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Ihre Sachen hatte sie zwar gepackt. Die Räumungsklage dagegen ignorierte die Mieterin aus dem Gebiet der Samtgemeinde Elbtalaue so lange, bis der Gerichtsvollzieher vor ihrer Tür stand. Mietpreller treiben manche Vermieter beinahe in den Wahnsinn. Foto: lieske

„Ich ersticke vor Wut“: Wenn Mieter nicht zahlen

Dannenberg. Der Spuk ist zu Ende, der Spuk geht weiter. Eine Vermieterin (Name ist der Redaktion bekannt) aus dem Bereich der Stadt Dannenberg hat es nach drei Jahren der nervenaufreibenden Auseinandersetzungen endlich geschafft, ihre Mieterin aus einer Wohnung zu klagen. Doch es bleiben Probleme: eine Wohnung mit verschimmelten Wänden und Fenstern, Mietrückstände und Hinterlassenschaften.

Die Frau hatte die zurückliegenden Monate über teils zu wenig, teils gar keine Miete mehr gezahlt, die Mietschulden belaufen sich inzwischen auf rund 3 000 Euro, sagt die Vermieterin. Für sie ist das viel Geld, zumal sie die Miete fest für ihren Lebensunterhalt eingeplant hatte. Doch nicht nur die finanzielle Seite machte ihr so sehr zu schaffen, dass sie sich streckenweise dem Zusammenbruch nahe fühlte. Auch die verbalen, teils lautstarken Auseinandersetzungen mit der Hartz-IV-Empfängerin, die in einem Anbau auf ihrem Grundstück lebte, setzten ihr zu, erzählt sie.

Nach monatelangen rechtlichen Auseinandersetzungen, die bis vors Lüneburger Landgericht gingen, rückte kürzlich der Gerichtsvollzieher an. Die Frau ließ es auf dieses Aufeinandertreffen ankommen, hatte am Ende offenbar selbst auf das Anraten ihres eigenen Anwalts nicht mehr reagiert. Sie versuchte sogar noch, lautstark dagegen zu protestieren, ausziehen zu müssen. Doch der Gerichtsvollzieher machte unmissverständlich deutlich, dass er das vom Gericht gesprochene Recht durchsetzen werde, zur Not auch mit der Polizei.

Dazu kam es schließlich nicht. Die Frau packte zwei Rollkoffer und verließ bei strömendem Regen zu Fuß und laut zeternd die Wohnung. Ziel: unbekannt. In der Wohnung ließ sie viele – größtenteils immerhin in Kartons verpackte Gegenstände – zurück. „Die dachte wohl, ein Umzugsunternehmen würde anrücken und ihren Umzug organisieren“, spekuliert die Vermieterin. Einen Monat müssen die Gegenstände nun dort oder in einem Lager bleiben, so lange hat die Frau Zeit, sie abzuholen. Ein Schlüsseldienst tauschte bereits das Türschloss der Wohnung aus, die Vermieterin holte den Sekt aus dem Kühlschrank.

Die Frau hatte zuerst jahrelang in der Wohnung gelebt, ohne dass es Probleme gegeben hatte. Die Miete hatte die Frau von Anfang an vom Jobcenter auf das eigene Konto überwiesen bekommen. Vor rund drei Jahren hatte sie allerdings begonnen, die Miete entweder gar nicht oder nur in Teilen weiterzuleiten und diesen Schritt mit Mietmängeln begründet. Das Gericht sah diese Begründung allerdings nicht als berechtigt an. Die Vermieterin hatte das Jobcenter mehrfach gebeten, einzugreifen und die Miete direkt an sie zu überweisen – ohne Erfolg. Ob die Vermieterin von dem ausstehenden Geld jemals etwas sieht, muss bezweifelt werden.

Annehmen lässt sich dagegen, dass solche Fälle nicht selten sind. Während die Räumung läuft, schaut eine Nachbarin zu, die ebenfalls darauf hofft, mit ihrer Räumungsklage erfolgreich zu sein. Auch ihr Mieter, der auf ihrem Grundstück in einem kleinen Nebengebäude lebt, zahle keine Miete mehr, erzählt sie. Außerdem leben dort laut der Frau inzwischen nicht mehr nur ein Mieter, sondern mehrere Menschen und Tiere auf rund 40 Quadratmetern zusammen. Dabei stehe im Mietvertrag, dass Tierhaltung in der Wohnung nicht erlaubt sei. Doch der Vermieterin zufolge hält ihr Mieter Hunde, Katzen und Kaninchen in der Wohnung.

Auch in diesem Fall habe es im ersten Dreivierteljahr keine Probleme gegeben. Doch vor etwas mehr als einem Jahr sei der Ärger losgegangen. Erst sei der Wasserverbrauch wegen des dauerhaften Besuchs stark angestiegen, seit fünf Monaten zahle der Mieter keine Miete mehr. Auf mehr als 1000 Euro würden sich die Mietrückstände inzwischen belaufen. Die Vermieterin wirkt verzweifelt: „Ich gehe kaputt, ich ersticke vor Hilflosigkeit und Wut.“ Im Juni hat sie dem Mann die fristlose Kündigung ausgesprochen und inzwischen auch Räumungsklage eingereicht. Sie sagt: „Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich meinen Lebensabend so verbringen muss.“

Vermieter-Vertreter raten, Mieter vor der Vertragsunterzeichnung zu prüfen. Helfen kann etwa das Einholen eines Schufa-Eintrages, der Auskunft über die Bonität eines Menschen gibt.

Von Benjamin Piel