Donnerstag , 20. September 2018
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Die Erträge der einheimischen Imker sind wegen des ungünstigen Wetters merklich zurückgegangen. Foto: A/lz/t&w

Hartes Jahr für fleißige Bienen

Lüneburg. Honigbienen lieben Wärme. 12 bis 18 Grad müssen es schon sein, damit sie aus ihren Stöcken ausschwärmen, Blüten bestäuben und Nektar sammeln. Und allz u feucht sollte es auch nicht sein. So gesehen, ist es keine Überraschung, wenn 2017 für die Imker in der Region alles andere als ein gutes Honigjahr war. Die Bilanz zogen jetzt Claudia Kutzick, Vorsitzende des Kreis­imkervereins Lüneburg und Honigobmann Ludwig Schwab.

Imker als Lobby der Bienen

„Dabei geht es den Bienen in der Region noch vergleichsweise gut, denn sie haben mit uns Imkern eine Lobby“, sagt Schwab mit Blick auf eine gerade veröffentlichte Studie zum Insektensterben. Die besagt, dass die Masse aller Insekten in den vergangenen 27 Jahren um rund 80 Prozent weniger geworden ist.
Verlustreich war für die hiesigen Bienen allerdings der vergangene Winter, den 30 Prozent der Völker nicht überlebten. Ludwig Schwab: „Und die Völker, die überlebt haben, waren geschwächt.“ Die Verluste konnten im Sommer immerhin durch Bildung von Ablegern ausgeglichen werden.

Es folgte ein nasskaltes Frühjahr, sogar mit Spätfrost, mit der Folge, dass schon die Ausbeute an Frühjahrshonig gering war. „Im Durchschnitt waren das 15 Kilogramm pro Volk, viel weniger als in normalen Jahren, wenn es im Mittel etwa 22 Kilogramm gibt“, sagt Claudia Kutzick.
Das schlechte Jahr setzte sich fort. Auch im Sommer gab es viel Regen, die Temperaturen waren alles andere als angenehm. Die Folge: Der Honigertrag war vergleichsweise noch schwächer als im Frühjahr: 10 Kilogramm pro Volk, rund 50 Prozent weniger als normal.

Zehn Prozent der Imker gehen in die Heide

Viel aufwändiger als in Stadt und Land ist die Imkerei in Heidegebieten. Ludwig Schwab: „Deshalb gehen auch nur rund zehn Prozent der Imker in die Heide.“ Und auch hier waren die Erträge in diesem Jahr schlecht: Ganze 5 Kilogramm pro Volk statt der sonst möglichen rund 10 Kilogramm. Auch in den Heidegebieten herrschte in diesem Jahr alles andere als gutes „Flugwetter“ für Honigbienen, kleine Blütenstände und viele Spinnennetze machten ihnen zusätzlich die harte Arbeit schwer.

Weiterhin „verlagert sich der Schwerpunkt der Bienenhaltung vom Land in die Stadt“, hat Ludwig Schwab beobachtet, der seit fast 40 Jahren „im Geschäft“ ist. Als Gründe nennt er die „Armut von Blütenpflanzen in ländlichen Regionen“, die industrialisierte Landwirtschaft, die Verwendung von Giften wie Glyphosat und Neonikotinoiden.
Das öffentlich geförderte Blühstreifenprogramm habe, sagt Schwab die Lebensgrundlage aller Insekten, einschließlich der Honigbienen, stabilisiert. „Besonders in der Region Nordostniedersachsen wird das gut umgesetzt.“

Die Blühstreifen geben Pollen, die Grundlage für den Fütterungsaft, mit dem die Ammenbienen die Brut der Überwinterungsgeneration aufziehen. Menge und Qualität des Pollens sind entscheidend für die gute Überwinterung und die Frühjahrsentwicklung.

Verein plant neue Lehrgänge

Bei allen Schwierigkeiten für ihre emsigen Honigproduzenten sehen die Imker auch positive Entwicklungen. Etwa die große Zahl an Linden, die in den vergangenen Jahren durch die Stadt Lüneburg gepflanzt wurden. In die vom Landkreis geplante Aktion, im kommenden Frühjahr Saatgutmischungen von Blütenpflanzen zu verteilen, wird sich der Verein fachlich einbringen.
Und das Imkern boomt weiter: Allein 55 Nachwuchsimker konnte der Kreisimkerverein in diesem Jahr neu ausbilden. „Das Imkern ist eine vielseitige Freizeitbeschäftigung“, erklärt Claudia Kutzick den Zulauf. „Zum Beispiel beobachtet man die Natur viel intensiver. Und man tut etwas für die Umwelt.“ Auch für 2018 sind neue Lehrgänge geplant.

Von Ingo Petersen

One comment

  1. Wie sieht eigentlich die Belastung mit Pyrrolizidinalkaloiden im Landkreis aus?
    Seit Jahren ist die starke Ausbreitung des Jakobs Kreuzkrautes im LK zu beobachten, untersucht der Verein die Belastungen?