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Etliche Bäume haben die Herbststürme in diesem Jahr auch in Stadt und Landkreis Lüneburg gefällt. Die Schäden, die „Xavier“ und zuletzt „Herward“ angerichtet haben, sind erheblich. Foto:lz/so

Der nächste Sturm kommt bestimmt

Lüneburg. Mit „Herward“ zog bereits der vierte Sturm in diesem Jahr übers Land. Abgedeckte Dächer, zertrümmerte Fensterscheiben und beschädigte Autos sind nicht nur für Haus- und Auto­besitzer ärgerlich und mit viel Nerverei verbunden, sondern sie haben auch eine hohe Schadensbelastung für die Versicherungswirtschaft zur Folge.

Die Serie schwerer Unwetter im Sommer 2017 schlägt bei den Versicherern laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bereits mit 600 Millionen Euro zu Buche. Was hat das für Kunden zu bedeuten, wollte die LZ von Hendrik Hampel, Sprecher des Bezirks Lüneburg im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute, wissen.

Interview

Hendrik Hampel, Sprecher des Bezirks Lüneburg im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute.

Herr Hampel, laut Klimaforscher werden Stürme weiter zunehmen. Sind die Kassen der Versicherer dafür gerüstet?
Hendrik Hampel: Das können wir als Verband nicht beurteilen. Hierzu kann lediglich die Versicherungswirtschaft oder auch der GDV Auskunft geben.

Ab Windstärke 8 ist für den Schadenersatz am Haus die Gebäudeversicherung zuständig. Aber zahlt die auch, wenn bei jedem Sturm Pfannen vom Dach gerissen werden?
Ja, die Versicherung muss zahlen, wenn der entstandene Schaden versichert ist. In der Regel sind in der Gebäudeversicherung Schäden durch Feuer, Leitungswasser und Sturm/Hagel mitversichert.

Allerdings häufen sich seit Jahren die Schadensfälle bei den Versicherungen aufgrund von Sturm und Überschwemmung durch Starkregen (Klimawandel). Viele Häuser sind zudem in den 60ern und 70ern gebaut worden, weswegen ihre Technik und Substanz jetzt aufgrund des Verschleißes reparaturanfälliger ist. Deswegen gehen die Versicherungen dazu über, bei ein paar (zwei bis drei) Schadensfällen innerhalb einer kurzen Zeit (1 bis 5 Jahre) die Verträge zu kündigen oder Selbstbeteiligungen mit den Kunden zu vereinbaren.

Wann empfiehlt es sich, einen Schaden aus eigener Tasche zu bezahlen?
Es empfiehlt sich bei Schäden mit geringer Schadenshöhe, also zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Beträgen den Schaden selbst zu begleichen, insbesondere wenn es schon der zweite oder dritte Schaden in den letzten Jahren gewesen ist. Denn wie gesagt: Treten bei einem Kunden die Schäden aus Sicht der Versicherer gehäufter auf, wird der Vertrag gekündigt oder eine höhere Selbstbeteiligung vereinbart. Dann verliert der Kunde mehr Geld, als wenn er einen geringen Schaden aus eigener Tasche bezahlt hätte. Am besten bespricht man den Schaden mit dem zuständigen Versicherungsberater, der weiß in der Regel, wie am besten zu verfahren ist.

Wenn ein Baum auf ein Auto stürzt, wird das über die Teilkaskoversicherung geregelt. Was zahlt die Versicherung?
Der Versicherte erhält den Schaden ersetzt, abzüglich der vereinbarten Selbstbeteiligung. Wenn es ein Totalschaden ist, zahlt die Versicherung den Wiederbeschaffungswert des Autos.

Welche Tipp geben Sie Versicherungsnehmern mit Blick darauf, dass sich Stürme häufen?
Kunden sollten ihre Verträge auf dem neuesten Stand halten und sich mit ihrem Versicherungsberater zusammensetzen und die Verträge durchsehen. So bieten manche Versicherer bei neueren Verträgen standardmäßig einen Versicherungsschutz für Überschwemmungsschäden durch Starkregen an.

Von Antje Schäfer

Schäden in Zahlen: Durchschnittliches Jahr

Was den Schadensaufwand angeht, sei 2017 bislang ein durchschnittliches Jahr, sagt Kathrin Jarosch, zuständig für Kommunikation beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

2016 hatten 540 Millionen Sturm- und Hagelschäden einen Schadensaufwand von einer Milliarde Euro verursacht, dazu kamen 900 Millionen Euro für die Regulierung von 110 000 Elementarschäden sowie 615 Millionen Euro, die über die Voll- und Teilkasko der Kfz-Versicherung reguliert wurden.

In der Langzeitbetrachtung seit 2000 verursachten Naturgewalten im Durchschnitt einen jährlichen Schaden von 2,4 Milliarden Euro. Laut Naturgefahrenreport der GDV ist erkennbar, dass sich der Wechsel von schadensarmen und schadensreichen Jahren verkürzt.

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