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VW hatte Dieselfahrzeuge, die auch das gesundheitsgefährdende Stickoxid ausstoßen, manipuliert. Halter auch aus Lüneburg, die der Nachforderung zu einem Software-Update nicht nachkommen, müssen nun mit dem Widerruf der Zulassung rechnen. Foto: nh

Verkehrsamt fährt die harte Linie

Lüneburg. Rund 2,6 Millionen manipulierte Dieselautos hatte VW in Deutschland auf den Markt gebracht. Die meisten Besitzer folgten der Aufforderung zum Sofort-U pdate beim Fachhändler, also zur Umrüstung. Etwa 260 000 Wagen allerdings rollen noch über die Straßen, bei denen der VW-Trick bei den Stickoxidwerten gegriffen hatte. Die ersten Besitzer solcher Fahrzeuge haben bereits die Stilllegungsbescheide erhalten. Und auch das Straßenverkehrsamt Lüneburg wird wie alle anderen Ämter in Niedersachsen nach einer Order der Landesregierung in Hannover die harte Linie fahren.

„Noch ist keine Zulassung von uns widerrufen worden“, sagt Katrin Holzmann, Pressesprecherin des Landkreises Lüneburg, zu dem das für Zulassungen von Fahrzeugen in Hansestadt und Landkreis Lüneburg zuständige Straßenverkehrsamt Am Spring­intgut gehört. Dass die Behörde hier noch nicht aktiv wurde, hat einen Grund: „Uns liegt noch keine Mitteilung des Kraftfahrt-Bundesamtes mit den betroffenen Wagen vor.“ Also könne auch noch keine Angabe zur Zahl der manipulierten Dieselautos gemacht werden.

Insgesamt rollten Anfang September 121 169 Fahrzeuge mit LG-Kennzeichen über die Straßen, unter ihnen waren mehr als 26 000 Dieselfahrzeuge – eine Zahl, wie viele darunter aus der Produktion des Wolfsburger Unternehmens stammen, gibt es nicht.

Der Hersteller VW hatte die Besitzer aller betroffenen Dieselfahrzeuge angeschrieben und aufgefordert, ihre Wagen zur Umrüstung zum Fachhändler zu bringen. Wer nicht reagierte, erhielt weitere Aufforderungen. Kreissprecherin Katrin Holzmann kennt das weitere Prozedere. „Wer auch diesen nicht folgte, erhielt schließlich die Aufforderung vom Kraftfahrt-Bundesamt.“

Inzwischen sei die Umrüstungsfrist von 18 Monaten nach der ersten Aufforderung verstrichen: „Wir warten jetzt nur noch auf die Mitteilung aus Flensburg, welche Kraftfahrzeuge noch nicht teilgenommen haben.“ Liegt die Liste vor, wird das Lüneburger Amt aktiv, Katrin Holzmann: „Dann erhalten die Halter von uns die Aufforderung, dass sie an dieser Rückrufaktion teilnehmen und uns die Umrüstung durch eine Bescheinigung des Fachhändlers belegen müssen.“ Hier mahnt die Sprecherin des Landkreises: „Geschieht dies nicht, müssen wir als Zulassungsbehörde das betroffene Auto stilllegen.“ Das sei eine bundesweit geltende Vorgabe, die Lüneburger Behörde habe sie über die Landesregierung in Hannover erhalten.

Von Rainer Schubert

Hintergrund: Das Dilemma

Während Niedersachsen die harte Tour ankündigt, reagieren Straßenverkehrsämter in einigen anderen Bundesländern eher verhalten mit der Entziehung von Zulassungen von manipulierten VW-Autos, weil sie Klagen von Kfz-Haltern befürchten. Denn es gibt keine Vorgabe vom Gesetzgeber, keinen Erlass des Bundesverkehrsministeriums.

Es ist noch unklar, ob ein Software-Update ausreicht. Und es gibt bereits Gutachten und Landgerichtsurteile, in denen davon ausgegangen wird, dass diese Nachrüstung den Schadstoffausstoß nicht ausreichend senkt, die Updates würden sogar die Leistung der Wagen vermindern und den Verbrauch und Verschleiß von Fahrzeugteilen erhöhen. Und die Politiker in Berlin diskutieren mittlerweile die Frage, ob allein ein Update ausreiche.

In der Diskussion ist statt nur einer neuen Programmierung die Umrüstung von Autoteilen. Geprüft werden solle die nachträgliche Ausstattung der Dieselautos mit einem Katalysator mit Harnstoffeinspritzung, genannt „AdBlue“.

2 Kommentare

  1. Respekt, dass auf die Betroffenen soviel Druck ausgeübt wird. Und der Betrüger wird nicht bestraft. Typisch Deutschland.

  2. Das ist auch gut: Erst die Autokäufer über den Tisch ziehen/betrügen und dann mit Hilfe der Behörden (!!!) auch noch zu irgendwelchen sinnlosen Updates zwingen….