Mittwoch , 19. September 2018
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Die Bäckerstraße steht für Freiheitskampf, Handel und später für die Verkehrsberuhigung. Eine Ausstellung erzählt jetzt ihre Geschichte. Foto: mac/A

Die Lüneburger Bäckerstraße — einst Ku’Damm der Stadt

Lüneburg. Sie ist 303 Meter lang und Lüneburgs Flaniermeile, der Handel zahlt Spitzenmieten, denn trotz aller Konkurrenz durch das Internet lässt sich hier gute s Geld verdienen. Es geht nicht nur ums Kaufen, sondern auch um das „Sehen und gesehen werden“, der Straßenzug ist eine Bühne. Und nun wird sie zum Star: Das Stadtarchiv will der „Bäcker“ gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer eine Ausstellung widmen. Titel: „Lüneburger Bäckerstraße – Verkehr, Kommerz und Lebensart“.

Erste Erwähnung im 14. Jahrhundert 

Ihr Name lässt sich bis ins Jahr 1310 zurück verfolgen, da wurde sie erstmals in alten Dokumenten erwähnt. Ihren Namen hat sie von den Bäckern, die einst hier ihr Handwerk betrieben. Die Figur eines Bäckergesellen ziert den Giebel des Hauses Nummer 2. Er soll in der blutigen Ursula-Nacht 1371 gleich 22 Kämpen des Herzogs Magnus Torquatos erschlagen haben. Damals kämpften die Bürger um ihre Selbstständigkeit.

Die „alte Bäckerstraße“ mit Pkw.

Als Bundesstraße 4 die Hauptverkehrsachse

Die Straße war Hauptverkehrsachse. Einst zog sich die Bundesstraße 4 hier durch. Die Bürger stöhnen unter der Last. Zu Pfingsten 1962 lässt die Stadt den Verkehr zählen. Die LZ schreibt: „Die Belastung der Kleinen Bäckerstraße zeigt wieder einmal eindeutig, dass hier etwas geschehen muss! In der Zeit zwischen 11 und 12 Uhr wurde die einspurige Fahrbahn von 800 Kfz belastet. Gleichzeitig mit den Autos drängten sich in dieser einen Stunde fast 5000 Fußgänger auf den viel zu schmalen Bürgersteigen durch Lüneburgs Hauptgeschäftsstraße.“

Das Autohaus Storck bot Opel an der Bäckerstraße an.

Ende der 1960er zur Fußgängerzone erklärt

Am 27. November 1965 wird die Kleine Bäckerstraße zum Fußgängerbereich erklärt. Am 1. Juni 1968 folgt die Große Bäckerstraße, allerdings wird sie erst später umgebaut.
Die Straße ist auch Ort der Politik. Seit Jahrzehnten bauen Parteien ihre Stände auf. In den 70er- und 80er-Jahren agitierten kommunistische Gruppen – während das Bürgertum im legendä­ren Café Rauno saß und auf die „Langmähnigen“ schaute.

Das Stadtarchiv, neben Leiter Dr. Thomas Lux sind es Danny Kolbe und Susanne Altenburger, bittet die Lüneburger um Unterstützung: Fotos und Filme sind willkommen. Wer helfen kann: (04131)  3093224.

Von Carlo Eggeling