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Das Grundprinzip der Nadelwehre, wie das bei Bardowick, ist einfach: Kanthölzer regulieren die Wassermenge, die das Wehr passiert. Die drei Nadelwehre im Verlauf der Ilmenau stehen zwar alle unter Denkmalschutz, doch die seit Jahren dringend erforderliche Sanierung steht weiter aus. Fot: lz/dth

Das Nadelwehr: einfach, genial und lebenswichtig

Bardowick . Einst schipperten Gemüsekähne über die Ilmenau von Bardowick nach Hamburg, Richtung Lüneburg wurde Holz übers Wasser transportiert. Ruhig und gemächl ich floss die Ilmenau von Lüneburg nach Hoopte, wo sie in die Elbe mündet, mit zahlreichen Mäandern schlängelte sie sich durch die vergleichsweise flache Landschaft. „Deshalb konnte damals auf der Ilmenau gut getreidelt werden“, beschrieb Achim Gründel den Zustand des Flusses vor dessen Kanalisierung.

Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt wurde das Treideln überflüssig, die Ilmenau wurde begradigt und verlor dadurch sechs Kilometer Länge. Mit einem unterhaltsamen und kenntnisreichen Bildvortrag nahm der Radbrucher die Zuhörer im voll besetzten Gildehaus jetzt mit auf eine Entdeckungstour durch die Ilmenauniederungen. Bernd Wald vom Windmühlenverein und Hans-Werner Schenk vom Kulturraum Bardowick hatten zu diesem vierten – und in diesem Jahr letzten – Vortrag eingeladen. Die Bardowicker Vortragsreihe erfreut sich großer Beliebtheit, und Wald versicherte gegen Ende der Veranstaltung, dass er „bereits in Gesprächen mit möglichen Referenten für das kommende Jahr“ stecke.

Achim Gründel nahm die Zuhörer im Gildehaus mit auf eine Reise per Ewer über die Ilmenau. Bernd Wald (li.) und Hans-Werner Schenk (re.) hatten dazu eingeladen.

Nadelwehr ermöglicht Exakte Regulierung des Wasserstandes

Fast 3000 Quadratkilometer groß ist der Einzugsbereich der Ilmenau: Alles Leben, so führte Gründel aus, sei in diesem Bereich unmittelbar vom Wasserstand der Ilmenau abhängig. Zur Regulierung des Wasserstandes wurden bereits vor 125 Jahren die Nadelwehre in Wittorf und in Fahrenholz und im Jahr 1934 in Bardowick errichtet. Sie funktionieren noch heute – nach einem im Grunde denkbar einfachen Prinzip.

Die „Nadeln“, das sind lange Kanthölzer, sind dicht an dicht an einem Hochgestell aufgereiht und hochgestellt und werden je nach Bedarf aus dem Gestell gezogen, sodass eine bestimmte Menge an Wasser abgelassen werden kann. Somit ist eine exakte Regulierung des Wasserstandes möglich. „Wenn die Wehre aufgerichtet sind und das Wasser gestaut ist, dann kann der Ewer fahren“, schilderte Gündel, der selbst an Bord des historischen Ewers war, als der über die Ilmenau schipperte.

Chance für den Tourismus

Die Nadelwehre stehen unter Denkmalschutz, am Tag des offenen Denkmales im September wurde beispielsweise die Bardowicker Anlage von vielen Besuchern bestaunt, die zuvor den Nikolaihof besichtigt hatten. „Hier liegt eine große Chance für den Tourismus“, meinte Gründel, und zahlreiche Besucher seines Vortrages stimmten ihm zu. Denn als Bundeswasserstraße wird die Ilmenau nicht mehr genutzt, und bislang ist das zuständige Wasserschifffahrtsamt in Lauenburg noch nicht tätig geworden, um die Nadelwehre und vor allem die teils mauerbrüchigen Schleusen instand zu setzen.

Gründel skizzierte die Varianten – vom Erhalt des Ist-Zustandes bis zum Rückbau der Nadelwehre und der Wiederherstellung des einstigen Flussbettes. Belastbare Zahlen, wie viel die einzelnen Maßnahmen kosten würden, gebe es aber nicht. Ein weiteres Problem liegt in der Zuständigkeit: Solange die Ilmenau Bundeswasserstraße sei, könnten die Kommunen nicht die Regie übernehmen.

Einfluss auf den Stint

Es gebe viele Initiativen für den Erhalt der Nadelwehre und Schleusen und der Ilmenau als Wasserstraße zumindest für Sportboote, unter anderem den Förderverein Historische Ilmenau. Auch die Stadt Lüneburg, sagte Bernd Wald, sei daran interessiert, denn die Häuser am Stintmarkt stehen auf Holzpfählen, die nicht trockenfallen dürften. Das könne passieren, wenn der Wasserstand nicht mehr regulierbar sei. „Und dann ist der Stint weg“, prophezeite Bernd Wald.

Von Silke Elsermann