Dienstag , 18. September 2018
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Kerstina Peck (l.) spielt mit Chayenne Gurr und Leo. Die junge Mutter lebte mehr als ein Jahr im MaDonna. Foto: lz/be

MaDonna hilft seit 30 jahren

Lüneburg. Chayenne Gurr wurde mit 17 schwanger. Ihre Familie gab ihr keinen Rückhalt: „Mein Vater ist tot, zu meiner Mutter habe ich keinen Kontakt.“ Sie lebte bei ihrem Freund und dessen Familie. Keine gute Entscheidung: „Er hat mich geschlagen.“ Und die Familie fand, dass Frauen sich unterzuordnen haben. Als sie Unterleibsschmerzen bekam, flüchtete sie ins Krankenhaus. Allein.

Eine Erlösung: „Ich hatte ein sicheres Zimmer und eine Sozialarbeiterin kam.“ Es war klar, dass sie nicht mehr zu ihrem Freund zurück wollte. Leonardo kam mit einem Kaiserschnitt zur Welt. Das Jugendamt vermittelte Mutter und Kind ein neues Zuhause: das MaDonna in Lüneburg. Das Familienzentrum Am Weißen Turm ist Anlaufstelle für junge Mütter und Väter. Am Freitag feiert die Einrichtung ihren 30. Geburtstag.

Viele unterschiedliche Schicksale

Das Los Chayennes und Leos steht für viele Schicksale, die Leiterin Kerstina Peck und ihre Kollegen erleben. Elf Plätze gibt es im Haupthaus, dazu zwei Wohnungen in der Nähe. Eher selten ziehen junge Väter ein. „In der Regel nehmen wir Mädchen ab 16 Jahre auf“, berichtet Kerstina Peck. Auch 15-Jährige kommen schwanger oder mit ihren Kindern: „Meistens sind es Babys, aber Kinder dürfen bis zu sechs Jahre alt sein.“ Jugendämter und Gerichte weisen die Frauen zu.

Fast jede kommt aus einer Familie, in der nicht unbedingt die Harmonie zu Hause ist. Ein Kind kann die Hoffnung sein, Geborgenheit und eine friedliche Welt zu erleben. Die Realität schaut anders aus. Kerstina Peck sagt: „Die jungen Frauen sind überfordert. Die sind in der Pubertät, sie sind jung, gleichzeitig haben sie sich für die Mutterrolle entschieden.“ Das führt zu Konflikten: „Ausschlafen geht nicht, die Kinder müssen versorgt werden. Feiern ist kaum drin.

Die Frauen müssen ihr Zusammenleben hier hinbekommen. Das geht nicht immer ohne Streit.“
Eigentlich sollen keine Jugendlichen kommen, die psychische Probleme haben. Eigentlich: „Eine Borderline-Störung kann man erst mit 18 diagnostizieren.“ Aber manche der Klientinnen weisen die Symptome natürlich schon vorher auf.

Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche

27 Mitarbeiter, alle in Teilzeit, sind in einem Schichtsystem rund um die Uhr und sieben Tage die Woche als Ansprechpartner da. Sie achten darauf, dass die Kinder gut versorgt werden. Das klappt nicht immer: „In einigen Fällen müssen wir Mutter und Kind trennen.“ Etwa weil ein neuer Freund da ist, der die volle Aufmerksamkeit fordert. Die Kleinen kommen in Pflegefamilien, die Mütter stehen im Zweifel auf der Straße und landen in der Herberge: „Es gibt keine Anschlussbetreuung.“ Ein großes Manko: Denn die Frauen benötigten selber Hilfe.
MaDonna hat als kleine Beratungsstelle 1976 und mit viel ehrenamtlichem Engagement begonnen, schließlich kam eine Wohnung dazu. Vor 30 Jahren zog man in ein Haus Vor dem Neuen Tore, vor drei Jahren der Wechsel an die Sülzwiesen. Das Haus sei schon wieder zu klein. Besprechungsräume fehlen, aber vor allem ist die Nachfrage groß.

Chayenne Gurr könnte zu denen gehören, die am Ende tatsächlich auf eigenen Füßen stehen, das schaffen die wenigsten. Sie lebt in einer Wohnung am Bockelsberg, einmal die Woche bekommt sie zu Hause Unterstützung. Die 19-Jährige hat einen Hauptschulabschluss nachgeholt und möchte eine Ausbildung beginnen. Ihrem Leo gehe es prima, seine Mama freut sich: „Ich habe meine Ziele erreicht.“ MaDonna habe ihr dabei geholfen: „Sonst hätte ich es nicht geschafft.“

Von Carlo Eggeling