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Bleibt er oder geht er? Die Gerüchteküche um den Fortbestand des Nahversorgers in Vögelsen brodelt. Foto: lz/t&w

Sorge um Supermarkt in Vögelsen

Vögelsen. Der Fleischer hat schon vor gut einem Monat seine Koffer gepackt und die Frischetheke im Vögelser Supermarkt geräumt. Auch das Gebäude samt Grundstück hat mittlerweile den Eigentümer gewechselt, die Unterschrift unter dem Kaufvertrag ist seit wenigen Tagen trocken. Und die Gerüchteküche nicht nur im Dorf brodelt, dass der Supermarkt wohl Ende 2018 schließen muss. Dem tritt auf LZ-Nachfrage Maik Sauer entgegen, Geschäftsführer der GmbH, die die Edeka-Filiale betreibt. Gleichwohl hat sich die Gemeindeverwaltung um Vögelsens ehrenamtliche Bürgermeisterin Silke Rogge für den Fall der Fälle um einen Plan B gekümmert, von dem sie selbst hofft, dass er nie notwendig wird.

Der Mietvertrag mit dem Ladenbetreiber war mit dem alten Eigentümer bis Ende 2018 befristet. Der Fleischer Thomas Stendel habe aber seinen Untermietvertrag bereits Monate vorher gekündigt, als ein Verkauf der Geschäftsimmobilie noch gar nicht Thema gewesen ist, sagt Geschäftsführer Maik Sauer auf LZ-Nachfrage. Dass aber bereits im Dorf das Gerücht umgehe, dass das Schicksal des kleinen Supermarktes mit rund 500 Quadratmeter Verkaufsfläche besiegelt sei, kann Sauer nicht verstehen. „Ich weiß nicht, woher die Leute ihre Erkenntnisse haben.“
Nach Rücksprache mit dem neuen Eigentümer erklärt Sauer gegenüber der LZ: „Wir sind uns mit dem neuen Eigentümer einig, dass wir den Markt über das Jahr 2018 hinaus erhalten wollen.“ Seit Anfang 2016 wird der Markt von einer GmbH betrieben, mit Maik Sauer als Geschäftsführer und Christian Baudorff als Gesellschafter. Davor hatte Monika Baudorff den Markt elf Jahre lang als selbstständige Kauffrau geleitet.

Unterdessen hatte der Eigentümerwechsel des Marktes auch Vögelsens ehrenamtlicher Bürgermeisterin die Sorgenfalten auf die Stirn getrieben. Silke Rogge sagt: „Der Markt liegt im Kerngebiet der Gemeinde und ist als Nahversorger ein zentraler Bestandteil unseres Ortszentrums.“ Der würde zu zerfallen drohen, sollte der Markt doch eines Tages nicht mehr da sein. Für den Fall der Fälle habe Rogge dennoch alte Pläne wieder aus der Schublade geholt, die einen möglichen Alternativstandort für die Neuansiedlung eines Supermarktes vorsehen.
Rogge: „Ich habe bereits bei der Samtgemeinde Bardowick unser Interesse bekräftigt, einen möglichen neuen Standort bei der Flächennutzungsplanung zu berücksichtigen.“ Es geht um eine landwirtschaftliche Fläche am Vögelser Ortsausgang Richtung Bardowick. Doch was dort als Alternativstandort in Rede steht, könnte vermutlich mehr Probleme mit sich bringen. Denn Vögelsen ist mit rund 2350 Einwohnern nach den Vorgaben des Regionalen Raumordnungsprogrammes des Landkreises Lüneburg kein Grundzentrum und habe somit auch keinen Versorgungsauftrag für umliegende Orte, sagt auch Rogge.

Und Vögelsens Bürgermeisterin möchte Diskussionen wie in der Gemeinde Artlenburg nicht führen müssen. Die hatte lange mit dem Landkreis um die Ansiedlung eines neuen Marktes gerungen (LZ berichtete) und war an den Vorgaben, von der fußläufigen Erreichbarkeit bis hin zur Kaufkraftabdeckung aus dem Ort, gescheitert. Auch der Streit um einen neuen Supermarkt in Scharnebeck lässt die Bürgermeisterin hoffen, dass der kleine Supermarkt in Vögelsen noch möglichst lange erhalten bleibt, wo er ist: im Ortskern.

Von Dennis Thomas