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Wer wirft hier den Rettungsring und geht vor Anker? Das ehemalige Kinderheim an der Altenbrückertorstraße. Foto: lz/t&w

Poker um altes Kinderheim geht in Runde zwei

Lüneburg. Die Diskussion um den Verkauf des Kinderheims an der Altenbrückertorstraße geht weiter. Der abgesprungene Kaufinteressent erklärt, dass zusätzliche Ko sten aufgetaucht seien und dass die Stadt auf seine Einwände hin die Ausschreibung angepasst habe: „Das Exposé war fehlerhaft.“ Allerdings hat die Stadt im Verfahren die Punkte offengelegt. Als es keine Einigung gab, brach das Rathaus die Verhandlungen ab und schrieb das Objekt neu aus.

Wie berichtet, will die Stadt das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, das seit Kriegsende als Kinderheim genutzt wurde, veräußern. Sie möchte eine halbe Million Euro erzielen, zudem soll der Käufer die zur Ilmenau abgesackte Kaimauer sanieren. In einem vier Jahre alten Gutachten wird der Preis mit 381 000 Euro veranschlagt; es dürfte eher teurer geworden sein.

Der abgesprungene Interessent moniert zwei Punkte: die Erschließung und die Sanierung. Vom Garten des 1600 Quadratmeter großen Grundstücks sollen Parkflächen abgeknapst werden. Zudem muss der Garten erreichbar sein, um die Kaimauer zu sanieren. Allerdings besitzt die Liegenschaft keine eigene Zufahrt. Ein Weg, der parallel zum Grundstück verläuft, gehört zu einem Grundstück an der Schießgrabenstraße. Und dessen Eigentümer wolle für ein Wegerecht sehr viel Geld haben.

Der sagt: „Ich muss eine Baulast auf den Weg eintragen lassen, das lasse ich mir bezahlen. Außerdem dürften die schweren Baumaschinen den Weg kaputtfahren.“ Also habe er eine Summe von 90 000 bis 100 000 Euro gefordert: „Allein 30 000 Euro, um den Weg anschließend zu sanieren. Ich will das vorher klären, um hinterher keine Diskussionen zu haben. Das habe ich aber alles im Vorfeld mit dem Interessenten besprochen.“ Er selber habe sich auch für das Haus interessiert und schätzt: Wolle man die Auflagen der Stadt erfüllen und das Haus herrichten, komme man auf eine Investition von 1,8 bis zwei Millionen Euro.

Der abgesprungene Interessent wiederum hat mit der Stadt nachverhandelt. Nach seiner Aussage habe die Stadt eingeräumt, dass man den Zugang zum Haus ändern könne: Die Treppe, die an der Seite des Gebäudes liegt, könne in Teilen abgerissen werden, dann wäre die Zufahrt gegeben. Auch ein Zugang über den Garten sei möglich. Das erstaunt, weil das Haus ja unter Denkmalschutz steht.

Aus dem Rathaus heißt es dazu: „Die Treppe kann in Absprache mit der Denkmalpflege schmaler gemacht werden.“ Ihr Bestand sei nicht so prägend.
Der zweite Punkt ist die Ufermauer. Die ist laut einer Expertise auf Eichenpfählen gegründet. Sie wieder herzustellen, ist aufwändig. Der Kaufinteressent, selber Ingenieur, hält das vorgegebene Verfahren für nicht zielführend. Das Wurzelwerk einer großen Rotbuche, die als erhaltenswert gilt, würde durch diese Vorgehensweise geschädigt. Besser wäre es, den Garten zum Ufer auslaufen zu lassen. Günstiger sei es auch.

Allerdings gehört die Einfassung der Ilmenau zum Stadtbild und gilt als erhaltungswürdig. Die Stadt erklärt dazu, dass die Sanierung eben ein Teil des Kaufvertrages ist: „Ansonsten könnte der Preis ja höher liegen.“

Im zweiten Bieterverfahren seien einige Angebot im Rathaus eingegangen, sagt Sprecherin Suzanne Moenck. Alle würden die „Bedingungen“ augenscheinlich akzeptieren. Auch der Kaufinteressent, der erst nicht wollte, macht nach eigener Aussage wieder mit.

Von Carlo Eggeling