Dienstag , 25. September 2018
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Die blauen Reflektoren haben sich auf der Versuchssrecke zwischen Melbeck und Grünhagen bewähjrt die Zahl der Wildunfälle ging deutlich zurück. Foto: lz/phs

Blitzlicht gegen Wildunfälle

Lüneburg/Celle. Wildunfälle sind ein tödliches Problem: Für das Wild selbst, aber auch für Autofahrer. Straßenverkehrsbehörden und Jägerschaft versuchen daher mit Tricks und baulichen Maßnahmen, das Wild von der Straße fernzuhalten. Im Landkreis Celle etwa wurde vor wenigen Wochen ein neuer Versuch gestartet: Dort testet die Kreisstraßenmeisterei neue Reflektoren, die an kleine Lichtorgeln erinnern und die ein regelrechtes „Blitzlichtgewitter“ in den Wald streuen, wenn die Scheinwerfer eines Autos auf sie treffen. Eine Innovation auch für den Landkreis Lüneburg?

In diesem Jahr registrierte die Polizeiinspektion bis Mitte des Jahres 405 Wildunfälle allein im Landkreis Lüneburg. 2016 weist die Statistik für ganz Deutschland 230 000 Wildunfälle mit Schalenwild aus, davon 194 410 Rehe. In Niedersachsen waren im vergangenen Jahr 25 280 Rehe unter die Räder gekommen. Und nicht immer ist nur das Wild Opfer von Kollisionen im Straßenverkehr: 2015 registrierte das Statistische Bundesamt 2 830 Wildunfälle mit Personenschaden, 18 Menschen wurden getötet.

Die Reduzierung von Wildunfällen ist auch dem Vorsitzenden der Jägerschaft im Landkreis Lüneburg ein wichtiges Anliegen: In Absprache mit den Straßenbau- und Verkehrsbehörden haben Christian Voigt und seine Mitstreiter die Bundesstraße 4 zwischen Melbeck und Grünhagen zur Versuchsstrecke gemacht. Auch dort wurden an den weißen Begrenzungspfählen Reflektoren angebracht. Keine „Lichtorgeln“ wie jetzt in Celle, sondern Reflektoren, die beim Auftreffen eines Lichtscheins blaues Licht reflektieren. Der Erfolg nach einem halben Jahr erstaunt selbst den erfahrenen Jäger: „Die Strecke ist seitdem fast wildunfallfrei“, freut sich Voigt. Früher hätten sich auf dem Teilstück in diesem Zeitraum bis zu zehn Wildunfälle ereignet. Jetzt sei es bislang nur zu einem einzigen Unfall gekommen. „Das ist doch ein durchschlagender Erfolg und zeigt, dass die blauen Reflektoren funktionieren“, bilanziert der Vorsitzende der Lüneburger Jägerschaft.

Eine weitere „Teststrecke“ soll bis Ende Februar nach Voigts Worten bei Heiligenthal eingerichtet werden. Mit den blauen Reflektoren, aber auch mit dem Aufstellen von „Dreibeinen“ und großen Warntafeln mit der plakativen Aufschrift „Besser langsam als Wild“. Mit dieser Aktion wollen die Jäger auch die Autofahrer zu mehr Vorsicht animieren. Dazu war vor Jahren auch die „3Bein-Aktion“ von Polizei und Jägerschaft ins Leben gerufen worden, um Autofahrer auf Wildunfälle aufmerksam zu machen (LZ berichtete). Denn viele Wildunfälle ereignen sich tagsüber. „Zu dieser Zeit nutzen auch ‚Lichtorgel‘ und blaue Reflektoren am Straßenrand nichts“, gibt Voigt zu bedenken. „Tagsüber“, bringt er es plakativ auf den Punkt, „muss man Autofahrer abschrecken, nachts das Wild.“

Dieses Problem hat auch der Hersteller der Celler Reflektoren erkannt. Deshalb haben die „Ampeln“ noch eine zweite Vorrichtung, die das Wild vom Überqueren der Straße abhalten soll. In einem Plastikbehälter über den Reflektoren befindet sich ein Duftkissen, das mit einer synthetischen Substanz getränkt wird, die auf Wildtiere eine abschreckende Wirkung hat. Alle drei Monate müssen die Kissen allerdings mit dem Duftstoff neu eingesprüht werden. Eine Arbeit, die die Jagdausübungsberechtigten übernehmen müssen.

Voigt ist trotzdem skeptisch. „Die Substanz verflüchtigt sich zu schnell“, befürchtet er. Zudem sind die Celler Reflektoren mit zehn Euro das Stück im Vergleich zu den Lüneburger „Blaulichtern“ deutlich teurer: „Unsere Reflektoren kosten vier Euro pro Exemplar“, sagt Voigt. Und selbst mit der günstigeren Variante kämen hohe Investionskosten zusammen: Um nämlich alle 350 Reviere im Landkreis Lüneburg mit den Reflektoren auszurüsten, „müsste die Jägerschaft mehr als 100 000 Euro investieren“, gibt Voigt zu bedenken. Vom Kreis bekomme die Jägerschaft als anerkannter Naturschutzverband aber lediglich einen Zuschuss von 10 000 Euro im Jahr – für alle Maßnahmen zusammen“, gibt Christian Voigt zu bedenken. Trotzdem habe die Minimierung von Wildunfällen in der Jägerschaft hohe Priorität.

Von Klaus Reschke