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Heute wird die Stele an der Synagogen-Gedenkstätte am Schifferwall zugedeckt, danach abgebaut. Sie soll im kommenden Jahr dann in die neue Anlage integriert werden. Foto: lz/t&w

Abschied und Neubeginn: Synagogen-Gedenkstätte wird entwidmet

Lüneburg. Die 1950 zur Erinnerung an die Pogromnacht vom 9. November 1938 errichtete Gedenkstätte am Schifferwall soll einer neuen, größeren Anlage weichen. Mit der Neugestaltung soll im kommenden Jahr begonnen werden. Damit werden Pläne umgesetzt, für die sich die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lüneburg (GCJZ) seit vielen Jahren einsetzt.

Geld für Neugestaltung weitgehend vorhanden

„Wir freuen uns sehr, dass mit der Neugestaltung nun endlich begonnen werden kann“, sagt Pastor Harry Dörr. Seit Jahren schon begleitet der zweite Vorsitzende der GCJZ die Pläne für eine neue Gedenkstätte, die seit dem Beschluss des Rates im Jahr 2010 aber nur schleppend vorankamen. Neue Impulse löste schließlich der von dem Lüneburger Architekten Carl-Peter von Mansberg vorgelegte Entwurf für die Neuanlage aus, dessen Dimensionen und voraussichtliche Kosten aber zwischenzeitlich für Misstöne sorgten. Insbesondere an den 2,26 Meter hohen Wänden der sieben mal sieben Meter großen Anlage gab es wie berichtet Kritik aus dem Kulturausschuss der Stadt.

Diese scheint inzwischen verstummt zu sein, denn „die Pläne von Herrn von Mansberg können wie geplant umgesetzt werden“, wie Pastor Dörr erklärt. Damit sind auch der Erwerb von erforderlichen Grundstücksflächen und Abstimmungen mit den Nachbarn, die den Plänen ebenfalls zustimmen mussten, erfolgreich abgeschlossen. Das bestätigt auch Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck.

2018 soll der Bau beginnen

Im kommenden Frühjahr soll mit dem Bau der neuen Gedenkstätte begonnen werden, die aktuell mit 230 000 Euro einschließlich anfallender Honorare veranschlagt ist. Je 50 000 Euro kommen aus dem städtischen Haushalt und als Zuwendung der Lüneburger Sparkassenstiftung, der Rest ist durch Spendengelder aufzubringen. Bereits im Juni hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg 25 000 Euro gespendet, die 1938 das Synagogen-Grundstück weit unter Wert von der jüdischen Gemeinde erwarb.

Zwar hatte die IHK das Areal 1953 für einen geringen Betrag an die Jewish Trust Corporation übereignet, mit ihrer Spende wollte sie sich aber zu ihrer Verantwortung für den damaligen „faktisch erzwungenen Verkauf“ bekennen. Weitere finanzielle Zuwendungen kommen vom Landkreis Lüneburg, der evangelischen Landeskirche Hannover und dem Lüneburger Unternehmer Henning J. Claassen. Etwa 15 000 Euro bringt die GCJZ selbst auf, die in den vergangenen Jahren bei Spendenaktionen und Kollekten zusammenkamen.

Auch wenn aktuell noch finanzielle Mittel fehlten, herrsche „Einigkeit, dass wir jetzt beginnen möchten und dann so bauen, dass wir letzte Details später anfügen, wenn die Gesellschaft auch die dafür erforderlichen Mittel eingeworben hat“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge.

Stele soll Teil der neuen Gedenkstätte werden

Die Entwidmung der bisherigen Gedenkstätte ist Voraussetzung, um mit den Vorbereitungen für die Neugestaltung starten zu können. Die Stele soll nach der heutigen Gedenkfeier abgebaut und bis zum Wiedereinbau in die dann neu errichtete Anlage eingelagert werden. Wie die Stadt erklärt, soll die neue Gedenkstätte bis Oktober kommenden Jahres und damit rechtzeitig vor der nächsten Andacht am 9. November 2018 fertiggestellt sein.

Im Anschluss an die heutige Zusammenkunft an der Gedenkstätte kommt die GCJZ wie gewohnt auch zu Andacht und Totengedenken in der Nicolaikirche zusammen.

Von Ulf Stüwe

Daten und Fakten: Synagoge und Gedenkstätte

  • 1894: Einweihung der Synagoge am Schifferwall
  • 1938: Erzwungener Abriss der Synagoge durch die jüdische Gemeinde und Verkauf des Grundstücks an die IHK
  • 1941: Verkauf von Teilen des Grundstücks an die Stadt
  • 1950: An der früheren Stelle der Synagoge wird auf Initiative des ersten Landesrabbiners nach dem Zweiten Weltkrieg, Zwi Asarja, eine steinerne Stele mit deutscher und hebräischer Inschrift aufgestellt
  • 1953: IHK übereignet Grundstück an die Jewish Trust Corporation, danach Verkauf an die Landeskirche und die Stadt
  • 1955: Umsetzung der Stele an ihren heutigen Platz
  • 2010: Erste Pläne zur Neugestaltung der Synagogen-Gedenkstätte
  • 2012: Beschluss des Rates zur Neugestaltung