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Ein Blick in die Produktion des Eisenwerks: Mitarbeiter stellen Gussteile für Maschinen- und Werkzeugbau her. Die Gießerei verarbeitet monatlich 900 Tonnen Material, der Jahresumsatz liegt bei 20 Millionen Euro. Foto: lz/be

Lüneburger Eisenwerk meldet Insolvenz an

Lüneburg. Die Beschäftigten wussten, dass die Lage nicht rosig ausschaut. Gestern erhielten sie bei einer Betriebsversammlung Gewissheit: Das Lüneburger Eisenwe rk hat Insolvenz angemeldet. Der vorläufige Insolvenz­verwalter Dr. Malte Köster sieht aber gute Chancen, den Betrieb fortzuführen. Die Auftragslage sei gut, die Produkte seien gefragt, die Lüneburger flexibel. Was die 137 Mitarbeiter vermutlich etwas aufatmen lässt, ist eine erste Einschätzung des Verdener Juristen: „Ich habe keine Hinweise, dass dort zu viele Beschäftigte tätig sind.“

Betrieb soll weitergeführt werden

Zwei weitere positive Botschaften: Der Betrieb werde wie gewohnt weitergeführt, Kunden würden beliefert. Zudem hat der Verwalter in Verhandlungen mit der Agentur für Arbeit erreicht, das bis Ende des Jahres Insolvenz­geld gezahlt wird. Das wird gewährt, wenn ein Unternehmen eine Zukunft hat.

Das Werk an der Gebrüder-Heyn-Straße im Hafen gehört zur Bremer Wibbeling-Gruppe. Daher haben die Manager den Insolvenzantrag beim Amtsgericht der Weserstadt gestellt. Andere Töchter des Unternehmens seien nicht betroffen.

Gestiegene Rohstoff- und Energiepreise

Gestiegene Rohstoff- und Energiepreise, „die sich nicht durch entsprechende Preisanpassungen am Markt auffangen lassen konnten“, seien Hintergrund der „finanziellen Schieflage“, heißt es in der Presseerklärung des Verdener Insolvenzverwalters. Köster sagt: „Wir gucken aber nicht nur auf die Rohstoffpreise, sondern auf die gesamte Kosten- und Preisstruktur.“

Mit an Bord bei den Gesprächen sind auch der Betriebsrat um Wieland Weiß und IG Metall-Sekretär Lennard Aldag. Die Arbeitnehmervertreter geben sich optimistisch. Aldag sagt: „Wir arbeiten eng mit dem Insolvenzverwalter zusammen und kämpfen um jeden Arbeitsplatz. Ursache für die Probleme sind Managementfehler. Eine Sanierung muss sein, aber nicht auf Kosten der Belegschaft. Die Auftragsbücher sind voll.“

Das Eisenwerk gehört zu den ältesten Lüneburger Industriebetrieben. Die Firma wurde 1843 von dem Lüneburger August Wellenkamp und dem Osnabrücker Gießereifachmann Julius Meese gegründet. Der Sitz lag damals Vor dem Bardowicker Tore. Mitte der 1970er-Jahre zog das Werk in den Hafen.

Von Carlo Eggeling