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Ihrer Mutter in den letzten Lebensstunden die Hand zu halten, wäre der innigste Wunsch von Hannelore Strube gewesen. Foto: lz/t&w

Verstorbene Angehörige: Klinik versäumt Anruf bei Tochter

Lüneburg. Vor gut einem Monat verstarb die Mutter von Hannelore Strube. Der Wunsch der Hildesheimerin wäre es gewesen, dass sie in den letzten Lebensstunden der 93-Jährigen am Krankenbett hätte sein können. Doch sie wurde vom Lüneburger Klinikum nicht informiert. „Als eine Nachbarin mir mitteilte, dass meine Mutter verstorben ist, bin ich aus allen Wolken gefallen.“ Die Hildesheimerin verlangte Aufklärung vom Klinikum, fühlte sich jedoch abgefertigt und wandte sich schließlich an die LZ. Inzwischen hat das Klinikum Fehler eingeräumt.

Klinikum Lüneburg räumt Fehler ein

Hannelore Strube berichtet, dass ihre Mutter seit Jahren von einer Nachbarin im Alltag unterstützt wurde. „Am Donnerstag, 5. Oktober, ging es meiner Mutter nicht gut.“ Die Nachbarin habe die Bereitschaftsärztin gerufen, die die alte Dame abends ins Klinikum einwies. Am Morgen darauf habe sie persönliche Sachen ins Klinikum gebracht. „Sie hinterließ ihre eigene Handynummer sowie meine Handy- und meine Festnetznummer, um mich als Angehörige benachrichtigen zu lassen. Vom Klinikum erhielt ich keinerlei Nachricht. Mein Anschluss hat einen Anrufbeantworter, ich war immer erreichbar.“

„Es gab keine ‚unzureichende Kommunikation‘, sondern gar keine.“
Hannelore Strube, Angehörige

Am Sonnabend, 7. Oktober, klingelte am Nachmittag das Telefon bei Hannelore Strube. Am anderen Ende die Nachbarin. Die sei völlig konsterniert gewesen, „dass sich das Klinikum nicht bei mir gemeldet hatte und ich nicht wusste, dass meine Mutter in den früher Morgenstunden verstorben war“. Nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte, rief sie im Klinikum an. Ein Pfleger habe ihre Telefonnumer notiert, gegen 21 Uhr habe sie dann eine Ärztin angerufen. „Ich brachte der Ärztin meine Empörung zum Ausdruck, dass ich als Angehörige zu keinem Zeitpunkt informiert worden bin und die hinterlegten Telefonnummern offensichtlich verschludert wurden. Die Ärztin sagte, es habe keine Telefonnummer vorgelegen und hielt mir vor, dass es ein anstrengender Tag mit kranken Patienten gewesen sei.“

Hannelore Strube hat schwer damit zu kämpfen, dass sie über den Zustand ihrer Mutter nicht informiert wurde. „Ich hätte jederzeit am Freitag nach Lüneburg fahren können, um bei meiner Mutter zu sein.“ Am 12. Oktober wendet sie sich in einem Schreiben an den Ärztlichen Direktor des Klinikums, schildert das Ganze und fordert Aufklärung. Sie verweist auch darauf, dass der Nachbarin, „die vor Ort war, einmal gesagt wurde, man habe keine Telefonnummer, ein andermal hieß es, man habe alle Nummern durchgerufen und niemanden erreicht“.

„Unzureichende Kommunikation“

Eine Mitarbeiterin des Beschwerdemanagements meldet sich einige Tage später schriftlich, man werde dem Hinweis nachgehen. Eine Woche später erhält Hannelore Strube ein weiteres Schreiben. Darin heißt es: „Es tut uns außerordentlich leid, dass keine Information über die stationäre Aufnahme Ihrer Mutter und keine zeitnahe Benachrichtigung über ihr Ableben durch die zuständigen Mitarbeiter der Abteilung erfolgte. Die unzureichende Kommunikation sowie die empfundene mangelnde Wertschätzung bitten wir zu entschuldigen.“

Für Hannelore Strube setzt dieses Schreiben dem Ganzen die Krone auf. „Es geht nicht um einen ‚Hinweis‘, sondern um den massiven Vorwurf, dass ich nicht informiert wurde. Und es gab keine ‚unzureichende Kommunikation‘, sondern gar keine. Das Mindeste, was ich erwarte, ist, dass hier ganz klar ein Fehler eingeräumt wird. Auch mit Blick darauf, dass auch andere Angehörigen von einer solchen Situation betroffen sein können. Und ich frage mich, was wäre gewesen, wenn ich im Sinne meiner Mutter noch Entscheidungen hätte treffen müssen.“

Auf Anfrage erhielt die LZ vom Klinikum folgende Stellungnahme: „Nach interner Prüfung hat sich leider bestätigt, dass es versäumt wurde, Frau Strube über den Klinikaufenthalt ihrer Mutter zu informieren. Das Klinikum Lüneburg hat bereits schriftlich und telefonisch gegenüber Frau Strube sein tiefes Bedauern zum Ausdruck gebracht und sich in aller Form für diesen Fehler entschuldigt. Selbstverständlich sehen die Verfahrensanweisungen des Klinikums eine unverzügliche Benachrichtigung der engsten Angehörigen vor. Von daher kann das Klinikum an dieser Stelle nur noch einmal sein großes Bedauern und seine Entschuldigung an Frau Strube wiederholen.“

Von Antje Schäfer

One comment

  1. Wenn der geschilderte Fall auch sehr bedauerlich ist und für die Angehörige verständlicherweise sehr schmerzlich, darf ich anmerken,dass mein Vater und meine Mutter in den Jahren 2009 und 2015 ebenfalls im Städtischen Krankenhaus Lüneburg verstorben sind und ich mit dem Informationsfluss des KH durchaus zufrieden war. Die Stationsärztin informierte mich als 200 km entfernten Sohn beispielsweise fortlaufend über die Verschlechterung des Zustandes meiner Mutter,so gut es in der alltäglichen Belastung eben geht…schlimme Stunden für mich,in denen ich aber dem Ärzte- und Schwesternpersonal keinen Vorwurf machen kann…Leider scheinen solche geschilderten Vorkommnisse immer sehr personenabhängig und können nur ein Plädoyer für weniger Belastung durch mehr Personal sein.