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Rund 600 Wildbienenarten sollen in Deutschland leben – die Hälfte davon steht auf der Roten Liste. Foto: nh

„Wildbienen – hoch bedroht und unverzichtbar“

Lüneburg. Rund 600 Wildbienenarten sollen in Deutschland leben – die Hälfte davon steht auf der Roten Liste. In seinem Referat „Wildbienen – hoch bedroht und un verzichtbar“ hat der Umweltwissenschaftler Manuel Pützstück jetzt die Bundeswehrjägerkameradschaft Lüneburg und ihre Gäste über die ökologische Bedeutung der kaum stechenden Spezies informiert. Pützstück ist Mitarbeiter der Deutschen Wildtier Stiftung, die 2015 in Hamburg ein bedeutendes Wildbienen-Schutzprojekt ins Leben gerufen hat.

Wildbienen sind leistungsfähige Bestäuber, berichtete Pützstück. Sie sammeln keinen Honig wie die domestizierte Biene, sind aber dennoch sehr anspruchsvoll hinsichtlich ihrer Nahrungsquellen: Einige Arten sammeln die Blütenpollen mehrerer Pflanzenfamilien, andere sind auf wenige Pflanzen spezialisiert oder ausschließlich auf eine einzige spezielle Art angewiesen. Steht nun eine typische Pflanzenart nicht mehr zur Verfügung, stirbt die entsprechende Wildbienenart aus.

Für Wildbienen einen geeigneten Lebensraum zu schaffen, ist bereits im eigenen Garten möglich, erklärte Pützstück. Wildbienenvielfalt erreiche man allerdings nicht mit immergrünen exotischen Pflanzen. „Wir fördern das Nahrungsangebot, wenn wir in einigen Gartenecken Disteln oder sogenannte ‚Unkräuter‘ als Nahrung über die gesamte Vegetationsperiode anbieten. Auch können wir auf ein hohes Angebot einheimischer Pflanzen zurückgreifen.“

Zusätzlich zum Nahrungsangebot sei es außerdem ratsam, Nisthilfen für die Wildbienen zu schaffen. „Die Insekten suchen ihre Unterkünfte im Boden, hohlen Stängeln, in Hecken oder im Altholz. Außer Hummeln leben die anderen Wildbienenarten solitär“, so Pützstück. Diese einzeln existierenden Wildbienen legten während ihres vier bis achtwöchigen Lebens Nester an. Darin befinden sich die mit Pollen und Nektar gefüllten Brutzellen, aus denen später die jungen Wildbienen entstehen, nachdem in jede ein Ei gelegt wurde.

Ein neuer Lebenszyklus könne aber nur beginnen, wenn ausreichend Nahrungsangebote zum Überleben vorhanden sind, sagte der Umweltwissenschaftler und betonte: „In den Gärten steht der Verzicht auf Pestizide daher an erster Stelle. Denn Schädlingsbekämpfungsmittel vernichten Wildbienen und ihre Nahrung.“ Das habe zur Folge, dass es immer weniger Obst gibt.
Anhand von Beispielen zeigte der Referent, wie Nisthilfen aufgestellt werden. Damit künstliche Nistelemente von den Wildbienen auch angenommen werden, sei es wichtig, sie deren Lebensweise anzupassen. „So kommt zum Beispiel ein trockener, nach Süden ausgerichteter Standort infrage“, erklärte Pützstück. In einer natürlichen Umwelt sei davon auszugehen, dass bei einem ausreichenden Nahrungsangebot die Wildbienen mit ihren „Fressfeinden“ im ökologischen Gleichgewicht leben.

Um der fatalen ökologischen Entwicklung entgegenzusteuern, wurde für die Landwirtschaft ein Förderprogramm aufgelegt. Mit „Blühstreifen“ sollte für die Wildbienen eine bessere Lebensgrundlage geschaffen werden. Diese Maßnahme wurde in einer anschließenden Diskussion erörtert. Hier gelte es nachzubessern, betonte der Referent. Außerdem riet er, die Blühmischungen zu überprüfen und heimisches Saatgut zu verwenden. lz