Donnerstag , 20. September 2018
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Aus der Ostumgehung soll die Autobahn A 39 werden. In diesem Bereich könnte sie in einem Tunnel verschwinden. Doch der müsste deutlich länger werden als geplant, fordern Stadt und Anwohner. Foto: lz/t&w

A39: Nimmt der Lkw-Verkehr ab?

Lüneburg. Es wäre zwar erfreulich, wenn die Vorhersage einträfe, sagt Lüneburgs Verkehrsdezernent Markus Moßmann mit gewisser Ironie. Doch so recht glauben mag er nicht daran. Bei der Verkehrsprognose der Landesbehörde für Straßenbau zum Bau der Autobahn A 39 gehen die Planer zwar davon aus, dass der Autoverkehr bis ins Jahr 2030 um rund zehn Prozent zunehmen dürfte, gleichzeitig sollen aber rund fünf Prozent weniger Lastwagen über den Asphalt rollen. Die Stadt, aber auch die Bürgerinitiative gegen die A 39 aus Lüne-Moorfeld, haben große Zweifel an den Argumenten der Behörde.

Zweifel an der Argumentation

„Die Begründung geht von einer deutlich gedämpften wirtschaftlichen Entwicklung aus“, sagt Moßmann. Die aktuelle Lage sehe freilich anders aus. Unternehmen freuen sich über volle Auftragsbücher, immer mehr Waren werden über das Internet bestellt und: „Die A 39 soll ja der Wirtschaft dienen und eben auch Lkw-Verkehr an sich ziehen.“ Bekanntlich lautet ein Argument der Autobahnbefürworter, dass man die übervolle A 7 entlasten wolle.

Stadt und BI blicken eh skeptisch auf die Prognosen. Denn die Planer haben sich in der Vergangenheit schwer verschätzt. Waren sie in den 1980er-Jahren von rund 15 000 Fahrzeugen ausgegangen, die über die Ostumgehung rollen sollten, sind es heute mehr als 40 000, in den kommenden Jahren werden sogar mehr als 60 000 erwartet. Die Umgehung soll, wie berichtet, in weiten Teilen zur Autobahn ausgebaut werden.

Die Stadt stehe weiterhin zum Bau der A 39, betont Moßmann. Die werde die wirtschaftliche Entwicklung der Region begünstigen. Doch das Rathaus habe eben auch den Schutz der Anwohner vor Lärm und Schadstoffen im Blick.

„Beim Tunnelbau darf im Sinne der Bürger nicht an ein paar Euros gespart werden.“
Markus Moßmann, Verkehrsdezernent

Der geplante Tunnel

Ein zweiter Knackpunkt neben der Verkehrsprognose ist aus Sicht Moßmanns und seiner Kollegen im Umweltamt der geplante Bau eines Tunnels in Lüne-Moorfeld. Der soll an der Erbs­torfer Landstraße beginnen und sich 399 Meter in Richtung Adendorf ziehen. Das empfinden sowohl Verwaltung als Anwohner als zu kurz: Sie wollen erreichen, dass der Verkehr bis zum Ende der Bebauung quasi gedeckelt wird. Die 399 Meter sind eine entscheidende Größe: Denn ab 400 Metern muss eine wesentlich aufwändigere Lüftungstechnik installiert werden. Moßmann: „Da darf im Sinne der Bürger nicht an ein paar Euros gespart werden.“

Es gibt noch einen Punkt: Für den Bau des Tunnels soll an der Erbstorfer Landstraße eine Ersatzbrücke in Richtung Scharnebeck gebaut werden. Moßmann plädiert dafür, daraus kein Provisorium zu machen: „Das Tunnelportal würde so 20 Meter länger und würde den Knalleffekt nehmen.“ Der entsteht, wenn Wagen mit hoher Geschwindigkeit in die Röhre hinein- beziehungsweise herausfahren.

Belastungen für die Bewohner inbegriffen

Ein Thema ist auch die geplante Sechsspurigkeit im Bereich der Ab- und Auffahrt. Die werde aber nicht mehr Platz benötigen, habe die Landesbehörde erklärt, berichtet Moßmann. Mit dem Tunnel kommen auf die Anwohner erhebliche Belastungen zu. Denn für den Bau sollen hinter die bestehenden Wände Röhren gerammt werden. Manche Häuser stehen nur ein paar Meter von der künftigen Großbaustelle entfernt. Die Stadt fordert daher, dass modernes Gerät mit verkapselten Motoren eingesetzt werden soll, zudem solle nicht gerammt, sondern ein Verfahren gewählt werden, das weniger Erschütterungen verursacht.

Ein Beweissicherungsverfahren, es dokumentiert den Ist-Zustand der Gebäude, sei ebenso selbstverständlich wie der Bau von – im Zweifel mobilen – Lärmschutzwänden, bevor die Tunnelarbeiten beginnen.

Sollten die Gespräche mit dem Land und dem Bund nicht kooperativ verlaufen, stellt sich die Frage, ob die Stadt den Klageweg beschreitet. Moßmann sagt: „Wie wir rechtlich weiter vorgehen, muss dann die Politik entscheiden.“

Bürger, die Einwendungen gegen die bereits länger vorliegenden Pläne haben, müssen ihre Einwendungen bis morgen, 7. November, bei der Straßenbaubehörde einreichen. Die Träger öffentlicher Belange, wie die Stadt, haben noch eine Woche länger Zeit.

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. da die hoffnung zuletzt stirbt, schnell noch ein kommentar dazu. verkehrsvermeidung würde helfen, wenn es nicht die lobbyisten geben würde, die ständig neue straßen bauen wollen, um sich eine goldene nase zu verdienen. bricht chinas wirtschaft zusammen, können wir auf den autobahnen fahrradspuren einrichten. schmunzeln. es wären teure radwege, aber besser als garnichts, oder? der hamburger hafen braucht auch keine elbvertiefung mehr. es kommen paradiesische zeiten auf uns zu. die umweltverschmutzung nr.1 lärm schwindet und man kann wieder die vögel, die noch da sind, zwitschern hören.