Dienstag , 18. September 2018
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Der Siedlungsbereich Stadtkamp ist das jüngste Wohngebiet in Barendorf. Die Nachfrage nach Wohnraum ist in der Gemeinde, wie in anderen auch, ungebrochen. Foto: lz/be

Wer bewegt sich zuerst fürs Wohnraum-Projekt?

Barendorf. Man kann langsam meinen, Landkreis und Kommunen spielen eine Art Mikado, wenn es um die Schaffung einer Kreissiedlungsgesellschaft (KSG) geht, nach dem Motto: Wer sich zuerst bewegt, verliert. Diesen Eindruck konnte man gewinnen, als am Mittwochabend Lüneburgs Kreisrätin Sigrid Vossers in Barendorf zu Gast war, um im Gemeindeentwicklungsausschuss für das Projekt zu werben.

Schaffung bezahlenbaren Wohnraums im Fokus

Immer wieder hob sie die Vorzüge einer gemeinsamen Wohnungsbau-Organisation hervor und hoffte, dass Barendorf als positives Beispiel für andere Gemeinden vorangehen könnte. „Es fehlt noch die Masse und die Dynamik. Wir brauchen ein Leuchtturmprojekt“, sagte Vossers. Doch Bürgermeister Kay Benson (Bürgerforum Barendorf) sagte: „Wir werden dem Landkreis finanziell nicht entgegenkommen können. Aber der Wille ist tendenziell da.“ Doch der Kreis müsse den ersten Zug machen.

Sinn und Zweck einer gemeinsamen Kreissiedlungsgesellschaft soll die Schaffung bezahlenbaren Wohnraums sein, vor allem in den stark nachgefragten Gebieten im Umfeld der Stadt Lüneburg. Vossers sagte. „Das ist ein Thema für die breite Gesellschaft und nicht nur für Randgruppen.“ Es gehe um öffentlich geförderte Mieten von 5,60 Euro bis sieben Euro pro Quadratmeter für geringe und mittlere Einkommen. Als mögliches Anfangsziel nannte Vossers den Bau von 250 Wohneinheiten innerhalb von fünf Jahren.

Das sei das Minimum, damit sich eine KSG wirtschaftlich tragen könnte. Die Gesamtinvestition schätzt der Kreis auf zunächst mehr als 36 Millionen Euro für fünf Jahre, davon 20 bis 25 Prozent Eigenkapital. „Wenn man pro Jahr 50 Wohneinheiten auf mehrere Gemeinden verteilt, dann wirkt das auch nicht mehr so viel“, sagte Vossers.

Der Vorteil einer KSG wäre, dass Planung, Bau und Verwaltung in den Händen der KSG lägen, und die Kommunen mit der Beteiligung über Grundstücke und Geld dennoch eigene Entwicklungsziele verfolgen könnten. Gleichzeitig würden auch Leerstands- und Mietausfallrisiken bei der KSG verbleiben. Als möglichen Partner in Gestalt eines Bauträgers brachte Vossers zudem die Niedersächsische Landgesellschaft mbH ins Spiel, die auch auf Gemeindegrund schlüsselfertig bauen könnte.

Bürgermeister Benson sagte: „Angenommen, die Gemeinde Barendorf wollte so ein Projekt realisieren. Aber die KSG gibt es noch gar nicht, dann müssten wir also vorher unser Portemonnaie aufmachen.“ Das sei aber nicht möglich, „ohne dass der Kreis vorher anfängt, selbst Geld in eine Gesellschaft zu stecken.“ Vossers sagte: „Es funktioniert nicht mit der Erwartungshaltung, dass der Kreis bezahlt und den Kommunen sagt: Nun macht mal!“ Das müsse von unten aufwachsen, gleichwohl müsse man für nur drei, vier Gebäude noch keine KSG gründen.

Ratsherr Joern Krumstroh (CDU) wollte wissen: „Wenn wir Geld und Grundstücke in eine KSG reingeben würden, was wäre der monetäre Nutzen für die Gemeinde?“ Dazu Vossers: „Das Geld ist dann in der KSG gebunden, aber der Wert des Anteils erhöht sich.“ Grundsätzlich räumte Vossers ein, dass ihre Euphorie in der Sache mittlerweile „etwas gedämpft“ sei, plädierte aber dennoch dafür, einen langen Atem zu beweisen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – gemeinsam.

Von Dennis Thomas