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Im Prozess um den Zeitungsausträger deutet sich eine neue Entwicklung an. Opfer und Angeklagter hatten vermutlich öfter Streit. Foto: A/lz/be

Zeitungsausträger-Prozess nimmt neue Entwicklung

Lüneburg. Die Staatsanwaltschaft legt dem Zeitungsausträger einen Mord zur Last. Doch ob der Vorwurf trägt, scheint fraglich. „Ob hier tatsächlich, wie angeklagt, entschieden wird, ist mit einer gewissen Zurückhaltung zu sehen“, sagte Franz Kompisch am Freitag. Der Vorsitzende der 4. Großen Strafkammer meinte damit die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe. Denkbar wären dann Totschlag oder gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge.

Wie berichtet, muss sich ein 42-Jähriger vor dem Landgericht verantworten. Er soll am 1. April in Oedeme einen Kunden niedergestochen haben. Dabei soll der Streit um die unregelmäßige Zustellung der Lünepost Anlass der Tat gewesen sein.

An dieser Darstellung und Aussagen der Familie des Opfers hat die Kammer offensichtlich große Zweifel. Die Angehörigen schildern den 51-Jährigen als besonnenen Mann, der zuvor keinen ernsten Streit mit dem Austräger gehabt habe und den Konflikt am Tattag habe ruhig lösen wollen. Gestern und auch zuvor sagten Zeugen aber aus, dass die Männer zuvor sehr wohl aneinandergeraten seien. Auch Zwist um Hunde von Angeklagtem und Opfer soll es gegeben haben.

Die Linie der Verteidigung scheint klar: Sie versucht darzulegen, dass sich ihr Mandant in einer Notwehrsituation befunden habe. Entsprechend befragte sie gestern den gerichtsmedizinischen Gutachter. Der sagte aus, dass das Opfer verblutet sei. Es habe zwei größere Stichverletzungen gegeben, eine in den Rücken. Das Messer habe die Lunge „durchbohrt“. Zudem wies das Opfer Schürfwunden und kleinere Schnittverletzungen auf. Die Verteidiger wollten wissen, ob das Opfer zugeschlagen haben könnte. Der Mediziner antwortete, auszuschließen sei das nicht. Er sah aber „Abwehrverletzungen“.

Ein Aspekt interessierte die Juristen weniger: Bei der Notfallversorgung im Krankenhaus legten Ärzte eine Drainage, die aufgrund einer Vorerkrankung zu einer weiteren Verletzung und Blutverlust führte. Keiner stellte die Frage, ob der Eingriff eine Rolle für den Zustand des Opfers spielte. ca