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Die Bahn hat den Antrag auf „Freistellung von Bahnbetriebszwecken“ für die Strecke Dannenberg-Uelzen zurückgezogen. Doch das ist nicht die einzige Überraschung in dieser Sache. Foto: lz/rg

Bahn will Strecke doch nicht freistellen

Dannenberg. Mit Händen und Füßen hatten sich die betroffenen Kommunen und Eisenbahn-Enthusiasten gewehrt. Mit allen Mitteln wollten sie verhindern, dass die Bahn die Hoffnung auf eine Revitalisierung der Bahnstrecke Dannenberg-Uelzen endgültig beerdigt, indem sie die Strecke „von Bahnbetriebszwecken freistellt“, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt. Genau das hatte die Bahn beziehungsweise die dafür zuständige DB Netz nämlich vor, und darüber hatte sie die Kommunen auch informiert – aber vermutlich nicht mit einem derart massiven Widerstand gerechnet.

Denn gleich mehrere Kommunen kündigten an, Widerspruch gegen die Bahnpläne zu erheben, etwa die Stadt Dannenberg – und dieser Druck hat nun gewirkt: Die Bahn habe Abstand von ihrem Vorhaben genommen, heißt es jetzt von der Samtgemeinde Elbtalaue. Ein entsprechendes Schreiben sei vor wenigen Tagen eingegangen, teilt Bürgermeister Jürgen Meyer (parteilos) mit. Es darf also weiter geträumt werden von einer Schienenverbindung zwischen Dannenberg und Uelzen. Und es können weiter Pläne geschmiedet werden.

Pläne etwa, wie es sie in Dannenberg gibt. Dort will nämlich ein Unternehmen versuchen, zumindest erst einmal Güter auf die Strecke nach Uelzen zu bringen. Landwirtschaftliche Produkte wie Kartoffeln oder Zuckerrüben oder auch Holz. Rückenwind dafür bekommt das in Gründung befindliche Unternehmen nicht nur aus Dannenberg, sondern auch aus den Gemeinden Zernien und Karwitz, wo die politischen Gremien sich auch für den Erhalt der Bahnstrecke, gegen eine Freistellung und für eine künftige Nutzung ausgesprochen hatten.

#„Das war eine konzertierte Aktion, die Erfolg gezeigt hat“, freut sich Jürgen Meyer, und auch Karwitz‘ Bürgermeister Horst Harms (CDU) ist „froh, dass das nun doch erst mal nicht weitergeht mit der Entwidmung der Strecke.“ Das stellte er am Rande der jüngsten Sitzung des Elbtalaue-Samtgemeinderates in Hitzacker heraus.

Schützenhilfe für all jene, die die Bahnstrecke gern erhalten möchten, kommt auch von gänzlich unerwarteter Seite: vom Naturschutz. Und zwar von jenem des Landkreises Uelzen. Das dortige Umweltschutzamt hat nämlich untersagt, im Bereich der Gemeinde Oetzen die Bahnstrecke komplett zurückzubauen, also die Schienen zu demontieren, die Schwellen auszubauen, das Schotterbett zu entnehmen und den Bahndamm einzuebnen.
Genau das hatte man in Oetzen nämlich vor, auf einer Länge von mehr als vier Kilometern, um – unter anderem – landwirtschaftliche Flächen miteinander zu verbinden und Platz zu schaffen für die Erweiterung eines bestehenden Gewerbegebietes.

Doch daraus wird nichts, denn auf der Bahntrasse und im Schotter unter den Gleisen leben besonders geschützte Tiere, unter anderem Zauneidechsen und andere Reptilien, die unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes stehen. Lediglich die Demontage der Schienen sei möglich, heißt es auf EJZ-Nachfrage aus dem Uelzener Kreishaus. „Alles andere muss so bleiben, wie es ist“, teilt das dortige Umweltamt mit.

Das heißt allerdings auch: Neben der Instandsetzung der bereits teilweise demontierten und fast überall zugewucherten Strecke gäbe es eine weitere Hürde für eine mögliche Wiederinbetriebnahme, nämlich genau dieselbe, die jetzt den Abbau des Gleiskörpers verhindert.

Der besondere naturschutzfachliche Wert des Bahndamms und des Gleisbettes habe sich ja entwickelt, weil auf der Strecke kein Zugverkehr mehr stattfindet, heißt es aus dem Uelzener Umweltamt. Daher könnte der Naturschutz auch einer Wiederbelebung des Bahnverkehrs auf der Strecke entgegenstehen. Womöglich – das gelte es zu prüfen.

Von Rouven Groß