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Mit Millionenaufwand saniert, erweitert und komplett neu ausgestattet fristet das Elbschifffahrtsmusuem mit seinen spektakulären Exponaten ein trauriges Dasein. Foto: tja

Seit 50 Jahren das „technische Gedächtnis“

Lauenburg. Die Unterlagen der 1872 von Christof Ruthof gegründeten Schiffswerft und Maschinenfabrik waren einst der Grundstein für die umfangreiche Sammlung des Lauenburger Elbschifffahrtsarchivs (LEA), das heute international als Fundgrube für wissenschaftliche Arbeit gilt. Neben dem Elbschifffahrtsmuseum und dem Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ ist das LEA das dritte Standbein des Vereins zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums. Und der feierte am Wochenende sein 50-jähriges Bestehen.

Armin Hummel, dessen Urgroßvater Ruthof war, schaute daher einmal persönlich im Archiv an der Elbstraße 141 vorbei. „Ich hatte auch Schiffbau studiert und sollte eigentlich in die Werft einsteigen, doch als ich 1961 so weit war, stieg die Familie Hummel aus dem Unternehmen aus, 1976 wurde der Betrieb ganz eingestellt“, erinnert er sich. „1975 hatten wir das erste Werftsterben, Mitte der 1980er-Jahre kam das zweite“, weiß Archivleiter Werner Hinsch. In seinem Fundus hat er Schiffbauunterlagen aus ganz Deutschland. Das Haus ist bis unters Dach mit Dokumenten gefüllt.

„Es ist ein Jammer, dass die Stadt das Museum nicht professionell aufstellt.“
Hans-Walter Keweloh, Schifffahrtsexperte

Die Einnahmen des Archivs und der Fahrten des 117 Jahre alten Raddampfers waren stets dafür gedacht, den Museumsbetrieb in Lauenburg zu fördern. Das Elbschifffahrtsmuseum besteht seit 1926 als Heimatmuseum und wurde 1960 um eine Abteilung zur überregionalen Elbschifffahrt ergänzt. Ziel war schon damals die Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Schifffahrt an der Elbe. Um den Betrieb zu unterstützen, wurde auf Bestreben von Museumsleiter Dr. Nils Nissen 1967 der Förderverein gegründet. Hinsch, Dr. Ernst Schmidt (Ingenieur) und Helmut Kiehn (Geschichtsverein) bildeten das Gründungskomitee, Kapitän Rudolf von der Heyde wurde der 1. Vorsitzende.


Das Elbschifffahrtsmuseum an der Elbstraße in Lauenburg muss aktuell ohne professionelle Leitung auskommen. Die Funktion ist der Stadt zu teuer.

Schnell wurde eine Verbindung zum Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven aufgebaut. „Wir sind lange Zeit einen Weg gemeinsam gegangen, aber dann hatten wir das Glück, dass die Politik bei uns erkannte, wie wichtig unsere Arbeit ist, während das in Lauenburg leider ausblieb“, erklärt Hans-Walter Keweloh, der 33 Jahre im DSM arbeitete und auch in Lauenburg Vorträge hielt und Ausstellungen zeigte. Jetzt war er Gastredner anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Lauenburger Vereins. Keweloh: „Es ist ein Jammer, dass die Stadt das Museum nicht professionell aufstellt.“ Es sei „rausgeworfenes Geld“, nach der Sanierung nicht voll durchzustarten, so Keweloh. „Lauenburg ist das Thema einst vorbildhaft angegangen, das darf jetzt nicht so verschwinden.“

Am 25. Oktober 1970 legte in Lauenburg schließlich erstmals das heutige touristische Aushängeschild der Stadt an: Der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“, 1900 in Dresden gebaut und bis 1970 auf der Weser im Dienst. „Das ist Museumsarbeit im Maßstab 1:1“, schwärmte von der Heyde damals. „Für uns war es damals die größte Herausforderung, einen Liegeplatz für das Schiff zu finden“, erinnerte sich am Wochenende Wolfgang Genczik, ehemals Erster Stadtrat in Lauenburg. Er hätte „mit Sicherheit nie gedacht“, dass der Raddampfer so lange in Lauenburg fahren würde. „In einem Fernsehbeitrag von 1972 heißt es, der Dampfer würde wohl noch zwei Jahre halten“,, berichtete Werftchef Franz Hitzler während der Jubiläumsfeier.
Doch noch immer ist der Raddampfer gut in Schuss, Ende 2018 sollen weitere Reparaturen folgen. „Ich bewundere die Aktivitäten der Vereinsmitglieder schon lange“, sagt Kreispräsident Meinhard Füllner. „Hier wird seit 50 Jahren ein technisches Gedächtnis bewahrt“, lobte er.„Wenn wir so weitermachen, wie bisher, dann fährt der Kaiser auch noch mindestens 25 Jahre,“ prophezeit Markus Reich.

Darauf hofft auch Lauenburgs Bürgermeister Andreas Thiede. Denn, so seine Vision: „In 25 Jahren ist die Altstadt voll mit Menschen, Lauenburg ist beliebtes touristisches Ziel und der ,Kaiser‘ fährt die Menschen auf der Elbe und vermittelt eine längst vergessene Technologie“.

Von Timo Jann