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Die Biogasanlage Südergellersen wurde über jahr mit Pferdemist gefüttert. Foto: lz/dth

Südergellersen: Biogas-Abfälle breiten Probleme

Südergellersen. Erst hatten sie kein Glück und jetzt kommt auch noch Pech dazu. Die Betreiberfirma der Biogasanlage in Südergellersen ist nicht nur mit ihrem Ge schäftsmodell mit Pferdemist insolvent gegangen. Das Konzept wirkt auch an anderer Stelle nach: Die „Enegro Südergellersen“ hat zusätzliche Probleme, überschüssige Gärreste zu verkaufen, da sie mit Wirkstoffen aus Pflanzenschutzmitteln versetzt sind. Das belegen die Ergebnisse eines privaten Laborberichts, die der LZ vorliegen. Der gefundene Wirkstoff könnte bei bestimmten Feldfrüchten wie Kartoffeln sogar Ernte-Einbußen auslösen. Indes fordert das Landwirtschaftsministerium auf LZ-Nachfrage von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen eine bessere Überwachung von Gärresten.

Die Enegro Südergellersen wollte einst jährlich 40 000 Tonnen Pferdemist mit Hilfe der Biogasanlage zu Pellets veredeln und als Dünger vermarkten. Das hat nicht geklappt, zuletzt wurde der Pferdemist mit anderen Substraten zur Energiegewinnung in der Biogasanlage vermengt. Und mit dem Pferdemist dürfte auch die Herbizid-Belastung zusammenhängen. Das räumt Insolvenzverwalterin Dorothee Mennrich von der Lüneburger Kanzlei Könemann auf LZ-Nachfrage ein. Bereits seit Monaten habe der Betrieb Pro­bleme, überschüssige Gärreste loszuwerden. Das habe auch mit dem ohnehin daniederliegenden Güllemarkt zu tun. Und dann habe „ein Bauer aus der Heide“, so Mennrich, den Betrieb auf die Herbizid-Spuren aufmerksam gemacht, nachdem er aus eigenem Antrieb die Gärreste hatte beproben lassen. Mennrich: „Wir haben dann selbst eine Laboranalyse in Auftrag gegeben.“ Das war im April. Die Ergebnisse legt Enegro seitdem potenziellen Abnehmern wie einen Beipackzettel dazu. Und der ist nun auch bei der LZ gelandet.

„Ob ein Schaden eintritt, hängt auch von der aufgebrachten Düngermenge ab.“
Dr. Manfred Bischoff, Landwirtschaftskammer

Untersucht wurden von dem privaten Labor die Gärreste aus drei Behältern. Die Rede ist laut eines potenziellen Kunden von 5000 Kubikmetern Gärresten, abgegeben werden sollen wohl bis zu 1500 Kubik. Gefunden wurden in allen drei Behältern unter anderem die Wirkstoffe Aminopyralid (zwischen 3,6 bis 5,1 Mikrogramm pro Kilogramm Feinsubstrat) sowie Clopyralid (24,2 bis 36,3 Mikrogramm). Die LZ hat Dr. Manfred Bischoff vom „LUFA Nord-West“, Dienstleistungslabor der LWK, um eine Einschätzung der Werte gebeten. „Vor allem Aminopyralid ist der problematische Wirkstoff, wenn man ihn falsch anwendet“, sagt Dr. Bischoff, zuständig für Anorganische Analytik beim LUFA. „Zu hoch gilt bei Aminopyralid grundsätzlich alles, was schon nachweisbar ist.“ Gleichwohl „lässt sich daraus kein Skandal konstruieren“, denn auf Getreide, Mais oder Weizen sei die Ausbringung unbedenklich. Negative Folgen könnte der Wirkstoff allerdings bei Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln haben, „in erster Linie kann eine Pflanzenschädigung eintreten und es wäre mit Ertragsminderungen zu rechnen“. Und: „Ob ein Schaden eintritt, hängt auch von der aufgebrachten Düngermenge ab.“ Doch wie kommt das Pflanzenschutzmittel in die Gärreste?

Aminopyralid ist ein Wirkstoff, der auch im Pflanzenschutzmittel „Simplex“ Verwendung findet. Ein Mittel, das laut Bischoff gerne auf Pferdeweiden eingesetzt wird, um sie frei von Unkräutern zu halten. Für Pferde sei der Wirkstoff bei der Nahrungsaufnahme unschädlich, da er sich an die Pflanzenfasern binde und mit diesen ausgeschieden werde. Und der Wirkstoff wird auch nicht zerstört, wenn man solchen Pferdemist in einer Biogasanlage nutzt.

Für die immissionsschutz- sowie abfallrechtliche Anlagenüberwachung ist das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt (GAA) Lüneburg zuständig. Doch GAA-Sprecherin Christina von Mirbach sagt: „Das GAA überprüft nicht den Output, sondern vielmehr die in der Biogasanlage eingesetzten Stoffe und Stoffmengen – also den Input.“ Die Überwachung der Gärproduktabgabe sowie die Ausbringung auf landwirtschaftliche Flächen zur Düngung erfolge durch die LWK, insbesondere durch die dort neu geschaffene „Düngebehörde“.

In der Regel werden Gärreste vor der Ausbringung vor allem auf den Nährstoffanteil untersucht, um eine Überdüngung zu vermeiden. Zusätzlich erfolgten laut Manfred Böhling, Sprecher des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, „regelmäßig umfangreiche Vor-Ort-Kontrollen in den landwirtschaftlichen Betrieben, die die Nährstoff- und Schadstoffgehalte prüfen“. Den Untersuchungsplan gibt das Ministerium vor. Doch LWK-Sprecher Walter Hollweg sagt: „Innerhalb dieser Schadstoffanalysen wird nur dann auf Herbizide hin untersucht, wenn entsprechende Hinweise vorliegen oder aus anderem gegebenen Anlass.“

Anders klingt das wiederum bei Ministeriumssprecher Böhling: „Bei den Stichprobenüberprüfungen von Gärresten durch die Landwirtschaftskammer sollen nach Auffassung des Ministeriums auch Gärreste regelmäßig auf Schadstoffe wie Pestizide und Herbizide untersucht werden.“ Böhling weiter: „Falls die Landwirtschaftskammer dies nicht mit in die Untersuchungen einbezieht, was ihre Aufgabe als Düngebehörde ist, wird das Land dies im Rahmen der neuen Zielvereinbarung mit der Landwirtschaftskammer verpflichtend vorschreiben.“ Die Düngebehörde sei Anfang 2017 mit 2,3 Millionen Euro zusätzlich gestärkt worden. Böhling: „Aus Sicht des Ministeriums gehört dazu auch eine bessere, stichprobenhafte Überwachung von Gärresten.“

Von Dennis Thomas