Donnerstag , 20. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | Hortensien-Diebe schlagen erneut zu
Auch im Garten von Rolf Baudorff sind die Knospen von Hortensien abgeschnitten worden, nicht zum ersten Mal. Foto: lz/t&w

Hortensien-Diebe schlagen erneut zu

Vögelsen/Lüneburg. Unbekannte waren dieser Tage in mehreren Privatgärten in Vögelsen auf Beutezug und ernteten bei Hortensien-Sträuchern die bereits ausgebildet en Knospen ab. Man sagt der Gartenpflanze eine ähnlich berauschende Wirkung nach wie Cannabis, tatsächlich warnen aber Experten vor schweren Vergiftungen. Rolf Baudorff, einer der betroffenen Gartenbesitzer, sagt zu dem Hortensien-Diebstahl: „Uns ist das schon drei-, viermal passiert, normalerweise im Frühjahr. Aber zuletzt hatten wir zwei Jahre Ruhe. Bis jetzt. Wir dachten, die Diebe wären aus dem Alter raus.“ Die LZ hat bei Polizei sowie Apothekerverband nachgefragt, was von den Hortensien-Diebstähle zu halten ist.

Kai Richter, Sprecher der Polizeiinspektion Lüneburg, sagt auf LZ-Nachfrage: „In der Vergangenheit hatten wir immer wieder solche Fälle. Aber das war jetzt lange kein Thema mehr.“ Allerdings könne man über die Dunkelziffer nur spekulieren, da nicht jeder solche Fälle bei der Polizei melde. Auch der Betroffene Baudorff sagt, dass er wegen der abgeknipsten Knospen nicht die Polizei alarmiert habe. „Die haben doch auch Besseres zu tun“, sagt er. Gleichwohl: Wer in fremden Gärten unerlaubt auf Beutezug geht, begeht kein Kavaliersdelikt. Polizeisprecher Richter sagt: „Da bewegen wir uns strafrechtlich im Bereich des Hausfriedensbruches, des Diebstahls und der Sachbeschädigung.“

Allerdings: Das Rauchen oder anderweitige Konsumieren von Hortensien-Bestandteilen fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Richter: „Genauso gut könnten Sie eine Sonnenblume oder Thymian abschneiden und rauchen.“ Rein rechtlich gesehen. Unter Gesundheitsaspekten sei es aber eine ganze andere Nummer, denn das Rauchen von Hortensien-Bestandteilen setzt Blausäure frei, die das menschliche Nervensystem schädigen kann.

Katharina Gonzales, Vorsitzende des Bezirks Lüneburg beim Landesapothekerverband Niedersachsen, sagt auf LZ-Nachfrage: „Oft werden Hortensien-Blüten, Blätter oder Triebe von Marihuana- und Haschischkonsumenten als Ersatzdroge genutzt, weil sie angeblich eine ähnliche Wirkung besitzen. Dass das wirklich so ist, wird aber von Wissenschaftlern angezweifelt. Bisher gibt es keinen Nachweis über einen Wirkstoff, der psychotropisch, also aufs Gehirn, einwirkt.“ Möglicherweise beruhe die berauschende Wirkung, die Kiffer beim Hortensien-Konsum verspürten auch nur auf einem Placeboeffekt. Dennoch kann der Konsum gefährlich sein, warnt auch Apothekerin Gonzales.

Gonzales sagt: „Hortensien beinhalten Blausäure-Verbindungen. Es besteht beim Konsum die Gefahr einer Cyanid-Vergiftung.“ Das Cyanid bindet sich an das dreiwertige Eisen im Blutkreislauf und verhindert damit den Sauerstofftransport. „Die Zellatmung wird unterbunden, die Folge kann eine Form der inneren Erstickung sein.“ Dabei werde das gasförmige Cyanid beim Rauchen bereits über die Mundschleimhaut aufgenommen. Gonzales sagt: „Was vielen nicht klar ist: Das kann einmal gut gehen, und beim nächsten Mal geht es schief. Der Blausäuregehalt bei Pflanzen ist schließlich niemals gleich.“

Auf jeden Fall abgenommen hat der Anteil der Knospen in den Hortensien-Sträuchern von Rolf Baudorff. Was ihm bleibt, ist der Ärger über den Gartenfrevel: Normalerweise erstrahlen ab Frühjahr die blütenbesetzten Dolden in leuchtendem Violett, Rosa oder Blau. Doch ohne Knospen wird das nichts mehr. Baudorff sagt: „Nächstes Jahr können wir uns nur noch an den unterschiedlichen Grünfärbungen der Blätter erfreuen.“

Von Dennis Thomas