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Regina Rheinwald kämpft seit Jahren gegen Missstände im Umgang mit Pferden. 2015 kritisierte sie in ihrem Buch brutale Reitweisen, nun greift sie Probleme in Pensionsställen auf. Foto: lz/t&w

Pferdehaltung: Soderstorfer Autorin schreibt über Missstände im Stall

Soderstorf . Seit Jahren verfolgt Regina Rheinwald ein Ziel: Sie will Missstände in der Pferdeszene aufdecken. Bereits ihr Buch über das „System Gewalt gegen das Pferd“ sorgte Ende 2015 in der Region für hitzige Diskussionen (LZ berichtete), nun hat die Soderstorferin ein weiteres heißes Eisen angefasst: die „Servicewüste Pensionsstall“. Über das Internet und im persönlichen Gespräch hat sie Pferdebesitzer aus ganz Deutschland nach ihren Erfahrungen als Einsteller befragt – mit alarmierendem Ergebnis, meint sie.

Verschimmeltes Heu, zu wenig Futter, eingefrorenes Wasser, Pensionsstallbetreiber zwischen Service und Versagen – „das alles musste einmal öffentlich gemacht werden!“, sagt Rheinwald.

Anonym die eigene Geschichte erzählen

Allen Befragten sicherte die Autorin Anonymität zu. „Nur deswegen“, glaubt sie, „trauten sich einige, ihre Geschichte zu erzählen.“ Zweifel an den Schilderungen ihrer Gesprächspartner hat die 60-Jährige nicht, „als ehemalige Pferdebesitzerin und Reitstallbetreiberin habe ich selbst so einiges erlebt“, erklärt sie. Dennoch sei sie mitunter schockiert gewesen, wie schlecht es in einigen Pensionsställen um das Wohl der Pferde bestellt zu sein scheint. „Als ich mich mit dem Thema beschäftigte, da brach diese ganze Unzufriedenheit der Einsteller regelrecht über mich herein.“

Eine Einstellerin berichtet, dass ihr Pferd in einem Stall nicht mal genug Wasser bekommt. Andere schicken Fotos von verschimmeltem Heu und Stroh, klagen über falsche Fütterung, mangelhafte Hygiene oder haltungsbedingte Krankheiten. Rheinwalds Fazit am Ende der Recherchen: „Gute, pferdegerechte Ställe sind Mangelware. Ist der Service gut, mangelt es oft an der pferdegerechten Unterbringung. Ist diese gut, gibt es oft eklatante Mängel im Service.“

Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen

Im Landkreis Lüneburg sind dem Veterinäramt insgesamt 6933 Pferde und 1181 Pferdehaltungen gemeldet. Welche Anforderungen die Unterbringungen erfüllen müssen, steht in den Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesetzpunkten vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Ein Gesetz oder eine Verordnung wie bei Schwein oder Rind gibt es für die Pferdehaltung nicht. „Trotzdem sind die Leitlinien für jeden Pferdehalter bindend“, sagt die Fachreferentin für Pferdezucht und -haltung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Ulrike Struck. „Denn wenn Gerichte über eine Pferdehaltung entscheiden müssen, ziehen sie genau diese Leitlinien heran.“

Dass längst nicht alle Pferdeställe den Anforderungen entsprechen, erlebt auch Struck in ihrem Arbeitsalltag immer wieder. „Da gibt es ein Problem, ohne Frage“, sagt sie. Schuld daran sind aus Sicht der Fachreferentin allerdings nicht allein die Pensionsstallbetreiber. „Gerade Pferdehalterinnen sind oft sehr schwierige Wesen, das macht das Miteinander nicht unbedingt einfacher“, berichtet sie. Ein weiteres Problem seien aus ihrer Sicht die viel zu niedrigen Preise, die in Pensionställen verlangt werden. „Ich vermute, dass 80 Prozent der Stallbesitzer mit den Pferden kein Geld verdienen.“

„Billig geht nicht!“

Auch Regina Rheinwald greift die Kritik in ihrem Buch auf und schreibt sehr deutlich: „Billig geht nicht!“ Nach ihren Berechnungen müssten die Preise für eine Vollpension bei mindestens 500 bis 600 Euro monatlich liegen, „um dem Stallbetreiber ein wenig Luft nach oben und Gewinn übrig zu lassen“. Fachreferentin Struck kalkuliert nicht ganz so üppig, ist aber ebenfalls überzeugt: „Um wirtschaftlich zu sein und auch mal zu investieren, ist eine monatliche Stallmiete von 400 bis 500 Euro notwendig.“ Gezahlt werde im Schnitt aber maximal die Hälfte. „Daran sieht man: Das Problem ist durchaus komplex.“

Auch Rheinwald belässt es in ihrem Buch nicht bei der Kritik an Pensionsstall-Betreibern, sie spricht auch mit Rechtsanwälten, Stallbesitzern und gibt Pferdehaltern Tipps mit auf den Weg sowie eine Checkliste zur Stallsuche. Ihre Hoffnung: „Es ändert sich etwas. Und zwar nicht nur im Pferdesport, sondern auch in der Pferdehaltung.“

Das Buch „Servicewüste Pensionsstall? Wenn Pferdebesitzer zu Wandereinstellern werden“ gibt es im Buchhandel oder direkt unter www.rheinwald-verlag.de

Von Anna Sprockhoff

6933… 

Pferde und 1181 Pferdehaltungen im Landkreis Lüneburg sinddem Veterinäramt gemeldet.

10 Kommentare

  1. Kann ich als Stallbetreiber nur zustimmen.
    Die Einsteller sind aber auch mit in der Pflicht, denn kein Geld bezahlen wollen und dafür ALLES bekommen funktioniert nicht.
    Sind bei uns in der Gegend nominal der teuerste Stall, aber fast leer!
    Die umliegenden Ställe sind einfach zu billig, dafür aber keinen Service wie wir.

    In regelmäßigen Abständen bekomme ich immer wieder zu hören:“ Ihr habt ja keine Halle, ansonsten……!“
    Darauf sage ich dann immer, das die Einsteller bei mir mit Halle ganz bestimmt nicht für unter 500 stehen würden…..Ruhe!
    Unser Motto:“ Wir machen nichts anderes als andere, aber wir machen alles anders!“

    Hoffe schon seit 10 Jahren darauf das sich an der Situation etwas ändert, aber jeden morgen steht wieder ein/e Träumer/in auf die es wieder auf billig macht…..grummel

  2. R. Blomeier Ohlsson

    Danke Frau Rheinwald! Schon Ende der achtziger Jahre habe ich einen steten Kampf für mein staubempfindliches Pferd geführt und dabei Erstaunliches bei Pferdekennern und solchen die sich dafür hielten bemerken können. Schimmel an der Wand war Einbildung, schimmeliges Heu nicht weiter schlimm, ein Pferd das ordentlich geritten wird will gar nicht auf die Wiese, Staub im Stall nicht so schlimm, Pferde, die nur in der Box herumstehen – es würde auch bei mir für ein Buch reichen.

  3. Verona Wielspütz

    Als Einstaller im Pensionsstall bin ich natürlich immer mal wieder unzufrieden. Das spreche ich dann an und bitte um Änderungen. Dass ich für guten Service zahlen muss, ist verständlich. Hier muss ich abwägen, was für mich wichtig ist, was ich für mein Pferd will und was ich mir leisten kann oder investieren will. Das alles abhängig von den örtlichen Gegebenheiten (Weide auf dem Land ist günstiger, sind Halle/ Führmaschine etc. vorhanden). Aber wenn es so schlimm ist, dann suche ich mir einen neuen Stall. Keiner muss sein Tier dursten lassen oder mit schlechtem Futter füttern etc.

  4. Sehe ich genauso, es gibt 2 Möglichkeiten einen günstigen Stall zu bekomme, Stallgemeinschaft wo man selbst mit anpacken muss oder nein schlechten Stall.
    Ich habe einen Zucht und Reitstall und bin öfter nach Unterstellplätzen gefragt worden. Auch wenn ich Platz hätte, für 250-300 Euro kann ich kein Pferd vernünftig in Vollpension halten. Wer das tut, bescheißt sich selbst. Selbst in der Masse, mit absolutem untersten Level an Service, kann das nicht funktionieren. Was viele Stallbesitzer nicht einkalkulieren ist der Preis für die Gebäude und das Gelände…ach ja das PFerd frisst ja nur für so und so viel, das ist leider eben nicht alles. Dazu kommt Miete, Strom, Zaunbau, Pfleger etc.
    Ich kann keine Box unter 360 Euro abgeben und dann habe ich kaum was dran verdient, und ein Offenstallplatz darf eigentlich nicht billiger sein, wenn da 2x am Tag sauber gemacht wird usw.
    Ergo…habe ich keine Einstallpferde, weil niemand mir die Betreuung durch eine angestellte Fachfrau, das gute geprüfte Heu, den Inlandshafer etc bezahlen will.
    In der Umgebung wird Vollpension mit Box, z.T. sogar mit Halle von 180 bis 250 Euro angeboten. Offenstall ab 100!!!! Euro. Wenn man da Konkurrenzfähig bleiben muss, weil man etwas verdienen muss, dann wird halt gespart….an allem.

  5. ich lache später. aussage einer pferdebesitzerin. ich gebe monatlich 2000 euro für meine zwei pferde aus. darin sind tierarztrechnungen ,die stallung ,das futter , der schmied, also vollpension inhalten. auf meine frage: wie wäres es pferdesteuer zu bezahlen?, kam folgende antwort: nein, dass kann ich mir zusätzlich nicht auch noch leisten.
    tja, so verlogen ist die welt. ein mensch wäre froh, wenn er 2000 euro netto im monat zur verfügung hätte.

    • Sehr geehrter Herr Bruns,
      wie überall gibt es wohlhabendere und nicht wohlhabende Menschen.
      Im Reitsport ist es wie überall sonst auch.
      Warum eine Gruppe von Mitbürgern für ihr Hobby mehr Geld in Form nicht zweckgebundener Steuern aufbringen sollte von bereits versteuertem Geld, ist mir nicht klar.
      Wenn Ihnen tatsächlich diese „Ausnahmedame“ bekannt ist, die so viel Geld investiert, ist diese sicherlich auch beruflich sehr gut qualifiziert und hat ihr Gehalt bereits – wie alle anderen auch – versteuert.
      Im übrigen ist auch diese Dame „ein Mensch“. Ihr letzter Satz ist für mich sehr merkwürdig zu verstehen.

      • Warum eine Gruppe von Mitbürgern für ihr Hobby mehr Geld in Form nicht zweckgebundener Steuern aufbringen sollte von bereits versteuertem Geld, ist mir nicht klar.
        meinen sie damit auch die hundesteuer?

      • ich kenne die dame nicht mit namen, aber dieses gespräch hat so statt gefunden. und was die 2000 euro betrifft (MENSCH) ,damit meine ich, wenn der mensch für sich 2000 euro netto zur verfügung hätte, würde ich dieses besser finden, als 2000 euro , was ja hier für pferde bezahlt wird. eigentlich ganz einfach zu verstehen. im übrigen, ich mag pferde und habe freunde, die welche besitzen. ich selbst habe hund, meine freunde zum teil beides, schmunzeln und sie verstehen es auch nicht, warum sie für den hund steuern zahlen sollen, aber für ihr pferd es nicht brauchen. verstehen sie das? obwohl pferde menschen bei uns schon getötet haben? sowas wird doch gern dem hund vorgeworfen.

      • Kila – mit welchem Geld zahlen Sie ggf. ihre Kfz-Steuer, ihre Haftpflichtversicherung (incl. Versicherungssteuer), ihren Einkauf (alles mit verschiedenen Steuern belegt)? Zahlen Sie das alles mit Schwarzgeld? Haben Sie vielleicht einen Hund? Dann müssen sie auch Hundesteuer zahlen mit bereits versteuertem Geld. Was für ein dummes Argument ist es dann aus bereits versteuertem Geld keine Pferdesteuer zahlen zu sollen.
        Und eine vielleicht wohlhabende Person (davon gibt es nicht wenige in Deutschland) mit einem „Menschen“ der vielleicht am Existenzminimum lebt auf eine Stufe zu stellen – das tun Sie hier – ist eine verhöhnende Missachtung der Würde eines Menschen.
        Kommentatoren die wie Sie hier schreiben tragen zur Vergiftung des Klimas in unserem Land bei.

    • Ich verstehe nicht was die „Pferdesteuer“ mit diesem Thema bzw. Artikel zu tun haben soll.