Donnerstag , 20. September 2018
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Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz spielen die Kommissare im Tatort „Alles was Sie sagen“. Gestern drehten sie im Industriegebiet Lüneburg Süd, heute in der Altstadt. Foto: lz/t&w

Interne Ermittlungen gegen Kommissare: Tatort aus Lüneburg

Lüneburg. Die Lederjacke gibt es zweimal: „Einmal für mich und einmal für den Stuntman“, sagt Wotan Wilke Möhring und grinst. „Die für den Stuntman ist natürlic h kleiner.“ Klar, denn Möhring spielt ja eine Hauptrolle im Tatort und ist ein Kerl. Vor allem aber ist er wie in seiner Rolle als Kommissar Thorsten Falke ein Typ, der auch mal einen Spruch raushaut. Seit Montag dreht das Tatort-Team in Lüneburg. Gestern bot das Comfort Hotel im Gewerbegebiet bei Embsen die Kulisse. Es ist 17 Uhr, späte Mittagspause. Am Küchenwagen sind Tomaten-Rinder-Ragout, Pesto Rosso und Spinat-Gorgonzola-Sauce im Angebot. Zeit für ein kurzes Gespräch mit Möhring, seiner Kollegin Franziska Weisz als Julia Grosz und Regisseur Özgür Yildrim.

Geschichte spielt in Lüneburg und Hamburg

Die beiden Bundespolizisten ermitteln gegen einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher, bei einem Zugriff wird eine Zeugin getötet. Aus Falkes Waffe sind zwei Schüsse abgegeben worden – er steht unter Verdacht. Interne Ermittlungen beginnen. Das Duo wird verhört, ihre Aussagen widersprechen sich. Eine Geschichte, die sich aus Rückblenden zusammensetzt.

„Ich habe drinnen gerade ein Frühstücksei malträtiert“, sagt Franziska Weisz. Dabei sind den beiden Ideen zu Hauptverdächtigen gekommen. Auch sie lacht viel. So wie auch die vielen anderen, die für Licht, Ton, Bilder und Kulissen sorgen und gerade mithilfe der Pumpe eines Feuerwehrautos ein Gewitter vorbereiten. Eine Mischung aus hochkonzentriert und entspannt.
Möhring sagt über den Tatort das, was auch andere erzählen: „Der ist wie ein Lagerfeuer.“ Am Sonntagabend sitzt Deutschland vor dem Fernseher, um sich medial auf Verbrecherjagd zu begeben. Es sei eine Auszeichnung, dabei mitspielen zu dürfen. So empfindet es auch seine Kollegin: „Tatort ist Fernsehgeschichte, die mich begleitet hat.“ Und die sie nun fortschreibt.

Thorsten Falke ermittelt

Keine Konkurrenz beim Tatort

Möhring lacht und macht wieder einen Witz: „Die Titelmusik ist ja von Til Schweiger.“ Ist sie natürlich nicht, sondern von Klaus Doldinger. Gibt es da einen Wettkampf der Tatort-Kommissare? Actionheld Schweiger gegen den Bundespolizisten? „Nee, Til und ich sind befreundet. Es gibt keine Konkurrenz beim Tatort, die Filme sind ja von blasphemisch bis lustig und bitterböse.“ Schauspieler und Regisseur sind sich einig, dass sie keine Psycho-Dramen wollen, „die Ermittlungen sollen im Vordergrund stehen“. Man wolle sich an tatsächlicher Polizeiarbeit orientieren.

Regisseur Yildrim, der inzwischen den dritten Tatort mit Kommissar Falke dreht und der beim ersten der Fälle gemeinsam mit Möhring quasi Geburtshelfer für diese Reihe war, sagt: „Falke ist leicht in seiner Art angelegt, eher mit Sprüchen unterwegs. Er sticht mit seiner Art von Humor hervor.“ Klar, die bekannte Figur entwickle sich weiter. Die Bedeutung des Milchtrinkens sei geblieben. Aber Falkes Sohn soll in weiteren Episoden eine größere Rolle einnehmen.

In Lüneburg agieren die Schauspieler nur eine Handvoll der 21 Drehtage vor der Kamera, die meisten Szenen spielen in Hamburg. Doch die bedeutenden an der Ilmenau. Von der Stadt habe sie in der Nacht wenig gesehen, erzählt Franziska Weisz mit einem Lächeln: „Da gab‘s eine Verfolgungsszene auf dem großen Platz, da gibt es das Eiscafé Venezia.“ Sie meint den Sand. Möhring hatte bis gestern nur kurze Auftritte: „Aber Lüneburg kenne ich, ich war vor Jahren mal bei einer Radtour hier.“

Vielleicht kommen sie einmal wieder, wissen sie noch nicht so genau. Die Mittagspause ist zu Ende – um kurz vor sechs. Zu sehen ist die Episode wohl im kommenden Frühjahr.

Von Carlo Eggeling