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Einsatzbesprechung der Beamten: Die Spezialkräfte sind auch mit dem Sturmgewehr G36 ausgestattet, der Standardwaffe der Bundeswehr. Foto: polizei

Unterstützung der GSG 9 aus Uelzen

Uelzen. John McLane ist ein Held: Dutzende von fiesen Verbrechern und Terroristen schaltet der Polizist im Alleingang aus und rettet so vielen Unschuldigen das Leben. Hollywood macht‘s möglich. Jedenfalls in der „Stirb-Langsam“-Action-Reihe mit Hauptdarsteller Bruce Willis. Mit dem realen Polizistenleben hat der US-amerikanische Blockbuster freilich wenig zu tun. Im Gegenteil: „Rambo-Typen und Einzelgänger haben bei uns keine Chance“, sagt Polizeioberrat Bernd Gasow, stellvertretender Abteilungsführer der Bundespolizei in Uelzen.

„Kein Job für Rambo“

Dabei verfügt seine Truppe seit wenigen Monaten ebenfalls über Spezialkräfte, die gefordert sind, wenn eine Terrorgefahr droht, wenn Großveranstaltungen, zentrale Gebäude oder Menschenansammlungen von Terroristen heimgesucht werden. „BFE+“ heißen die Spezialkräfte, die im Ernstfall die GSG 9 bei solchen Einsätzen unterstützen und entlasten sollen. Die Abkürzung steht für „Beweissicherungs- und Festnahme-Einheit mit Zusatzaufgaben“. Seit Ende April diesen Jahres ist diese „robuste Einheit“ am Standort in Uelzen einsatzbereit.
Ihre „Feuertaufe“ haben die Beamten bereits erfolgreich bestanden: Unter anderem beim G20-Gipfel in Hamburg, aber auch schon in Berlin oder in Stuttgart.

Die Idee, quasi eine „GSG 9 light“ ins Leben zu rufen, wurde nach den Anschlägen auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 geboren. „Denn spätestens seitdem fragte man sich auch bei uns in Deutschland, ob wir für solche Ernstfälle gewappnet sind und ob im Fall der Fälle ausreichend geeignete Kräfte für mögliche Terrorlagen zur Verfügung stehen“, erinnert Gasow an die Geburtsstunde der BFE+-Kräfte.

Insgesamt fünf BFE+-Einheiten gibt es in Deutschland. Weitere Standorte neben Uelzen sind Blumberg bei Berlin, Sankt Augustin in der Nähe von Bonn, Bayreuth in Bayern sowie Hünfeld in Nordhessen.

„Diese Einheit kann schützen, diese Einheit kann fahnden, und diese Einheit kann entschlossen handeln.“
Dieter Romann, Bundespolizeipräsident

Spezialausbildung durch GSG 9-Training

In Uelzen sind es 49 Männer und eine Frau, die ihren Dienst in der BFE+-Truppe versehen. „Sie alle haben eine neunwöchige Spezialausbildung durchlaufen, wurden dabei von der GSG 9 trainiert. „Taktik, Schießausbildung und die notfallmedizinische Fortbildung standen dabei im Mittelpunkt“, sagt Gasow.

Auch die Ausrüstung der Beamten unterscheidet sich von der ihrer Kollegen in der „normalen“ Beweis- und Festnahme-Hundertschaft (BFHU). Besonders augenfällig: Die Beamten sind im Einsatz nicht nur mit ihrer Dienstpistole, sondern auch mit dem Sturmgewehr G 36 ausgerüstet – die Standardwaffe der Bundeswehr. Das finden nicht alle gut. Kritiker lehnen die schwere Bewaffnung, ab, fürchten eine Militarisierung der Polizei. Zudem verfügen die Beamten über schusssichere Helme und Westen und einen modernen Fuhrpark.

„Diese Einheit kann schützen, diese Einheit kann fahnden und diese Einheit kann entschlossen handeln“, lobte der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dieter Romann im Dezember 2015 bei der Vorstellung der ersten BFE+-Einheit: „Dadurch hält sie der GSG 9 den Rücken frei für Geiselbefreiungen und andere robuste Lagen.“

Sicherheit und Ordnung für Großereignisse

Doch obwohl die Beamten eine Spezialausbildung durchlaufen haben, versehen sie im Alltag ihren Dienst weiterhin ganz normal in ihren Hundertschaften, sorgen wie gehabt bei Fußballspielen, Demonstrationen oder anderen Großereignissen für Sicherheit und Ordnung. Allerdings führen sie auch bei solchen „Alltags-Einsätzen“ ihre persönliche BFE+-Ausrüstung immer mit. „Als Aufruf-Einheit müssen die Beamten schließlich immer damit rechnen, alarmiert zu werden“, erklärt der Uelzener Hundertschaftsführer Dieter Lewerenz. „Da spart es Zeit, wenn die Kollegen ihre Ausrüstung vor Ort schon dabei haben.“

Und noch einen Unterschied gibt es zu den Kollegen der GSG 9, beziehungsweise zu den Spezialeinsatzkommandos (SEK) oder Mobilen Einsatzkommandos (MEK) der Länderpolizeien: All diese Sondertrupps sind vor allem Zugriffskommandos – und im Gegensatz zu den BFE+-Beamten nicht geschult für tagelange, groß angelegte Fahndungen. „Da sind wir die Spezialisten“, sagt Lewerenz. Darauf trainiert, im Ernstfall der GSG 9 den Rücken freizuhalten, Gefahrenbereiche abzusperren, durchsuchte Räume zu sichern, Verletzte zu versorgen und Unbeteiligte aus dem Gefahrenbereich zu evakuieren.

Ein breites Fähigkeits-Portfolio also. Um dieses überall und zu jeder Tageszeit abrufen zu können, trainieren die Beamten viel: „In alten abrissreifen Gebäuden genauso wie auf Übungsplätzen der Bundeswehr“, berichtet Bernd Gasow. „Mindestens 50 Prozent der Dienstzeit sind Fortbildung und Training“, erklärt der Oberrat. Damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.

Von Klaus Reschke