlich Freitag wollen 24 Initiativen mit 31 Veranstaltungen an verschiedenen Orten in der Stadt mit den Bürgern ins Gespräch kommen und Ideen und Projekte vorstellen für ein gutes Leben, das für ein solidarisches, gerechtes und achtsames Miteinander steht. Gleichzeitig wollen sie neue ­Ideen von Bürgern sammeln und die Basis für eine Vernetzung der ­Initiativen schaffen. Motor der Wandelwoche ist der Verein Technik-Umwelt-Natur (T.U.N.), Mitorganisatoren sind die Akademie und Lüneburg im Wandel.

Ideen und Projekte für ein gutes Leben

Norbert Bernholt ging zum Auftakt auf den Hintergrund der bundesweiten Wandelwochen ein, die erste gab es vor zwei Jahren in Berlin: „Alle Initiativen haben dabei den Wunsch, etwas anders zu machen, als es jetzt ist.“ Das gemeinsame Motto „Ein gutes Leben für alle ist möglich“ verfolge „eigentlich eine Selbstverständlichkeit“. Doch dass es vielen schlecht gehe, habe seinen Grund: „Unser Lebensstil trägt dazu bei, dass es vielen nicht so gut geht. Wir leben auf Kosten anderer.“

Bernholt listete nicht großartig Beispiele und Zahlen auf, sondern machte die Situation folgendermaßen deutlich: „Es gibt den sogenannten World Overday, der den Tag benennt, in dem ein Land seine eigenen Ressourcen für ein Jahr aufgebraucht hat. In Deutschland war es der 28. April – wir leben jetzt schon auf Kosten der restlichen Welt und der nachfolgenden Generationen.“ Zum Ziel der Aktionen sagte er: „Wir wollen Lust machen auf Wandel, 24 Initiativen wollen zeigen: Es geht auch anders.“

„Unser Ziel ist, die Ideen, Kompetenzen und Konzepte engagierter Personen und Einrichtungenzu bündeln.“
Dirk Schröder-Brandis, Netzwerk für Nachhaltigkeit

Neue Impulse für mehr Nachhaltigkeit

Eine Rolle dabei spielt RENN.nord, das Netzwerk für Nachhaltigkeit aus Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Laut ihrem Vertreter Dirk Schröder-Brandis vernetzt es Akteure in den norddeutschen Bundesländern, um neue Impulse für mehr Nachhaltigkeit zu setzen. „Unser Ziel: die Ideen, Kompetenzen und Konzepte engagierter Personen und Einrichtungen zu bündeln, um die ,Sustainables Development Goals‘ (SDG) der UN-Agenda 2030 in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.“ Die SDG‘s sind politische Zielsetzungen, die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen.

Schröder-Brandis nahm zum Abschluss der Auftaktveranstaltung, bei der sich die Initiativen einzeln vorstellten, auch an einer Talkrunde zum Thema „Wandel aus feministischer Perspektive“ teil. Dabei ging die Philosophin Dr. Steffi Hobuß vom Institut für Philosophie und Kunstwissenschaft der Leuphana Universität auch auf die verschiedensten Formen von Feminismus ein und sagte: „Der Feminismus hat sich in der Geschichte gewandelt und er fließt auch in den Wandel ein.“

Wandelwoche endet am Freitag, 27. Oktober

Als Beispiel des starken Einflusses nannte sie die erste „Feminismus-Welle“ im 19. Jahrhundert, als Frauen um das Wahlrecht und den Zugang zur Bildung kämpften. Sie warnte allerdings vor einer Überheblichkeit deutscher Feministinnen, die zu einem neuen Kolonialismus führe: „Einstellungen wie ,Frauen in Indien sind arm dran‘ oder ,In Indien gibt es Sexismus‘ machen blind für die Situation in Deutschland.“

Andrea Henkel, Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses der Stadt Lüneburg, machte sich stark für eine sozialverträgliche Transformation aus feministischer Sicht: „Es geht um Macht- und Herrschaftsverhältnisse, um Geschlechterverhältnisse. Verändert man diese nicht, gibt es keine Transformation, die zu Gerechtigkeit führen kann.“

Die Wandelwoche endet am Freitag, 27. Oktober, mit einer um 19 Uhr im Glockenhaus beginnenden Veranstaltung zu den UN-Nachhaltigkeitszielen. Alle Veranstaltungen in dieser Woche sind kostenfrei, das komplette Programm gibt es unter wandelwoche-lueneburg.de im Internet.

Von Rainer Schubert