Donnerstag , 20. September 2018
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660 geringfügig Beschäftigte arbeiten in der Branche im Kreis Lüneburg. Foto: nh

Zahl der Zweit-Jobber schnellt in die Höhe

Lüneburg. Rund 5100 Menschen im Landkreis Lüneburg haben neben dem Haupterwerb noch einen Minijob – das sind 66 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die NGG Lüneburg beruft sich dabei auf neueste Zahlen der Arbeitsagentur. Besonders verbreitet sind Zweitjobs demnach im Gastgewerbe: 660 geringfügig Beschäftigte arbeiten in der Branche im Kreis Lüneburg – zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Stelle. Gegenüber 2007 stieg ihre Zahl um 68 Prozent.

Steffen Lübbert, Geschäftsführer der NGG Lüneburg, spricht von einem „alarmierenden Trend“: „Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen mit einem normalen Arbeitsverhältnis nicht über die Runden kommen.“ Auf den ersten Blick verzeichne der Arbeitsmarkt im Kreis Lüneburg steigende Beschäftigungsquoten. „Doch die hohe Zahl der Zweitjobber zeigt, dass nicht alles Gold ist, was auf dem Arbeitsmarkt glänzt“, sagt Lübbert.

Mit Blick auf das Gastgewerbe kritisiert der Gewerkschafter, die Branche dürfe nicht zur bloßen Minijobber-Domäne werden. „In Hotels, Pensionen und Restaurants brauchen wir mehr gelernte Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte. Aushilfen können auf Dauer keine Fachkräfte ersetzen.“ Schon heute seien die Klagen über fehlende Köche und Oberkellner groß. Doch die gewinne man nur, indem man gute Löhne zahle.

Dringenden Handlungsbedarf sieht die NGG Lüneburg auch bei der Politik. „Wenn laut Arbeitsagentur im Kreis Lüneburg mittlerweile jeder elfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Nebenjob hat, dann ist hier etwas aus dem Ruder gelaufen“, betont Lübbert. Der gesetzliche Mindestlohn sei zwar ein erster wichtiger Schritt gewesen, um extreme Niedriglöhne abzuschaffen. Doch mit derzeit 8,84 Euro pro Stunde liege die Untergrenze zu niedrig, um davon allein als Vollzeit-Beschäftigter etwa eine bezahlbare Wohnung in der Stadt zu finden.
Lübbert plädiert dafür, dass ausgehandelte Tarifverträge künftig in allen Betrieben einer Branche gelten sollen – unabhängig davon, ob der Chef in einem Arbeitgeberverband ist oder nicht. lz

2 Kommentare

  1. Andreas Janowitz

    Von „ehrenamtlich“ Tätigen wird man hier wohl nie etwas lesen, waas? Und das obwohl ehrenamtliche oft die Leistungen eines Teilzeitjobs erbringen.
    Ohne ehrenamtliche Umsonstarbeiter würde diese Gesellschaft nicht funktionieren. Sie nehmen Bereiche in die Hand, in denen kein oder fast kein Gewinn zu erwarten ist, die aber für ein auskömliches gesellschaftliches Miteinander unabdingbar sind.
    Ein bedingungsloses Grundeinkommen generiert über ein negativ Zinskredit der Zentralbank direkt an Bürger würde nicht nur „prekäre Beschäftigung“, man könnte auch „Ausbeutung“ sagen, beenden sondern eben auch solche belohnen, die heute schon für Umsonst arbeiten.
    Die Banken haben eindrucksvoll bewiesen, das man denen besser nicht die Geldpolitik überlassen sollte! Nichts anderes ist das bestehende System der Buchgeldschöpfung. Es ist Geldpolitik! Die Sichteinlagen der Geschäftbanken generieren über die fraktionelle Reserve das Geld was uns Bürgern letztendlich zur Verfügung steht.
    Was soll bitteschön an einem Direktkredit der Zentralbank an die Sozialkassen schlechter sein? Nicht nur das hier ein Polypol systematisch gestützt würde, es könnten niemals Akteure entstehen, deren wirtschaftliches Ausscheiden einen umgehenden Staatsbankrott nach sich zögen!
    Die Hauptlast der täglichen Buchungen wird sowieso jetzt schon über Softwareagenten geregelt? Das Finanzsystem ist jetzt schon hochgradig automatisiert.
    Steuerhinterziehung wäre in einem BGE System kein Kavaliersdelikt, oder schlimmer cleveres Agieren?

    Geldpolitik ist ein weites Feld, aber nach der Wegelagerei von 2008 sollte jedem offensichtlich sein, wie wichtig strukturelle Änderungen sind.

  2. Lübbert plädiert dafür, dass ausgehandelte Tarifverträge künftig in allen Betrieben einer Branche gelten sollen – unabhängig davon, ob der Chef in einem Arbeitgeberverband ist oder nicht.
    lustige vorstellung. die unternehmer sind ja gerade, weil sie keinen tarif zahlen wollen,aus dem arbeitgeberverband ausgetreten. die politik wird einen teufel tun, daran zu drehen. schließlich ist ein abhängiges volk bequemer zu händeln. die hoffnung stirbt zuletzt und diese hoffnung wird gern mit absicht bis zur nächsten wahl in die länge gezogen.