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So krank ist Lüneburg

Lüneburg. Der Krankenstand von Erwerbstätigen in der Lüneburger Heide ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken: Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen um 0,3 Prozentpunkte ab. Mit 3,9 Prozent gab es in der Region den gleichen Krankheitsstand wie im Land. Das geht aus dem DAK-Gesundheitsreport hervor, den Michael Meyer, stellvertretender Leiter des Servicecenters Lüneburg, jetzt vorstellte. Danach waren an jedem Tag des Jahres von 1000 Arbeitnehmern, die bei der Krankenkasse versichert sind, 39 krankgeschrieben.

Schlafstörungen nehmen zu 

Schwerpunktthema des aktuellen Reports waren Schlafstörungen, die zugenommen haben. Dazu nahm der Lüneburger Internist und Schlafmediziner Andreas Kuhlmann Stellung.
Häufigste Ursache für Fehltage sind Muskel-Skelett-Erkrankungen wie zum Beispiel Rückenprobleme. „Sie machen 21,9 Prozent am Gesamtkrankenstand aus“, so Meyer.

Auf Platz zwei rangieren wie bereits im Vorjahr psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout, bei denen aber ein Rückgang um sieben Prozent verzeichnet wird. Da aber diese Erkrankungen oft noch ein Tabuthema seien, „ist davon auszugehen, dass es eine weit höhere Dunkelziffer gibt.“ Platz drei belegen Atemwegserkrankungen wie beispielsweise Bronchitis, die im Vergleich zu 2015 um 8 Prozent abgenommen haben.

Ein weiteres Ergebnis: Bei 4,2 Prozent der Fälle handelt es sich um Langzeiterkrankungen, die immerhin für 48,2 Prozent der Fehltage in der Region Lüneburg verantwortlich sind. Allerdings waren in 36,4 Prozent der Fälle Arbeitnehmer nur bis zu drei Tagen krankgeschrieben.

Leiden vielfach unterschätzt 

Ein vielfach unterschätztes Problem sind laut dem Lüneburger Mediziner Andreas Kuhlmann Schlafstörungen. Für das Schwerpunktthema wertete das IGES Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Niedersachsen aus, die man auf die Region Lüneburg runterbrechen könne, so Meyer. Die Ergebnisse wurden mit einer Untersuchung der Krankenkasse von 2010 verglichen. Danach hatten 81,9 Prozent der Arbeitnehmer Einschlaf- und Durchschlafprobleme (2010: 43,4 Prozent).

Jeder zwölfte Arbeitnehmer leidet unter schweren Schlafstörungen (Insomnien) mit Ein- und Durchschlafstörungen, schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung.

Das hat sich auch auf die Krankmeldungen ausgewirkt. Im Vergleich zu vor zehn Jahren nahmen die Fehltage je 100 Versicherte um 108 Prozent auf 3,48 Fehltage zu. „Gleichzeitig geben aber 60 Prozent der Betroffenen an, dass sie ohne ärztliche Hilfe auskommen wollten“, sagt Kuhl­mann. „Dabei läuft man doch auch nicht mit zu kurzen Schuhen herum, aber kurze Schlafzeiten werden oft erzwungen oder toleriert.“ Ursache für Schlafprobleme seien unter anderem berufliche Rahmenbedingungen wie ständiger Termin- und Leistungsdruck sowie Erreichbarkeit und Nachtschichten.

Bei schweren Schlafstörungen steigt das Risiko zu Entwicklung von Bluthochdruck und Diabetes. Deshalb gelte es bei diesen Problemen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Kuhlmann hat auch Tipps, was jeder bei nicht lang­anhaltenden Schlafproblemen machen kann: Regelmäßige Schlafzeit über die ganze Woche einhalten. Der Tag sollte mit einer Ruhephase ausklingen. Und nicht vorm Schlafengehen vor dem Bildschirm hocken, denn das blaue Licht unterdücke die Bildung von Einschlafhormonen.

Von Antje Schäfer