Mittwoch , 19. September 2018
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Ingrid und Ingo Rosenberg haben sich in Groß Banratz ihren Traum vom Landleben erfüllt. Nun wollen sie Platz machen für einen neuen Traum: ein generationsübergreifendes Ökodorf. Foto: lz/t&w

Alternative Wohnprojekte: Von der Vision eines Ökodorfs

Groß Banratz. Sie kamen 1992 mit einer Vision. Auf Hof Banratz – einer ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) im einstigen Sperrgebiet an der Elbe – wollten Ingo und Ingrid Rosenberg Landwirtschaft im Einklang mit der Natur betreiben, Pferde züchten, Rinder halten, glücklich werden fernab von der Stadt. Manches davon gelang ihnen, mit anderem scheiterten die ehemaligen Unternehmer aus Hamburg, „immer wieder haben wir uns neu erfunden“, sagt Ingo Rosenberg. Inzwischen ist er 73 und seit Kurzem Teil einer neuen, großen Vision für Groß Banratz (Amt Neuhaus): dem Umbau des Hofes zu einem Ökodorf.

Warten auf Grünes Licht

Noch ist die Zukunft des Projektes nicht ganz sicher, warten die Planer der neuen „Hofgemeinschaft Groß Banratz“ auf grünes Licht der Behörden. Im Sommer 2016 hatten sie Rosenbergs zum ersten Mal von ihrer Vision berichtet, im Dezember mit ihnen konkrete Pläne zum Kauf des Hofes geschmiedet, am 25. Oktober hat der Bauausschuss der Gemeinde Amt Neuhaus ihrem Antrag auf Aufstellung eines vorhabenenbezogenen Bebauungsplans einstimmig zugestimmt. „Bis Ende des Jahres“, hofft Rosenberg, „haben wir Sicherheit.“ Der Moment, sich einmal mehr neu zu erfinden.

Er selbst hat sich mit seiner Frau vor einigen Jahren entschieden, kürzer zu treten und den Hauptbetrieb zu verkaufen. „Unsere Kinder haben kein Interesse an dem Hof“, sagt er, „und wir würden gerne für uns, die Pferde, Schweine und Rinder auf der benachbarten Streuobstwiese ein neues Refugium schaffen“. Die Gründung einer neuen Hofgemeinschaft „wäre für uns eine wunderbare Sache“, sagt er. „Das Konzept hat uns auf Anhieb überzeugt.“

Entwicklungschance für die Gemeinde

Vorgestellt hat die „Wir sind Dorf Landkultur GmbH“ ihre Pläne vor kurzem auch dem Rat der Gemeinde. „Und wir sind einstimmig der Meinung, dass dieses Projekt eine Entwicklungschance für unsere ganze Gemeinde ist“, sagt Bürgermeisterin Grit Richter. Noch müssten zwar einige planungsrechtliche Voraussetzungen geschaffen, Neubauten im Biosphärenreservat genehmigt werden. „Das ist in diesem sensiblen Gebiet nicht ganz einfach, aber uns ist allen daran gelegen, dass es etwas wird.“

Rund 20 Menschen sollen in Zukunft in der generationsübergreifenden Gemeinschaft Hof Banratz leben und arbeiten, auf rund 30 Hektar Gartenbau, Landwirtschaft und Viehzucht betreiben. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Wohn- und Stallgebäuden müssten dafür weitere Häuser gebaut werden. Konkret geplant sind ein Wohn- und Gemeinschaftshaus, ein weiteres Wohnhaus sowie für den Gartenbau und den landwirtschaftlichen Betrieb notwendige Anlagen wie ein Gewächshaus. Auch eine Pilzzucht ist vorgesehen, ein Teil der LPG-Gebäude soll abgerissen werden.

Weitestgehende Selbstversorgung als Ziel

Ziel des Konzeptes ist es laut Verwaltungsvorlage, „dass die geplante ökologische Landwirtschaft mit zugehörigen wertschöpfenden handwerklichen Veredelungen (Manufakturen, z.B. Käserei) es der gemeinschaftlich lebenden Hofgemeinschaft ermöglicht, eine weitestgehende Selbstversorgung mit Lebensmitteln für die Betreibergemeinschaft und das regionale Umfeld zu gewährleisten“. Wissenschaftlich begleitet werden soll das Projekt unter anderem von der Technischen Universität Hamburg, der Fachhochschule Flensburg und der Bergischen Universität Wuppertal.

Die Projektentwickler aus Buchholz in der Nordheide wollen sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht weiter zu ihren Plänen äußern. „Erstmal müssen wir abwarten, ob es wirklich etwas wird“, sagt Günther van Ravenzwaay. Ingo Rosenberg indes ist hoffnungsvoll. „Groß Banratz war 1940 mal ein Dorf mit 60 Menschen, dann schrumpfte es zusammen auf einen landwirtschaftlichen Betrieb.“ Rosenberg grinst. „Da wird es Zeit für ein neues Dorf Groß Banratz.“

Von Anna Sprockhoff

Weitere Wohnprojekte aus der Region: Eine neue Bewegung

Alternative Wohnprojekte entstehen aktuell in verschiedenen Orten in der Region. In Lemgrabe zum Beispiel entwickelt sich auf dem Hof Petersen die generationsübergreifende Gemeinschaft „Hofleben“, aufbauen möchten die Initiatoren um Hoferbin Antje Petersen ebenfalls eine solidarische Landwirtschaft.

Nicht weit entfernt in Harms­torf bei Dahlenburg wächst ein weiteres solidarisches Wohn- und Gemeinschaftsprojekt unter dem Titel „Mittendrin Leben“. Dort sind die ersten Bewohner bereits eingezogen. Das wohl größte alternative Wohnprojekt ist derzeit in Hitzacker geplant: Dort wollen Idealisten das Dorf der Zukunft bauen – mit 100 Jungen, 100 Alten und 100 Flüchtlingen.

Das passt dort nicht jedem, in der Nachbarschaft sammeln Gegner des Projektes Unterschriften.