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Der 32-jährige Angeklagte (r.) und sein Verteidiger Matthias Rätzlaff werfen vor Prozessbeginn einen Blick in ihre Unterlagen. Foto: lz/be

Mutter musste Schläge einstecken: 31-Jähriger vor Gericht

Lüneburg. Die Adresse an der Heinrich-Böll-Straße ist der Polizeiwache bestens bekannt, in den vergangenen acht Jahren wurden Beamte ein ums andere Mal zum Bockelsberg gerufen, der Grund: Ein heute 31 Jahre alter Lüneburger soll seine Mutter immer wieder bedroht und Geld von ihr gefordert haben. Ein Polizist sagte jetzt vor dem Landgericht Lüneburg: „Der Name tauchte in den vergangenen Jahren immer wieder auf, er soll sich regelmäßig Zutritt zu ihrer Wohnung verschafft haben.“ Nach Angaben einer Nachbarin sei es sogar täglich zu Übergriffen gekommen, schilderte der Beamte.

Name bei Polizei immer wieder aufgetaucht

Seit Dienstag muss sich der seit Mitte Mai in Untersuchungshaft sitzende 31-Jährige vor Gericht verantworten, die Anklage wirft ihm unter anderem besonders schwere räuberische Erpressung und vorsätzliche Körperverletzung vor. Das Motiv: Der Mann brauchte das Geld für Drogenkäufe. Dabei geht der Staatsanwalt allerdings nur von vier Taten aus, begangen im Zeitraum von Juni 2016 bis Mai 2017. Bestätigen sich die Vorwürfe, würde das allerdings voraussichtlich für eine längere Haftstrafe oder eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt reichen.

„Er hat gewusst, sie gibt ihm nur Geld, wenn er sie schlägt oder schubst“, sagte der Staatsanwalt. So auch am 19. Juni 2016, als der Mann laut Ankläger abends seine Mutter aufsuchte, ihr mit Fäusten und der flachen Hand auf den Hinterkopf schlug und mit 40 Euro verschwand. Bei einem zweiten Fall soll er die Wohnungstür gewaltsam geöffnet und wieder zugeschlagen haben, der Frau sei aber die Flucht gelungen, eine Beute habe es nicht gegeben.

Drohung mit Spritze

Zu einem ganz speziellen Drohmittel habe der Mann bei der dritten Tat gegriffen, der Staatsanwalt: Der an Hepatitis C erkrankte Mann verschloss die Wohnungstür von innen, erhitzte eine „Substanz“, zog diese in eine Spritze und drohte seiner Mutter, sie mit der Spritze zu stechen, „damit sie sähe, wie das mit der Krankheit ist“. Zusätzlich gab‘s wieder Schläge auf den Hinterkopf. Die Frau gab ihm 50 Euro.

Der letzte Anklagepunkt: Am 9. Mai 2017 soll er alle Schränke in der Wohnung der Mutter durchwühlt und Geld gesucht haben. Sie habe ihm erzählt, dass sie ihre Schwester anrufen und sie um Geld bitten wolle. Sie rief an, der Ankläger: „Es gab eine Absprache mit der Schwester, ein Codewort.“ So habe die Schwester sofort die Polizei alarmiert. Als die an der Heinrich-Böll-Straße eintraf, sei der Sohn aber über den Balkon geflüchtet.

Der 31-Jährige ließ von seinem Verteidiger Matthias Rätzlaff eine Erklärung verlesen. Nur in einem Fall habe er seine Mutter geschubst und geschlagen, weitere Attacken, ein gewaltsames Eindringen in die Wohnung und das Drohen mit der Spritze leugnet er.

Die Mutter selbst machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Sie saß im Gerichtssaal und folgte der Verhandlung regungslos. Der Prozess wird fortgesetzt. rast