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Die Kirchenkreisbeauftragte für das Reformationsjubiläum, Pastorin Silke Ideker, zieht zusammen mit ihrem Mann, Pastor Olaf Ideker-Harr, und den Gesprächspartnern in St. Johannis ein. Foto: lz/t&w

Die Kirche fühlt einen starken Rückenwind

Lüneburg. „Die Resonanz war deutlich größer als erwartet, einfach überragend.“ Damit meint Christine Schmid, Leitende Superintendentin im Evangelisch-lutherisch en Kirchenkreis Lüneburg, nicht nur den Festgottesdienst am Reformationstag in St. Johannis, sondern auch alle Gottesdienste am Dienstag und die mehr als 200 Veranstaltungen im Vorfeld aus Anlass des Jubiläums 500 Jahre Reformation. „Wir haben die Begeisterung für Kirche und Glauben gespürt. Wir haben Rückenwind erhalten, um neue Menschen für Kirche zu gewinnen – es ist ja kein Gesetz, dass man immer kleiner wird.“ Ihre positive Bilanz: „Wir haben gespürt: Auch als Kirche mit weniger Mitgliedern sind wir eine starke Kirche aus engagierten Menschen. Glaube gibt Halt, Gemeinschaft und Sinn, kann dazu auch richtig Spaß machen, wie die gute Laune bei den Festveranstaltungen zeigte.“

Es gab im Reformationsjahr auch ungewöhnliche Veranstaltungsformate, etwa St. Nicolai als Wandelkirche oder St. Michaelis mit einem umfangreichen Musikprogramm. Beispiele für die Zukunft? Dazu sagt Christine Schmid: „Wir werden auswerten, ob wir, wenn wir die Kirche für solche Formate öffnen, auch Menschen ansprechen, die mit den klassischen Sonntagsgottesdiensten nichts anfangen können, für die sie nicht attraktiv sind. Wir haben so viel Kreativität gezeigt – das werden wir sicher nicht zurückschrauben.“ Die Kirche brauche aber Kontinuität: „Die alte Kirchenmusik beispielsweise hat sich bewährt, aber es soll auch neue Musik einfließen in frische, zeitgemäße Gottesdienste.“

Allerdings macht die Superintendentin klar: „Wir werden keine Event-Kirche, die bei Veranstaltungen nur noch von Höhepunkt zu Höhepunkt hoppt. Denn es geht uns um Lebensbegleitung. Die braucht Kontinuität und Angebote, wo Menschen auch eine offene Tür finden, wenn sie nicht in Eventstimmung sind. Außerdem sind auch die Stille wichtig und das vertraute Gespräch.“ In Glaubensdingen geht es nicht nur um Erlebnisse, sondern auch darum, sie zu vertiefen: „Man muss immer wieder zu sich und dadurch auch zu Gott kommen können. Und: Religion braucht immer auch Bildung, das heißt Zeit und Kontinuität, wiederkehrende Formen wie den Sonntagsgottesdienst. Wie er noch frischer und sicher auch zeitgemäßer werden kann, daran werden wir weiter arbeiten.“

Eine ganz besondere Aktion zum 500-jährigen Reformationsjubiläum war am Reformationstag um 23.59 Uhr geschafft: Eine Minute vor Mitternacht endete die kleine Andacht in der Dahlenburger St. Johanneskirche als Abschluss des „Bibelmarathons“ der Kirchengemeinden Dahlenburg und Nahrendorf. Die Lesung selbst war um 23.30 Uhr zu Ende gewesen.
Insgesamt 220 Männer, Frauen und Jugendliche aus der Region hatten seit Freitag, 18 Uhr, die komplette Bibel, von der ersten bis zur letzten Seite, vorgelesen. Die meiste Zeit in Dahlenburg, zwischenzeitlich auch für 24 Stunden in Nahrendorf. Pastor Christian Gohde: „Bis auf einen Fall, als jemand vom Team einspringen musste, haben alle angekündigten Leser ihre Zeiten eingehalten.“

Insgesamt mehr als 101 Stunden dauerte die Non-Stop-Lesung von Neuem und Altem Testament, immer waren auch Zuhörer in den Kirchen – in der Nacht natürlich weniger als am Tage. „Große Freude und Erleichterung“ sei das Gefühl bei denen gewesen, die die Aktion vorbereitet, begleitet und mitgemacht haben, berichtete Pastor Gohde.
Weitere Infos zur Reformation gibt es in einem LZ-Multimedia-Projekt unter www.landeszeitung.de/luneburg-zur-reformation. rast/pet

One comment

  1. Andreas Janowitz

    „…um neue Menschen für Kirche zu gewinnen…“ Ganz genau für die Kirche, die Institution. Nicht den Glauben.
    „Reformation“ bedeutet „Erneuerung“, aber selbst der Jesuiten-Pabst ist „erneuerter“, als der in vielen Bereichen „ultra-katholik“ Luther seiner Zeit.

    Was soll es bringen das blutrünstige, alte Testament ein weiteres mal sinnentlehrt zu rezitieren? Wer das jemals gelesen hat, kann von dessen Primitivität nur abgestossen sein! Es spiegelt den Stand der Wissenschaft einer Zeit wider, als einer von 10.000 des Lesens mächtig war? Als Bücher mit Geschichten von vergangenen der Nekromatie nahe standen? Als dem Wild nicht derart viel Lebensraum streitig gemacht wurde, so dass 350kg Keiler normal waren. Einem knapp 1,5m messenden Spätsteinzeilter als Gigant erscheinend? Es brauchte wohl einen wahren Herkules einen ebenso gigantischen „nemeischen“ Löwen zu besiegen?

    Der einzig wahre Kern des alten Testaments ist wohl die Sinnflut. Die Überflutung von der Becken, die heute „persischer Golf“ und „schwarzes Meer“ genannt werden. Jener uralten eurasischen Saga, die alle übriggebliebenen teilten. Jener Erzählung, die den Unbill der Zeitalter überdauern konnte eben weil so viele Menschen sie erlebten? Weswegen anscheinend auch ein „Gilgamesch von Uruk“ ebendiese erleben konnte. Tausende von Jahren bevor die Erben der ägyptischen Sklaven, der ersten Dynastie entflohen, diese in ihre Zaubersprüche einfangen konnte. Zu einer Zeit, als die alten Ägypter, in ihrem eignen Eifer, den Himmel auf die Erde, den Gürtel des Orion in die Ebenen von Gizeh, meisselten.

    In der Kirche habe ich niemals etwas von diesem wahren Glauben gehört. Nur sinnentlehrtes Geschwätz, was jetzt gerade die Feinde der Neuzeit antreibt. Mit stolzer Brust wird dort „das Wort Gottes“ verkündet.
    Jene wahre Worte, die alles möglich machen.
    Jener wahre Stolz, der den grössten unter seinesgleichen zu Fall bringt.

    Und nein, ich meine natürlich nicht die ungebildeten Spinner von der Syrte.