Donnerstag , 20. September 2018
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Die Kapazitäten des Gymnasiums sind erschöpft. Nun sucht die Verwaltung nach Alternativen, etwain Salzhausen. Foto: lz/t&w

Kreis will Gymnasium Oedeme entlasten

Lüneburg. Die Blamage war groß. Jahrelang hatten Stadt und Kreis Schülern aus dem Landkreis Vorrang bei der Vergabe von Schulplätzen am Gymnasium Oedeme eingeräumt, Schüler aus den Lüneburger Stadtteilen Oedeme, Häcklingen und Rettmer hingegen hatten mitunter das Nachsehen. Sie mussten sich einem Losverfahren unterziehen, sobald die Nachfrage das Angebot an der Schule überstieg.

Im Sommer kippte das Verwaltungsgericht Lüneburg diese Praxis, die Gymnasium-nahen Ortsteile dürften nicht benachteiligt werden. Der Landkreis reagierte prompt und erklärte das Gymnasium – zum Leidwesen der Schule – für achtzügig. Nun wird offenbar nach einer anderen Lösung gesucht.

Hat Salzhausen Kapazitäten?

„Was das künftige Aufnahmeverfahren am Gymnasium Oedeme angeht, ist der Landkreis in einem intensiven Austausch mit der Kreispolitik, der Hansestadt Lüneburg, den Elternräten und der Landesschulbehörde“, sagt Katrin Holzmann, Pressesprecherin des Landkreises Lüneburg, auf LZ-Nachfrage. Konkret sei mit dem Landkreis Harburg darüber gesprochen worden, ob das Gymnasium Salzhausen weitere Plätze für Kinder aus dem Landkreis Lüneburg bereitstellen kann und wieviele Schüler es aufnehmen könnte.

Holzmann erinnerte dabei daran, dass bereits jetzt Kinder aus Teilen der Samtgemeinde Amelinghausen und aus Westergellersen in Salzhausen beschult werden. Betroffen sind davon etwa 15 Mädchen und Jungen pro Jahrgang.

„Bei seiner Planung für das Gymnasium geht der Kreis von sechs Zügen aus.“ Dieter Stephan, Schulleiter

Der Landkreis Harburg scheint einer weiteren Aufnahme von Schülern jedenfalls nicht abgeneigt zu sein. „Wir können uns vorstellen, weitere Schüler aufzunehmen“, sagt Landkreis-Pressesprecher Bernhard Frosdorfer. Über Details sei aber noch nicht gesprochen worden, „wir sind zu weiteren Gesprächen bereit“.

Von der Kreisverwaltung in Lüneburg selbst war nicht zu erfahren, ob sie das Harburger Angebot annehmen wird. Auch aus der Landesschulbehörde hieß es lediglich, dass die Entscheidung, ob Schüler auch in einen anderen Schulbezirk wechseln dürfen, allein bei den betreffenden Schulträgern liege. „Wir haben da nur beratende Funktion“, sagt Bianca Schöneich, Pressesprecherin der Landesschulbehörde in Lüneburg.

Mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ sieht Dieter Stephan, Schulleiter des Gymnasiums Oedeme, einer solchen Regelung entgegen: „Einerseits bin ich froh, wenn sich bei uns an der Schule die Situation entspannt, andererseits freue ich mich natürlich über jeden Schüler, der zu uns kommen möchte.“ Klar sei aber: „Die Kapazitäten bei uns sind deutlich überschritten“, sagt Stephan mit Hinweis auf die kurzfristige Entscheidung des Kreises zur Achtzügigkeit des aktuellen fünften Schuljahrgangs.

Verringerung trotz Fluktuation nicht zu erwarten

Schon eine Siebenzügigkeit sei vor dem Hintergrund, dass der Schulvorstand lediglich für eine Sechszügigkeit votiert habe, problematisch. „Hinzu kommt, dass auch der Landkreis bei seiner Baukapazitätsplanung für das Gymansium ebenfalls nur von einer Sechszügigkeit ausgeht“, wundert sich Stephan.

Wie nun mit der aktuellen Situation umzugehen sei, müsse abgewartet werden. Zwar gebe es in jedem Jahrgang eine gewisse Fluktuation durch Zu- und Abgänge, „dass sich die Zahl aber dramatisch verringert, davon kann man nicht ausgehen“. Den Weg, Schülern den Besuch des Gymnasiums Salzhausen zu ermöglichen, halte er daher für ein „Gebot der Stunde“, allerdings sollte kein Schüler in diese Situation hineingezwängt werden.

Auf Wohlwollen dürfte die Salzhausen-Lösung vermutlich auch bei Gisela Plaschka stoßen. „Darum habe ich jahrelang im Lüneburger Kreistag gekämpft!“, sagt die FDP-Politikerin aus Amelinghausen.

Von Ulf Stüwe