Donnerstag , 22. November 2018
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Natürlich ist diese Haubenlerche hoch oben im Libeskindbau der Lüneburger Uni viel zu groß ins Bild montiert. Aber der geschützte Vogel sorgt weiter für Aufsehen. Der Nabu fragt sich, ob eine halbe Million Euro für die Umsiedlung des Piepmatzes je ihren Zweckerfüllte. Foto: lz/t&w

Immer Ärger mit der Haubenlerche

Lüneburg. Der Betrag war enorm, der Schaden, den die Haubenlerche für die Lüneburger Uni hätte anrichten können, war es aber auch. Denn ohne die Ausgleichsflächen, die von der Leuphana im Jahr 2011 für stolze 500 000 Euro zur Umsiedlung der bedrohten Vogelart angelegt wurden, hätte es womöglich kein grünes Licht für den Libeskindbau gegeben.

Der Naturschutzbund begrüßte damals das Engagement, heute hingegen beklagt er, dass die Stadt nie kontrolliert habe, ob die für eine halbe Million begrünten Dächer auf dem Campus ihren Zweck erfüllen. Und der Nabu fragt, ob die Stadt je die versprochenen weiteren Ausgleichsflächen auf dem Flugplatz geschaffen hat.

Erfüllen die Flächen ihren Zweck?

„Hier wurde vor sechs Jahren etwas angelegt, seitdem ist anscheinend nichts mehr passiert“, sagt Nabu-Vorsitzender Thomas Mitschke. Gemeint sind die begrünten Flachdächer des Hörsaal-Komplexes und der Bibliothek auf dem Uni-Gelände.

Für das neue Zentralgebäude der Uni Lüneburg musste die Haubenlerche weichen. Thomas Mitschke beklagt eine mangelhafte Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen.

Wie berichtet, reagierte die Leuphana damit auf Festsetzungen im Bebauungsplan für die Errichtung des Libeskindbaus, nachdem auf dem betroffenen Areal zwei Haubenlerchen-Pärchen gesichtet worden waren – ein Thema, das damals bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Weil der Vogel auf der roten Liste der bedrohten Tierarten steht, mussten schließlich Ausgleichsflächen geschaffen werden, neben den Uni-Flachdächern auch ein größeres Areal auf dem Flugplatzgelände.

„Das Dach der Bibliothek und die Dächer der Hörsäle sind mit einer extensiven Trockenrasenmischung versehen worden. Die Maßnahme wurde vor Baubeginn vorgenommen“, erklärt die Stadt auf Nachfrage. Die neu angelegten Grünflächen seien damals mit Unterstützung des Nabu mit einer speziell auf die Bedürfnisse der Haubenlerche abgestimmten Kräutersaat versehen worden.
„Wir haben uns die Dächer angeschaut, einen Magerrasen können wir aber nicht erkennen“, sagt Mitschke.

Dort gebe es lediglich Gräser-Vegetation, die sich dort von allein angesiedelt habe. „Hier wurde viel Geld in die Hand genommen, doch ein Monitoring, ob diese Flächen überhaupt noch ihren Zweck erfüllen, findet offenbar nicht statt.“ Zwar erklärt die Uni, dass die Pflege der Dächer zweimal jährlich von der Firma ausgeführt werde, die auch die grünen Dächer angelegt habe, einen Blick auf die Flächen wollte sie dennoch nicht gewähren: „Das Dach ist nicht zum Begehen für Menschen vorgesehen.“

Ausgleichsfläche am Flugplatz fehlt bis heute

Kontrolliert hat die Stadt die Umsetzung bislang jedenfalls nicht, das soll erst noch kommen: „Geplant ist, jährlich den Stand im Hinblick auf das Erreichen der Zielvorgaben zu prüfen und zu dokumentieren“, heißt es. Zu spät, wie Mitschke sagt, der den Vogel dort auch jetzt schon nicht mehr gesichtet hat. Für ihn ist das Vorgehen der Stadt „absolut unverständlich, schließlich hat sie eine Kontrollfunktion“.

Die Kritik des Nabu-Vorsitzenden geht noch weiter, denn die im Bebauungsplan vorgeschriebene Ausgleichsfläche am Flugplatz sei bis heute nicht mal angelegt. Die Stadt bestätigt dies mit Hinweis auf die dort vorhandene „vielfältige Flora und Fauna“: „Der Bestand hätte durch die geplanten Maßnahmen geschädigt oder zerstört werden können.“ Inzwischen seien aber geeignetere Flächen auf dem Gelände untersucht worden, in diesem Winterhalbjahr sollen die Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt werden.

Die Bedeutung des Flugplatzes für die Natur weiß auch Mitsch­ke zu würdigen: „Nur der guten Pflege des Luftsportvereins ist es zu verdanken, dass es dort eine so hohe Artenvielfalt überhaupt noch gibt.“

Das Reizthema Haubenlerche ist für den Nabu-Vorsitzenden ein „Präzedenzfall“, an dem deutlich werde, „dass effektive Kontrollen wegen Personalmangels in den Kommunen häufig gar nicht mehr stattfinden – das stelle ich nicht nur hier fest“.

Von Ulf Stüwe

2 Kommentare

  1. Es scheint sich hier durchaus ein Muster abzuzeichnen: unsere Stadtväter sind an der Oberfläche immer und sofort für die Umwelt und versprechen Vieles, gehalten wird dann aber eher wenig, denn das kostet Geld und Ressourcen. Die Umsiedlung der Rentierflechte im Hanseviertel ist da auch ein gutes Beispiel – das war auch eher nix.

    Ein Schelm, wer böses dabei denkt!

  2. Die Kluft zwischen Recht und Wirklichkeit. Ich hoffe, die Dinension des Problems wird deutlich, ein ständiger schwerer Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz und völliges Versagen der Stadt, die auf Grund von personellen Defiziten ihren Aufgaben nicht mehr nachkommt, in dem guten Glauben, dass das eh keine Konsequenzen hat.